16.09.2018 - 15:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Eine attraktive Stadt wollen alle

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, wie die Abstimmung über das Bürgerspital-Areal ausgeht. Für die Planungen wird sich eine Mehrheit finden. Die IG Menschengerechte Stadt macht dagegen mobil - und holt sich einen Experten.

Professor Rolf Monheim.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Dieser kam am Freitagabend zu der von AZ-Redakteur Andreas Ascherl moderierten Podiumsdiskussion "'s pressiert" der IG Menschengerechten Stadt ins Ringtheater: Rolf Monheim, Professor aus Bayreuth, Stadtplaner, Handels- und Mobilitätsforscher. Auf dem Podium saßen Vertreter der Stadtratsfraktionen, im Publikum überwiegend Gegner der von einer Mehrheit im Stadtrat favorisierten Planung für das Bürgerspital-Areal.

Ob des Zuspruchs zeigte sich Achim Hüttner, Sprecher der IG Menschengerechte Stadt, "überwältigt von der Akzeptanz, die unser Thema offensichtlich hat". Monheim definierte zunächst, was eine Stadt ist - "mehr als nur etwas Bebautes". Monheim sprach von einer "inhaltlichen Botschaft". Längst sei die funktionalistische Phase einer Stadt ("erledigen, was man braucht") vorbei, heute geht es um "soziale Kontakte, um Erlebnisse, um innere Befriedigung". Monheim plädierte dafür, Städte nachhaltig zu entwickeln.

Ein gelungenes Beispiel ist für ihn Nürnberg. Die Stadt habe die Rolle von Plätzen als Orientierungshilfe erkannt, vermarkte diese und bringe so Leben in die Stadt. Monheim lobte auch die Vielfalt an Plätzen in Amberg: "Toll, was Sie alles haben." Als weiteres positives Beispiel brachte er Regensburg: Durch geschickte Verkehrsregelung habe sich eine hohe Freiraumqualität ergeben. Die Belohnung für Regensburgs Bemühungen: "Die Altstadt ist Weltkulturerbe."

Den Gewerbetreibenden schrieb der Referent ins Stammbuch, dass ihr Knackpunkt immer die Erreichbarkeit mit dem Auto sei. Monheim hat einen klaren Standpunkt zu Parkmöglichkeiten: "Egal, wie viele sie bieten, es wird immer schlecht bewertet - quer durch die ganze Republik." Und er ist überzeugt davon, "egal, weshalb Leute in die Innenstadt kommen - Gastronomie zum Beispiel oder Stadtbummel - in die Geschäfte gehen sie trotzdem". Deshalb müsse das Ziel sein, die Leute so lange wie möglich im eigenen Zentrum zu haben.

In den Statements der Vertreter der Fraktionen gingen erwartungsgemäß die Meinungen auseinander. Jeder für sich nahm in Anspruch, dass es ihm darum gehe, Amberg zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Während die einen gerade die Zukunftsfähigkeit in der geplanten Bebauung sahen, argumentierten die anderen vehement dagegen. Dieter Mußemann (CSU) sagte, es wäre eine Sünde, ein so großes Areal in der Stadt zu bebauen, ohne den Raum darunter zu nutzen, Eberhard Meier (Freie Wähler) hielt dagegen: "Hier verfolgt man ein Geschäftsmodell auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung und man macht die Innenstadt kaputt." Josef Lorenz (Amberger Bunt) argumentierte, dass man für Investoren ("Die wollen Parkplätze") auch Vertrauen schaffen müsse, Helmut Wilhelm von den Grünen sprach davon, dass die Planungen verantwortungslos seien. Klaus Mrasek von der ÖDP meinte, eines der Märchen, die in Amberg erzählt würden, sei, dass es keine Parkplätze gebe. "Die uns das erzählen, sind diejenigen, die jetzt eine Tiefgarage fordern." Und Uli Hübner (SPD) gestand ein, dass das Thema nicht nur die Bevölkerung polarisiere, sondern auch seine Fraktion. "Ziel von uns allen ist, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen."

Monheim stimmte zu: "Zukunftsfähigkeit wollen wir alle." Die Frage sei nur, in welche Richtung es gehen soll. Er brachte als zukunftsträchtiges Modell das Car-Sharing ins Spiel und automatisierte Tiefgaragen als neue Technologie. Ein Konsens war von vorneherein nicht zu erwarten - das war auch Organisator Achim Hüttner bewusst. Dennoch zeigte er sich kämpferisch und verwies darauf, dass ohne die IG Menschengerechte Stadt es den Maltesergarten in seiner heutigen Form nicht geben würde. Er brachte am Ende eines langen Abends die Judikative ins Spiel. "Das ist die letzte Möglichkeit, wenn die Vernunft auf der Strecke bleibt."

Info:

Während diejenigen, die sich in der öffentlichen Diskussion um die Planungen für das Bürgerspital-Areal schon immer zu Wort gemeldet hatten, auch wieder ihre Gegenargumente vortrugen, meldeten sich auch junge Menschen zu Wort. Und sie sprachen an, was die wirklichen gesellschaftlichen Probleme seien: Klimawandel und Energiewende. „Sollen wir dann wirklich Werbung dafür machen, wieder Autos in die Stadt zu bringen?“, fragte einer von ihnen. Für ihn als jungen Menschen sei das traurig. Und ein anderer, ein IT-Unternehmer aus Nürnberg, der sich bewusst für Amberg entschieden hat, argumentierte, dass dieser Bereich das Eingangstor zum Markplatz sei. „Und da soll jetzt was hin, was seelenlos ist?“!

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.