19.11.2021 - 15:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs Feuerwehr-Führungsduo hört nach 24 Jahren auf

24 Jahre standen sie an der Spitze der Amberger Feuerwehr. Jetzt haben Stadtbrandrat Bernhard Strobl und Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer nicht mehr kandidiert. Ein Blick zurück – auf bewegte Jahre. Und auf ein AC/DC-Konzert.

Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer (vorne) und Stadtbrandrat Bernhard Strobl sind fürs Foto noch einmal in eines der Amberger Feuerwehrautos gestiegen. Die beiden geben die Führung ab, bleiben aber aktiv in der Amberger Feuerwehr.
von Heike Unger Kontakt Profil

Zur Wahl des Führungsduos der Amberger Feuerwehr sind Stadtbrandrat Bernhard Strobl und Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer im Oktober nicht mehr angetreten. Vier Amtsperioden an der Spitze der Aktiven und, im Fall Strobls als dessen Vorsitzendem, auch an der Spitze des Feuerwehr-Vereins, seien genug: Da waren sich die beiden einig, verraten sie bei einem Gespräch in der Amberger Feuerwache. Die ist schon seit längerem eine Baustelle. Im Gang gibt die frei gelegte Decke den Blick frei auf dicke, bunte Kabelstränge. In einem Anbau wird gerade der neue Wach- und Aufenthaltsraum eingerichtet. Corona hat die Arbeiten gebremst, Strobl und Seegerer müssen ihren Nachfolgern, dem neuen Stadtbrandrat Heinrich Scharf und Stadtbrandinspektor Christoph Bachmann, eine echte "Baustelle" hinterlassen. Vor allem die Erneuerung der Haustechnik und die energetische Sanierung der 1991 eingeweihten Wache stehen ganz oben auf der Aufgabenliste.

Dafür übergeben sie einen Fuhrpark, der bei ihrem Amtsantritt veraltet war, dank jährlicher Neuanschaffungen nun aber auf dem neusten Stand ist. Wenn es so bleiben soll, müssen die "Neuen" aber schon bald den nächsten Kauf anleiern: Das erste der drei Wechsellader-Fahrzeuge hat jetzt 19 Jahre auf dem Buckel und müsste als nächstes ersetzt werden. Amberg war 2002 eine der ersten Feuerwehren in Bayern, die dieses System eingeführt haben: Für besondere Einsätze, beispielsweise mit Gefahrgut, die nicht so häufig sind, nutzt die Wehr insgesamt drei Fahrzeuge, die sie je nach Bedarf mit Containern mit der jeweils benötigten Ausstattung bestücken kann. Das spart Geld, weil man nicht jeweils ein eigens Fahrzeug braucht, sondern nur den Auflieger wechselt. Seegerer hat es zusammengezählt: In den vergangenen 24 Jahren gab es 40 "Beschaffungen", überwiegend Fahrzeuge sowie größere Gerätschaften, im Gesamtvolumen von knapp fünf Millionen Euro.

Ein Monster, das Leben retten kann: der Teleskopgelenkmast der Feuerwehr Amberg

Brandstiftung und ein explodiertes Café

Bernhard Strobl kann noch eine weitere Zahl besteuern: In seiner Amtszeit hatte die Amberger Feuerwehr 15.000 Einsätze. Der Laie staunt. Für den Fachmann ist es aber eine ganz normale Zahl für eine Stadt der Größe Ambergs, bei durchschnittlich 600 bis 700 Einsätzen im Jahr. Natürlich gibt es einige, die den beiden besonders in Erinnerung geblieben sind: Die Brandstiftung in einem Möbelhaus an der Schlachthausstraße 1998, bei dem die zerborstenen Schaufensterscheiben der Wehr die Schläuche aufschlitzten, und die eisige Kälte das auslaufende Wasser gefrieren ließ. Die Gasexplosion im Café Eiszeit 1999, der Brand der Gaststätte Schießl in der Altstadt 2004 oder der Unfall, bei dem 2006 ein Kind im Drillingsfeld aus einer Drainagegrube gerettet werden musste. Auch im Landkreis waren die Amberger im Einsatz, zum Beispiel nach dem schweren Zugunglück bei Gressenwöhr, einige Aufträge führten sie sogar in weitere Ferne, etwa das Hochwasser in Dessau oder die Schneekatastrophe im Bayerischen Wald.

"Wir haben eigentlich das ganze Spektrum dessen, was man sich vorstellen kann, miterlebt", sagt Seegerer. Wie sehr belasten schlimme Brände oder Unfälle? Seegerer kann damit gut umgehen, bei ihm gibt es nur wenige Einsätze, die lange nachklingen. "Es gab ein paar schreckliche Unfälle – wenn du da heute vorbei kommst, geht dir das schon nach." Drüber reden hilft, meint er. Und Strobl pflichtet ihm bei: Die Feuerwehrleute reden nach belastenden Einsätzen miteinander. Danach gehe sowieso keiner gleich nach Hause, "da stellt man sich noch in der Fahrzeughalle zusammen und redet darüber". Damit komme man in Amberg gut zurecht. Zumal man ohnehin versuchen müsse, das Einsatzgeschehen nicht zu nah an sich herankommen zu lassen, sonst wäre die Arbeit der Feuerwehr gar nicht machbar. Einmal war das wirklich schwierig: Als sie Wehr als Erste am Unfallort auf der B85 einen 14-jährigen Buben wiederbeleben musste. "Er hat es dann leider nicht geschafft", sagt Strobl. Damals war der Notfallseelsorger auch bei der Feuerwehr gefordert.

