11.11.2020 - 08:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Annatala Natalia Geiger: "Ich bin die Urenkelin des letzten Zaren"

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1918 wurden der einstige russische Zar Nikolaus II. Romanow und seine Familie ermordet, die Leichen in einem Waldstück verscharrt - das gilt wissenschaftlich als erwiesen. Annatala Natalia Geiger aus Amberg widerspricht.

Annatala Natalia Geiger aus Amberg hat in den zurückliegenden Jahrzehnten viel recherchiert. Sie ist überzeugt: Ich bin eine Romanowa.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Annatala Natalia Geiger ist überzeugt: "Ich bin die Urenkelin des letzten Zaren Nikolaus II. Romanow." Alles habe begonnen, als sie fünf Jahre alt war. Damals sei sie dabei gewesen, als ihre Mutter in Amberg am Küchentisch saß und Formulare ausfüllte, um sich selbst anzuzeigen. "Sie wollte nicht länger unter falschem Namen leben. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt: Du bist eine Prinzessin – wie Deine Großmutter." Gemeint war Olga Romanowa, eine der ermordeten Töchter des Zaren.

Es gibt zahlreiche Mythen rund um den Tod der Romanows. Lange Zeit hielten sich Zweifel, ob bei dem Massaker im Jahr 1918 nicht Teile der Familie haben fliehen können. Erst 1991 finden Ermittler in einem Waldgebiet neun Skelette, die anhand Gen-Tests und mithilfe Forensischer Anthropologen eindeutig der Familie Romanow zugewiesen werden können. Im Jahr 2008 entdecken russische Amateurhistoriker die Gebeine der beiden noch fehlenden Familienmitglieder Alexej und Anastasia. Gen-Tests bringen Gewissheit – der Zar, dessen Ehefrau, fünf Kinder sowie vier Bedienstete wurden ermordet.

Annatala Natalia Geiger ist Hellseherin und kann die Aura anderer Menschen lesen

Amberg

"Ich habe Beweise"

Annatala Natalia Geiger sieht das ganz anders. "Damals sind nicht alle umgebracht worden – nur der Zar", sagt sie mit Nachdruck. Daran bestehe kein Zweifel und sie könne das auch beweisen. So habe sie vor Jahren Zugang zum Geheimarchiv des Vatikan erhalten und dort unter anderem zahlreiche Urkunden gefunden, die belegten, dass die Ehefrau und die Kinder des Zaren auf Anordnung des damaligen Papstes befreit worden seien. Außerdem habe Geiger im Vatikan einen Brief von Alexandra Romanowa gefunden, in dem sich die Witwe des Zaren beim Papst für dessen Hilfe bei der Flucht bedanke.

Alte Ausweise beweisen laut Geiger zweifelsfrei, dass ihre Großmutter – Olga Romanowa – nach ihrer Flucht unter neuem Namen in der Slowakei gelebt habe. Als dort im Jahr 1938 eine Volkszählung angekündigt wurde und die Gefahr bestanden habe, dass sie auffliege, habe sie mit Mann und Tochter nach Polen fliehen wollen. An der Grenze seien sie jedoch kontrolliert worden. Weil ihr Mann eine Waffe bei sich getragen habe, kamen sie nach Sibirien in Gefangenschaft, die Tochter – Geigers Mutter – in ein polnisches Waisenhaus. Diese habe später von dort fliehen können und sei so auf Umwegen nach Deutschland gelangt.

Briefe an Gauck und Putin

Seit rund 20 Jahren betreibt Geiger "intensive Nachforschungen". Sie schrieb ein Buch mit dem Titel: "Bin ich die Urenkelin des letzten Zaren Nikolaus II. Romanov?" Zwei Ahnenforscherinnen aus Straßburg sollen herausgefunden haben, dass der Sohn des Zaren tatsächlich nicht getötet wurde. Mehrmals erschien ihr der Zar im Traum und habe zu ihr gesagt: "Bitte, mach weiter. Gib nicht auf." Er habe ihr auch bestätigt, dass seine Tochter Olga wirklich Geigers Großmutter sei. Daraufhin schrieb Geiger 2012 dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und erhielt auch eine Antwort: Er könne ihr zwar leider nicht helfen, aber sie solle es auf anderen Wegen weiter versuchen. Also schrieb sie Wladimir Putin, erhielt aber keine Antwort. "Weil er weiß, dass ich recht habe."

