16.03.2021 - 18:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Astrazeneca-Zwangspause bremst die Impfzentren in Amberg-Sulzbach

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Gerade hätte die Corona-Impfkampagne im Raum Amberg-Sulzbach richtig Fahrt aufgenommen. Jetzt bremst die Zwangspause für Astrazeneca die beiden hiesigen Impfzentren: 3200 Impfungen mit diesem Vakzin mussten abgesagt werden.

Es ist noch einiges da an Corona-Impfstoff der Marke Astrazeneca in den beiden Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Wegen des Impfstopps für dieses Präparat bleibt es nun aber erst einmal im Kühlschrank.
von Heike Unger Kontakt Profil

Ein bisschen Enttäuschung schwingt mit bei BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller, der für die Impfzentren in Sulzbach-Rosenberg und Amberg verantwortlich ist. Aber auch Verständnis: Wenn nun eine Häufung von Thrombosen in zumindest zeitlichem Zusammenhang mit dem Imfpstoff Anstrazeneca aufgefallen sei, müsse dies einfach zur Sicherheit überprüft werden. Schaller vermutet aber, dass der daraufhin angeordnete Impfstopp mit diesem Mittel bald wieder aufgehoben wird. Er glaubt nicht, dass es komplett ausgemustert wird, sondern dass es vielleicht für einzelne Personengruppen nicht mehr verwendet wird. Aber dazu müsse man jetzt einfach abwarten, zu welchem Ergebnis die Experten und Entscheider kommen.

Impfstopp bei Astrazeneca bringt den Zeitplan durcheinander

Weiden in der Oberpfalz

Etwa die Hälfte der Impfungen in den beiden Impfzentren im Jugendzentrum Amberg und im LCC Sulzbach-Rosenberg erfolgte zuletzt mit dem Vakzin von Astrazeneca, die andere mit dem von Biontech/Pfizer und nur ein ganz kleiner Anteil mit Moderna. Gerade erst hatte Amberg-Sulzbach kurzfritsig eine Sonderzuteilung an Impfstoff bekommen, weil die Oberpfalz wegen der hohen Inzidenzwerte als Hochrisikogebiet eingestuft wurde. Dass nun Astrazeneca vorläufig aus dem Rennen genommen wurde, erfuhren Schaller und seine Mitarbeiter am Montag auch ganz kurzfristig: "Unser letzter Termin mit Astrazeneca war um 14.45 Uhr", berichtet der BRK-Geschäftsführer. "Kurz vor 16 Uhr haben wir über die Presse erfahren, dass die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt sind. Daraufhin haben wir die nächsten Termine um 18 Uhr abgesagt."

Impf-Betrieb läuft weiter

Am Tag danach läuft der Impf-Betrieb im LCC aber trotzdem weiter, allerdings nur noch mit Biontech. Die Astrazeneca-Packungen bleiben bis auf Weiteres im Kühlschrank. Das, sagt Schaller, sei kein Problem: "Der Impfstoff ist sechs Monate haltbar", könne also problemlos gelagert werden, bis er wieder verwendet werden darf. Davon geht Schaller nämlich aus. Deshalb bleiben auch die bereits geplanten Termine für Zweitimpfungen ab 17. April zunächst einmal "so stehen". Derzeit sei Stand der Kenntnisse nämlich, dass man bei beiden Impfungen beim selben Mittel bleiben sollte. Studien, die belegen, dass man dabei einfach von einem Imfpstoff auf einen anderen wechseln kann, gebe es bislang jedenfalls nicht.

Deshalb sei es auch wichtig, dass weiter Nachschub geliefert werde. Trotzdem bremst die Entscheidung vom Montag das Impftempo nun deutlich: Eigentlich wären in den beiden Zentren ab 17. März mit den verfügbaren Vakzinmengen 6129 Impfungen pro Woche möglich gewesen, im Schnitt 875 pro Tag. "Wir waren im Landkreis so weit, dass die über 80-Jährigen und teilweise auch schon 75-Jährige" und weitere Priorisierte wie etwa Pflegekräfte inzwischen geimpft worden seien, berichtet Dr. Michael Scherer, der ärztliche Leiter im LCC.

"Große Akzenptanz"

Das vorübergehende Aus für Astrazeneca sei auch bedauerlich, weil dieses Mittel wegen seinerschnellen Schutzwirkung gerade für die eben erst höher priorisierten Lehrer ein "sehr guter" Impfstoff sei: "Und er war bei den Lehrern auch gut akzeptiert. Ich hätte nicht gedacht, dass die Akzeptanz so hoch sein würde." Scherer sagt, "ich persönlich halte Astrazeneca für einen guten Impfstoff. Die Daten aus England zeigen, dass die Nebenwirkungen nicht größer sind wie bei Biontech".

Natürlich macht sich Sebastian Schaller jetzt Sorgen über die künftige Akzeptanz dieses Vakzins. Dass die Information über Komplikationen in sechs Fällen bei einer Million Geimpfter veröffentlich wurde, zeige aber, "wie sensible Deutschland und die europäische Arzneimittelagentur EMA damit umgehen und dass nichts unter den Teppich gekehrt wird".

Abgesagter Termin: Einfach warten

Wie geht es jetzt weiter? Impfwillige, die bereits einen Termin bekommen haben, müssen nichts unternehmen. Auch nicht, wenn dieser jetzt wegen des Astrazeneca-Stopps abgesagt wurde. Sie müssen "einfach warten, bis wir uns melden", sagt Schaller – "da ist jetzt schlichtweg ein bisschen Geduld gefragt". Denn es werde nun natürlich schon etwas dauern, bis die derzeitige Zwangspause wieder aufgeholt ist. Einstweilen "können wir aber schon noch einiges wegimpfen", berichtet Schaller, weil man von Biontech inzwischen relativ konstante Lieferungen bekomme. Vom amerikanischen Moderna-Vakzin erhalte man dagegen nur geringe Mengen und das auch eher unregelmäßig.Wenn es ans Nachholen der jetzt gestrichenen Impftermine gehe, "versuchen wir schon, das fair nachzuholen", betont Schaller.

Übrigens müsse sich auch niemand aus der höchsten Prioritätsstufe, der bislang nicht geimpft werden wollte, oder noch gezögert hat, Sorgen machen: Wenn sich jemand aus dieser Gruppe erst später für eine Impfung entscheide, komme er entsprechend seines Risikostatus' immer noch priorisiert an die Reihe. Sich mehrfach anzumelden bringe dagegen nichts, fügt Michael Scherer hinzu: "Damit kommt man nicht schneller dran". Sich grundsätzlich für eine Impfung registrieren zu lassen, sei weiterhin möglich. "Warum nicht, dann ist man schon mal im System drin", meint Scherer. Allerdings könnte es laut Sebastian Schaller derzeit teilweise schwierig sein, im Callcenter durchzukommen, weil hier wegen Astrazeneca gerade sehr viele Fragen auflaufen.

Was bedeutet der Impf-Stopp?

Deutschland und die Welt
Dr. Michael Scherer, ärztlicher Leiter im Corona-Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg.
Der Amberg-Sulzbacher BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller.

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