30.11.2021 - 17:43 Uhr
AmbergOberpfalz

American Football bei den Mad Bulldogs begeistert Amberg

Von wegen Randsportarten. Tennis und Eishockey haben noch nie ein Schattendasein in Amberg geführt. Gerade wird American Football in der Vilsstadt immer beliebter.

Wenn die Mad Bulldogs spielen, ziehen sie regelmäßig Hunderte Fans an. Mehr als beispielsweise zu den Spielen des FC Amberg kommen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es gab Zeiten, da spielten die Bayern – und das Stadion war gerade mal zu einem Fünftel gefüllt. Dabei waren das durchaus glorreiche Zeiten, in denen der FCB zuvor dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister geholt hatte, und die zu den erfolgreichsten in der ruhmreichen Geschichte gehörten. Heute unvorstellbar.

Uli Hoeneß, der damals wegen seiner Knieprobleme seine aktive Karriere beenden musste, wechselte vom Fußballrasen an den Schreibtisch. Eine seiner ersten Amtshandlungen: Er flog in die USA und holte sich Inspiration von den Basketball- und Football-Spielen. In Amerika sind zu der Zeit nicht nur die Stadien voll, die Fans decken sich auch noch reichlich mit Merchandise-Artikeln ein. Für Hoeneß war damals klar: Er muss den Fußball und seinen FC Bayern München anders vermarkten.

Was daraus geworden ist, ist bekannt. König Fußball regiert in Deutschland und Europa die Sportwelt. Längst ist er zu einem Millionen- und Milliardengeschäft geworden. Und auch im Amateurbereich dominiert der Fußball. Laut Wikipedia sind sechseinhalb Millionen Menschen (über acht Prozent der Bevölkerung) Mitglied in einem der über 27 000 Fußballvereine.

Wenngleich es auch in Amberg etliche Amateurkicker und Fußballvereine gibt, so stehen die vermeintlichen Randsportarten hier schon immer gut da. Der TC am Schanzl hatte zwischen 1978 und 1982 enorm ruhmreiche Zeiten, als die Amberger fünf Mal in Folge die deutsche Meisterschaft im Herrentennis holten. 1998 konnte sogar noch ein weiterer Meistertitel eingeheimst werden.

NFL-Spiel in Deutschland

Auch Eishockey zieht in Amberg seit Jahrzehnten. Es gibt eine etwa 40 Leute umfassende Fangemeinde, die auf der Facebookseite „Die treuen Lion Fans ERSC Amberg“ Präsenz zeigen. Sie bezeichnen sich selbst als „fröhlicher Haufen Eishockeyfans“, der sich einmal im Monat zum Stammtisch trifft. Es ist nur ein Beispiel, wie verrückt, die Amberger nach dem Spiel auf dem Eis sind.

Eine weitere Sportart hat in den vergangenen Jahren ziemlich aufgeholt: Football. Die NFL hat Deutschland längst als den großen Wachstumsmarkt außerhalb der Vereinigten Staaten ausgemacht. Im kommenden Jahr, spätestens aber 2023, soll ein offizielles Saisonspiel hierzulande stattfinden. München, Frankfurt und Düsseldorf sind als Austragungsorte im Rennen. Alleine das zeigt den Stellenwert von Football. Wegen der Truppenübungsplätze in Grafenwöhr und Hohenfels kommt der Fakt hinzu, dass viele Amerikaner das Leben in der nördlichen Oberpfalz mitprägen und dafür sorgen, dass Football in und um Amberg auf dem Vormarsch ist.

Wie sehr er schon angekommen ist, zeigen alleine die Zahlen. Philipp Butz, der die Mad Bulldogs seit Jahren begleitet und viele organisatorische Aufgaben übernimmt, spricht von im Schnitt 500 Zuschauern bei den Spielen im TV-Stadion. Vor Corona waren es sogar rund 800. Zum Vergleich: Sucht man nach Werten für die Fußballmannschaft des FC Amberg wird man auf der Seite von Fupa fündig. Dort wird für die letzten sieben Heimspiele ein Schnitt von 277 errechnet.

Das liegt sicherlich auch daran, dass Football schon seit längerem einen guten Stand in der Region hat. Bevor sich die Mad Bulldogs im Jahr 2016 gegründet haben, gab es schon lange die Red Devils in Kümmersbruck. Während der Verein aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach in der jüngsten Vergangenheit keine Spiele mehr austrug, waren die Bulldogs im Bavarian Bowl im Einsatz, wo sie sich sogar vor einigen Wochen den Titel sichern konnten.

An Spielern mangelt es den Amberger Footballern nicht. Laut Butz kommen sie bis aus Regensburg, Cham, Hof, Nürnberg, Erlangen. Das Einzugsgebiet ist groß. Insgesamt sind es 70 Leute. Einen Vorteil, den Butz beim American Football sieht, ist der, dass Athleten mit nahezu allen körperlichen Voraussetzungen bei dem Sport mitmachen können. Beim Fußball geht in ambitionierten Ligen alles zwischen schlank wie Thomas Müller bis muskulös wie Leon Goretzka durch. Männer mit echten Bäuchen wie einst Kugelblitz Aílton oder ein Niklas Süle, bei dem es oberhalb der Hüfte mal mehr und mal weniger schwabbelt, sind die Ausnahmen. Beim Football haben Typen von der Kategorie Lauch bis hin zum Spieler mit einem Body-Mass-Index im Bereich eines Bud Spencers ihre Daseinsberechtigung.

Und auch die Fans und Zuschauer sollen auf ihre Kosten kommen. Butz sagt: „Football ist Entertainment.“ Bei dem Satz haben sicherlich viele Assoziationen zu Cheerleadern oder den gigantischen Shows zum Super Bowl im Kopf. Doch auch in Amberg wollen die Mad Bulldogs immer ein wenig Spektakel liefern. „Es soll ein Familien-Event sein. Wir haben immer eine Hüpfburg da, bieten Kinderschminken an. Für die kleinen Gäste gibt’s Süßigkeiten, für die Senioren Kaffee und Kuchen.“ Die Firma Herding hat sogar ein Regelheft entworfen, das bei den Spielen ausgeteilt wird.

Kratzer in der Krone

Das Konzept scheint aufzugehen. Football ist in Amberg genauso wenig wie Eishockey oder Tennis eine Randsportart. Vielmehr hat der Fußball im Allgemeinen immer mehr mit unzufriedenen Fans zu kämpfen, wenn man sich umhört. Ob es nun eine anvisierte Super-League ist oder es um die mittlerweile drei Abonnements geht, die abgeschlossen werden müssen, um alle Spiele zu sehen – all das sorgt für Ärger und Unverständnis.

König Fußball wird Sportart Nummer eins in den Amberger Breitengraden bleiben. Doch die Krone hat Kratzer bekommen. American Football könnte künftig weitere Sportbegeisterte abgreifen. Oder bildlich formuliert: Wenngleich Football den Fußball nicht umtackeln wird, einen ordentlichen Rempler hat es schon gegeben.

Mad Bulldogs Amberg holen sich den Bavarian Bowl

Amberg

"Football ist Entertainment."

Philipp Butz von den Mad Bulldogs

Philipp Butz von den Mad Bulldogs

 

 

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