Auch "mit einer anderen Romanow" aus der Schweiz habe Geiger vor Jahren Kontakt gehabt, aber "die waren nicht interessiert". Anwälte, mit denen sie gesprochen habe, wollten ihr nicht helfen. "Alle haben Angst vor den Konsequenzen", sagt Geiger. Auch ihre Mutter und ihr Sohn wollten nicht, dass sie Nachforschungen anstelle – zu gefährlich. Doch Geiger lässt sich nicht einschüchtern. "Ich habe noch nie Angst gehabt."

Auch Zweifel habe sie keine. "Ich bin ein Diamantenfan – wie Olga auch." Wie ihre Mutter und ihre Großmutter besitze Geiger hellseherische Fähigkeiten. "Ich lese die Aura von Menschen. Diese Fähigkeit verbindet mich mit meiner Großmutter und mit meiner Mutter." Es gehe ihr nicht ums Geld, sondern um die Wahrheit. Dafür sei sie bereit zu kämpfen. "Solange ich lebe, gebe ich nicht auf."

Das sagt die Wissenschaft:

Zum Tod der Zarenfamilie Romanow

In einem Sitzungsbericht der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin findet sich ein Vortrag von Armin Jähne, der die historischen Ereignisse jener Zeit einordnet. Demnach war die Ermordung von Zar Nikolai II. im Jahr 1918 ein Ereignis, das die Gemüter der Menschen aufs tiefste bewegt habe. Zweifel kamen auf. Viele Russen wollten den Tod des Zaren und seiner Familie nicht wahrhaben. Spekulationen und Mutmaßungen waren die Folge: Die Zarenfamilie habe überlebt und sei an einen geheimen Ort gebracht worden – Nur der Zar sei exekutiert worden, der Rest der Familie blieb verschont – Eines der Kinder habe das Massaker überlebt, und zwar wahlweise der Thronfolger Alexej oder die jüngste Tochter des Zaren, Anastasija Nikolajewna. Zum allgemeinen Misstrauen habe auch die Politik beigetragen. "Das brutale Massaker im Keller des Ipatjew-Hauses zwang die Bolschewiki zur Manipulation der Wahrheit, und das zog immer neue Lügen nach sich."

Im Sommer 1991 finden Ermittler auf der sogenannten Ferkelwiese, einem Waldstück in der Nähe von Jekaterinburg, neun menschliche Überreste. DNA-Tests in Großbritannien belegen, dass es sich dabei um Mitglieder der Familie Romanow handelt. Forensischen Anthropologen gelingt es dann auch, die Identitäten der Knochen den jeweiligen Familienmitgliedern zuzuweisen. Noch fehlen zu diesem Zeitpunkt aber die Überreste der beiden jüngsten Kinder des Zaren, Alexej und Anastasia. Der große Zweifel bleibt: Haben sie vielleicht doch fliehen können? Im Jahr 2008 finden russische Amateurhistoriker schließlich ihre Überreste. Ein Gen-Test bringt Gewissheit – die Romanows wurden ermordet. Nach 90 Jahren gilt das Rätsel als gelöst. Im Juli 2018 – 100 Jahre nach dem Massaker – bestätigen auch russische Behörden, dass die gefundenen Knochen dem Zaren und seiner Familie zuzuordnen sind. Gen-Tests bestätigten das eindeutig, sagt die Sprecherin der Ermittlungsbehörde in Moskau. Aus wissenschaftlicher Sicht bestehe kein Zweifel.

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