So war das mit AC/DC

Glücklicherweise gibt es auch viele schöne Erinnerungen. Auch an manche große Veranstaltung, die die Wehr organisiert oder begleitet hat: Das Antenne-Bayern-Fest 1999 in Amberg, mit 40.000 Besuchern auf dem Dultplatz und den Scorpions als Top Act. Der erste Bundesleistungswettbewerb 2002 im FC-Stadion. Und dann natürlich der Deutsche Jugendfeuerwehrtag. Den die Amberger eher "zufällig" ausrichteten, weil der eigentliche Veranstalter die Organisation nicht stemmen konnte. Amberg konnte – und machte sich damit einen Namen im Deutschen Feuerwehrverband und sogar im Weltfeuerwehrverband. Letzterer brachte bei zwei Tagungen Feuerwehren aus 14 Nationen nach Amberg. International pflegt die Amberger Wehr besonders enge Kontakte nach Wels/Österreich. Die Verbindung ist keine rein gesellschaftliche, sondern auch eine arbeitstechnische, die so lebendig ist, dass sich beide Partner regelmäßig besuchen, auch um miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen.

Ihr ganz persönliches Highlight haben Strobl und Seegerer auch ihren Freunden in Wels zu verdanken: Als dort ein Konzert von AC/DC angekündigt war, boten die Amberger ihre Hilfe bei der Sicherheitswache an. "Die Welser haben das dankend angenommen", sehr zur Freude der zehn Amberger, die dann zwar ordentlich zu tun hatten, aber auch ein unvergessliches Erlebnis hatten: 100.000 Besucher, AC/DC, und als Sicherheitswacht in der ersten Reihe. Das ist eigentlich nicht zu toppen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

"Wir werden immer wieder gefragt, warum hört ihr jetzt auf?", erzählt Strobl und erklärt es so: "Es war immer unser Ziel, dass wir das nicht bis ultimo machen." Man erlebe ja immer wieder, "dass Leute nicht den richtigen Zeitpunkt finden für den eigenen Abgang. Meistens, ist das, was danach kommt, dann nicht mehr so prickelnd. Da haben wir gesagt, das machen wir nicht." Stattdessen folgen Strobl und Seegerer lieber dem Grundsatz, "wenn's am schönsten ist, hören wir auf". Strobl betont: "Wir haben eine tolle Zeit gehabt, 24 Jahre lang. Kann’s nochmal besser werden? Eigentlich nicht. Wir haben ziemlich alles erreicht, was wir erreichen wollten." Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, in die zweite Reihe zurückzutreten.

Genau das tun die beiden. "Wir hören ja nicht ganz auf, wir machen ja Feuerwehr weiter", betont Seegerer. Beide, Jahrgang 1963, wollen weiter in der aktiven Truppe Dienst tun – und dabei anderen die Führung überlassen. Strobl bleibt auch dienstlich in der Nähe – er arbeitet, wie schon seit Einführung der Integrierten Leitstelle in Amberg weiter für den "Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg". Als die beiden angefangen haben, endete der aktive Feuerwehrdienst mit 60 Jahren, heute mit 65. Und bei Strobl und Seegerer? Beide lachen. Strobl meint, mit 60, das sei so ein Punkt, an dem man überlege. "Das wäre in eineinhalb Jahren. Dann schau ma mal." Seegerer merkt dazu etwas an, was man zuletzt oft in Zusammenhang mit der Kanzleerschaft Angela Merkls gehört hat: Jemand, der vor 24 Jahren zur Amberger Feuerwehr gegangen ist, "hat nur den Bernhard als Kommandanten erlebt. Das ist eine lange Zeit. Man muss irgendwie ein Ende finden, das haben wir jetzt. Und das passt".

Am liebsten ohne Ehrung

Der "Kommandowechsel" wird wegen Corona ganz ohne Brimborium laufen. Strobl und Seegerer sind bis 20. November im Dienst, ab 21. November haben Scharf und Bachmann die Verantwortung für insgesamt rund 340 aktive Feuerwehrleute in Amberg (inklusive den Stadtteilwehren), davon rund 120 am Standort der Feuerwache. Dass in den 24 Jahren keiner von ihnen ernsthaft verletzt oder gar im Einsatz ums Leben gekommen ist, freut Philipp Seegerer besonders: Das liege aber wohl weniger am Führunsduo als an guter Ausrüstung und Ausbildung. Dass Corona offizielle Veranstaltungen gerade wieder verhindert, ist dem scheidenen Führungsduo ganz recht. Auszeichnungen und Ehrungen waren nie ihr Ding. "Unsere Ehrung war es immer, wenn wir etwas gut hinbekommen haben." Beide sahen sich selbst immer als Motivatoren für ihre Mannschaft. Und in die wollen sie sich jetzt als Kameraden einfügen. Und beim Wachfest, wenn es endlich wieder stattfinden kann, Bier ausschenken. So, wie sie es in ihren frühen Jahren bei der Feuerwehr auch schon gemacht haben.

Die Pademie hat auch die Feuerwehren ausgebremst

Amberg
Bernhard Strobl.
Philipp Seegerer.
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