15.04.2019 - 10:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs letzte Videothek schließt endgültig

Es ist definitiv Schluss: Die letzte Amberger Videothek ist Ende April Geschichte. Eigentlich wollte Eigentümer Wolfgang Hauser schon im Herbst die Türen schließen, doch dann kamen noch einmal einige Kunden. Ihnen möchte er nun danken.

Nach etwas mehr als 30 Jahren schließt Wolfgang Hauser seine Videothek in der Werner-von-Siemens-Straße in Amberg - endgültig zum 30. April. Viele Regale sind leer, teilweise auch schon abgebaut.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bis der letzte Film über den Tresen geht: So lange wollte Wolfgang Hauser in seiner Videothek in der Werner-von-Siemens-Straße in Amberg Blockbuster, Serien und Filmklassiker verleihen. Das sagte der 62-Jährige im September und ging davon aus, dass er "Ende des Monats oder im Oktober" für immer schließt. Doch es kam etwas anders als gedacht.

Sechs Monate später steht Hauser immer noch in seinem Verleih, doch viele Regale sind mittlerweile abgebaut. Manche Wände sind kahl, es sind Ränder der Aufsteller aus den vergangenen Jahren zu erkennen. In den wenigen anderen Regalen stehen die DVD- und Blu-ray-Hüllen wie ein Gebiss mit vielen Zahnlücken. Der "Hard-Core"-Verleih ist schon ganz verschwunden. "Die Videotheken-Ära ist vorbei", sagt Hauser. Von rund 4000 Filmen seien jetzt noch zwischen 1500 bis 1800 übrig. "Jetzt steht jeder Film zum Verkauf."

Rückblick: Einige seiner Kunden seien nach dem Artikel in der Amberger Zeitung Anfang Herbst zu ihm gekommen, erzählt er. "Sie wollten wissen, warum ich schließe." Der Verleih sei richtig eingebrochen. "Ich konnte nicht weitermachen, ohne draufzuzahlen." Er hätte jetzt die Notbremse ziehen müssen, "wenn schließlich nichts übrig bleibt". Die 30 Jahre seines Verleihs hat er im Oktober noch voll gemacht. Bis 65 Jahre zu arbeiten, sei eigentlich sein Ziel gewesen. "Daraus wird nichts mehr."

Amberg

Einige seiner Kunden, die in den vergangenen Wochen bei ihm reingeschaut hätten, bedauern seine Entscheidung. "Es gibt Leute wie mich, die haben kein Internet zu Hause." Wie sollten sie nun Filme ausleihen, wenn sie keine Möglichkeit mit Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon-Video haben? Von ihnen hat sich Hauser persönlich verabschiedet. "Es liegt mir am Herzen, mich bei jedem einzelnen zu bedanken, der in den letzten 30 Jahren in meiner Videothek war." Es sei eine schöne und erfüllende Zeit gewesen.

Jetzt wolle Hauser seinen Lebensabend genießen. "Ich lasse das einfach auf mich zukommen." Was er ab 1. Mai macht? "Ein bisschen arbeiten, damit mir zu Hause nicht langweilig wird", sagt er mit einem kurzen Lächeln.

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