20.09.2020 - 13:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Amtsgericht Amberg: Mehr Richterinnen als Richter

Als die Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts das Amtsgericht besuchte, rechnete sie vor: "Es gibt hier zwölf Richterstellen. Sieben davon sind durch Frauen besetzt." Jedoch "hapert es an Führungspositionen für Richterinnen".

Das Amtsgericht Amberg am Paulanerplatz.
von Autor HOUProfil

In einer Statistik steht, dass jeder Bürger drei Mal in seinem Leben etwas mit der Justiz zu tun hat. Das muss nicht unbedingt als Angeklagter in einer Strafsache sein. Kontakte in Erb- oder Grundbuchangelegenheiten zählen ebenso dazu. Beim Amtsgericht Amberg sind neben 12 Richtern auch 20 Rechtspfleger, 7 Gerichtsvollzieher, 18 Beamte der sogenannten zweiten Qualifizierungsebene, 26 Justizangestellte, 6 Wachtmeister und 15 Anwärter für die Bevölkerung aus der Stadt Amberg und dem Kreis Amberg-Sulzbach zuständig. Viele dieser Positionen sind mit Frauen besetzt.

Im ersten Halbjahr 2020 gingen beim Amtsgericht 500 Zivilverfahren, 436 Strafsachen, 188 Bußgeldangelegenheiten und 380 sogenannte Familiensachen ein. Die meisten davon sind bereits abgearbeitet. 562 Vorgänge waren es in der Zivilabteilung (wobei da noch Fälle aus 2019 dazu zählten), 337 in der Strafabteilung, 172 bei den Bußgeldverfahren und 311 in Familiensachen. Das könne sich sehen lassen, lobte die OLG-Vizepräsidentin Waltraud Bayerlein.

Das Arbeisspektrum eines Amtsgerichts umfasst auch die "freiwillige Gerichtsbarkeit". Aus Zahlen, die Waltraut Bayerlein präsentierte, wurde deutlich, worum es sich dabei handelt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 330 Betreuungs- und 4927 Grundbuchsachen eingereicht. Die Justizbediensteten mussten sich mit 71 Insolvenzverfahren, 1068 Nachlasssachen und 118 Verbraucherinsolvenzverfahren befassen. Auf ihren Schreibtischen lagen auch 1367 Vollstreckungsverfahren, 54 Zwangsversteigerungen und zwei sogenannte Zwangverwaltungsverfahren.

Beim Amtsgericht Amberg gibt es eine Besonderheit. Um sie zu schildern, holte die OLG-Vizepräsidentin weiter aus und berichtete, dass der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz seinen Sitz im Bezirk des AG Amberg habe. Von daher sei die Justizdienststelle am Paulanerplatz für alle Anträge mit Erzwingungshaft zuständig, die der Zweckverband stelle.

Unterdessen, so Waltraut Bayerlein, habe der Zweckverband seine Tätigkeit über den Amberger Amtsgerichtsbezirk hinaus ausgeweitet. Mit der Folge "eines starken Anstiegs in Erzwingungshaftsachen." Auch dazu nannte die Vizepräsidentin Zahlen. Im Jahr 2018 gab es 889 solcher Anträge, 2019 waren es 1509. Eine ähnlich hohe Zahl sei für heuer zu erwarten.

Fehlende Führungspositionen bei Frauen hatte Waltraut Bayerlein im Verlauf ihrer Ausführungen beklagt. Beim Amtsgericht Amberg ist demnächst die Stelle des stellvertretenden Direktors zu besetzen, da der bisherige Amtsinhaber Peter Jung nach Schwandorf wechselt. Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt es noch nicht.

Am Amtsgericht Amberg gibt es einen neuen Direktor

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