25.04.2021 - 12:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Auf der anderen Seite des Monitors: Lehrer im Homeschooling

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Wie geht es den Lehrkräften verschiedener Schularten auf der anderen Seite des Bildschirms? Eine Momentaufnahme und Impressionen nach vielen Wochen im Digitalunterricht.

Nicht nur für Schüler ist das Homeschooling nicht immer einfach: Auch die Lehrkräfte haben Hindernisse zu überwinden. Das zeigt auch dieser Lagebericht.
von Elisa RomfeldProfil

Eine Sache, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat, ist das "Lernen zu Hause", das sogenannte Homeschooling. Schon oft wurde medial die Situation des lernbegleitenden Elternteils beleuchtet, das sich zwischen der eigenen Arbeit, dem Haushalt, der Kinderbetreuung und dem unterstützenden Lernen aufreibt und dadurch einer extrem hohen Belastung ausgesetzt ist. Auch die Kinder, die sich nun selbst motivieren und organisieren müssen, ohne dass sie ihre Klassenkameraden sehen können und gezwungen sind, wie alle auf Kontakte zu verzichten, stehen nun unter immensem Druck und müssen diesen Stress aushalten. Wie geht es den Lehrern der verschiedenen Schularten im Landkreis Amberg-Sulzbach?

Positive und negative Auswirkungen

Bisweilen sei es den Lehrern im Homeschooling sogar leichter möglich, den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern: Es eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten, wenn man verkleidet ein Video einstelle oder Kinder einfach im Endgerät mit in die Natur nehme. Auch „der digitale Sportunterricht macht Spaß und man merkt, dass die Kinder und Jugendlichen wirklich dankbar sind für jede Abwechslung“, resümiert Lehrerin Nina Kohl vom Max-Reger-Gymnasium in Amberg. Thomas Güldenberg vom Erasmus-Gymnasium (EG) stellt in seinem Fach Mathematik folgendes fest: „Was durch MS-Teams einfacher ist, ist der persönliche Austausch mit den Schülern. Per Chat gelingt es schneller, einen direkten Kontakt herzustellen als in der Schule auf dem Gang.“ Auch ist laut Alexandra Grothaus (EG) durch das Homeschooling sogar eine bessere Differenzierung möglich: „Gute Schüler sparen sich Zeit, weil sie in ihrem Tempo arbeiten können, weniger gute Schüler stellen ihre Fragen eher im Chat oder am Ende der Videokonferenz.“

Doch die Schüler müssen vor allem eines lernen: Selbstdisziplin. „Diejenigen, die sich motivieren können, bringen sehr gute Leistungen, vielleicht weil sie mehr Zeit und Ruhe haben als vorher“, sagt Lehrerin Nina Kohl. Einen weiteren positiven Aspekt benennt die Grundschullehrkraft Katharina Brandhuber von der Jahnschule Rosenberg: „Was die Schüler jetzt Wichtiges lernen, ist das selbständige Arbeiten und die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren.“ Dem gegenüber stehen in allen Schularten leider Schüler, die mit dieser neuen Situation überfordert zu sein scheinen, sich entziehen und digital abtauchen.

Trotz intensiven Kontakts mit den Eltern kann kaum entgegengewirkt werden. Es bleibt festzustellen, dass die Schere zwischen denjenigen, für die das Pflichtpensum nicht zu bewältigen ist, und denjenigen, die plötzlich viel mehr Zeit für die Entwicklung neuer Talente oder dem Ausbau persönlicher Interessen haben, in allen Schularten weit auseinandergeht. Und natürlich bemerken die Lehrer psychische Veränderungen an den Kindern: Wenn diese lustlos oder gar depressiv scheinen, kaum mehr Emotionen zeigen können oder sich in der digitalen Unterrichtssituation nicht mehr an soziale Umgangsformen gebunden fühlen, ist man als Lehrkraft besorgt und kann wenig entgegensetzen.

Unterricht ins schwarze Loch

Manche Schüler mögen vergessen, dass sich auf der anderen Seite des Bildschirms eine Person aus Fleisch und Blut befindet. Ohne Blickkontakt mit der Klasse, innerhalb derer vor allem ab dem Teenager-Alter meist keiner bereit ist, die Kamera einzuschalten, fehlt die menschliche Interaktion. Als Lehrkraft weiß man nicht, ob ein Witz auf fruchtbaren Boden gefallen ist, es können (selbstironische) Zwischentöne falsch verstanden werden. „Ohne diese mimische Rückmeldung geht da schon etwas verloren“, sagt Nina Kohl, „vor allem in Fächern wie Ethik, Religion oder Deutsch, wo die Diskussion essentiell ist.“ Zudem kann der Lehrer schwer abschätzen, ob hinter den geschwärzten Bildschirmen nicht ein Elternteil den Unterricht kritisch beäugt, ob da überhaupt jemand am Schreibtisch sitzt, das Mikrophon wirklich defekt, die Verbindung im Moment tatsächlich nicht stabil ist oder ob Schüler eben dies als Ausreden gebrauchen. Auch unterschiedliche technische Kenntnis und Ausstattung erschweren bisweilen einen reibungslosen Unterrichtsablauf. Mit einfachen Mitteln können technisch versierte Schüler den Unterricht boykottieren oder durch Screenshots, die mitunter bearbeitet dann in sozialen Netzwerken auftauchen, Lehrer in Misskredit bringen.

Dieser Kontrollverlust führt zu einer Art Hilflosigkeit, die bisweilen frustrieren kann. Diese negativen Gefühle loszuwerden, ist ohne das Lehrerzimmer gar nicht so leicht – die Psychohygiene, die man innerhalb der eigenen Berufsgruppe vormals täglich betreiben konnte, fehlt vielen Befragten schmerzlich. Doch hinsichtlich der Technik haben die Schulen im Landkreis immens aufgerüstet und sich in unterschiedlichster Weise auf diese neue Situation vorbereitet, indem sie Schul-Clouds eingerichtet oder neue Software-Tools installiert haben. Die Lehrkräfte haben sich alle in ihrer persönlichen Freizeit mit den neuen technischen Möglichkeiten auseinandersetzen müssen, haben Endgeräte und Zubehör auf eigene Kosten erworben und etliche Fortbildungen besucht, um den technischen Wissensvorsprung mancher Schüler einzuholen.

Hohe Arbeitsbelastung

Die Arbeitsbelastung wird von den Lehrkräften im Homeschooling unterschiedlich beurteilt. „Ich weiß nicht, ob es mehr geworden ist, aber die Arbeit verteilt sich nun über die ganze Woche“, erklärt Grundschullehrerin Brandhuber. Schwerpunktmäßig am Wochenende müssen die Lehrenden nun unzählige Arbeitsblätter erstellen, digitale Aufträge erteilen oder E-Mails mit der Bitte um Zusendung der Hausaufgaben verfassen. „Vor allem seit die Oberstufe am Gymnasium in Präsenz und die unteren Klassen digital unterrichtet werden, ist die Belastung noch einmal gestiegen“, sagt Christina Schleicher (EG), was viele Lehrkräfte bestätigen. Hinzu kommen täglich neue Herausforderungen wie die Beaufsichtigung der Selbsttest, die die anwesenden Schüler nun dreimal wöchentlich durchführen müssen. Diese werden gut angenommen und alle Beteiligten sind froh, dass zumindest für einen kleinen Teil normaler Unterricht stattfinden kann.

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Amberg

 

 

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