27.08.2018 - 12:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Arbeit auf Ponyhof ist kein Ponyhof

Sommerferien - das ist nicht nur wochenlang schulfrei. Viele Schüler nutzen die Zeit, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Doch diese Arbeit ist nicht immer ein Zuckerschlecken - AZ-Redakteure erinnern sich an ihren schlimmsten Ferienjob.

Anne Sophie Vogl ist seit Dezember Volontärin bei der Amberger Zeitung und Oberpfalz-Medien. Für die Serie „Mein schlimmster Ferienjob“ erinnert sich die 24-Jährige an ihre Zeit auf einem Ponyhof.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Sommerferien - das sind nicht nur gut sechs Wochen schulfrei, Besuche im Freibad, ins Zeltlager fahren oder tagelang mit Freunden abhängen. Viele Schüler wollen die Zeit auch nutzen, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. In etlichen Firmen helfen sie in diesen Tagen mit und freuen sich über ihren ersten Lohn. Doch Ferienjobs sind nicht immer ein Zuckerschlecken, vor allem, wenn man den Schulbetrieb gewöhnt ist. Redakteure und Volontäre der Amberger Zeitung erinnern sich an ihre härtesten Ferienjobs. Heute Anne Sophie Vogl.

Ein Pferdenarr war ich schon immer. Mit zwölf Jahren hatte ich dann endlich ein Pflegepferd, bis ich zum Studieren ging. Da man ja als Student immer Geld brauchen kann, habe ich mich immer wieder nach Nebenjobs umgesehen. Irgendwann entdeckte ich in den Kleinanzeigen den Jackpot: "Aushilfe auf dem Ponyhof gesucht!" Ich war sofort Feuer und Flamme. Schon vorher habe ich oft Kinder auf Ponys und Pferden reiten lassen oder herumgeführt. Jetzt würde ich auch noch Geld dafür bekommen! Ganz ehrlich - in diesem Moment hätte ich das auch ohne Bezahlung gemacht.

So fuhr ich also jedes Wochenende zum Arbeiten aufs Land, doch dass der Job kein Kinderspiel werden würde, merkte ich schon bald. Vormittags holten meine Kollegin und ich die zehn Ponys von der Koppel - dabei wurde ich zum Meister im Fünf-Ponys-gleichzeitig-Führen - wir striegelten im Akkord. Danach sattelten wir die Tiere und zäumten sie auf. Noch während der Vorbereitungen kamen die ersten Kinder.

Manche von ihnen waren Stammgäste und wussten genau, welches Pony sie wollten. Ein paar erfahrene Eltern durften alleine mit Pony und Kind losziehen, viele trauten sich das aber nicht zu. Geritten wurde nicht etwa auf einer Koppel oder einem Sandplatz. Es gab eine feste Route durch den Wald. Bergab, bergauf - eine Runde hatte um die drei Kilometer. Doch meist hatten die Ponys nach ein paar Stunden keine Lust mehr. Kein Wunder bei der Sommerhitze. Zurück im Stall wartete schon die nächste Schar Kinder. Und so begann alles wieder von vorne. Die Ponys hatten ihren eigenen Kopf. Wenn ich merkte, dass es ungemütlich werden könnte (Pony geht durch, erschrickt, will fressen, dreht einfach um und rennt nach Hause oder will sich im Gras wälzen), musste ich mich gegen die kleinen Dickschädel, die übrigens eine wahnsinnige Kraft haben, durchsetzen. Notfalls auch die Kinder vom Ponyrücken pflücken. Sicherheit geht vor.

Nachdem am Abend dann alle Kinder zufrieden waren, hieß es für die Tiere und mich Feierabend. Absatteln, Hufe auskratzen und ab auf die Koppel. Und für mich nach einem ganzen Tag Arbeit und vielen, vielen aufreibenden Runden durch den Wald: 40 Euro mehr im Geldbeutel. Mehr als einen Sommer ging das so, ganze acht Monate. Warum bin ich nicht einfach kellnern gegangen?Alle Teilen zum Nachlesen unter www.onetz.de/themen/ schlimmster-ferienjob

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