10.12.2020 - 16:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Auftrag für Gutachten über Alternativen zur Bahnstromleitung in Nordostbayern vergeben

Ein renommierter Wissenschaftler erarbeitet das Gutachten zu den Alternativen einer Bahnstromleitung in Nordostbayern: Professor Arnd Stephan von der TU Dresden. Laut DB genießt er auch das Vertrauen der „IG Bahnstrom – so nicht“.

Die Bahnstrecke Nürnberg–Schwandorf, die jetzt elektrifiziert werden soll, verläuft zwischen Amberg (im Hintergrund) und Irrenlohe auf etwa 20 Kilometern nur eingleisig.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wie die Deutsche Bahn in einer Presseerklärung mitteilt, wurde bei einem Abstimmungsgespräch zwischen DB und politischen Vertretern ein breiter Konsens zum Gutachter sowie den Inhalten gefunden. Mit dem aus Bundesmitteln finanzierten Gutachten setze die Bahn den Wunsch der Region um: „Die offenen Fragen werden von neutraler Seite bewertet.“

Der als Gutachter ausgewählte Arnd Stephan hat die Professur für Elektrische Bahnen an der TU Dresden inne und kann nach Einschätzung der DB „als zertifizierter Sachverständiger sowie durch einschlägige Referenzen umfassende Kompetenzen auf dem Gebiet der Bahnstromversorgung und Elektrifizierung nachweisen“.

Vergleich aller Varianten

Mit dem Gutachten sollen „systematisch alle technisch und betrieblich in Frage kommenden Varianten der Elektrifizierung identifiziert und in einem Differenzialvergleich gegenübergestellt werden“. Solche Varianten sind etwa klassische Freileitungen, eine dezentrale Bahnstromversorgung über Umrichterwerke oder ein starr geerdetes Inselnetz mit teilweiser Erdverkabelung. „Dabei werden auch Vorschläge einfließen aus dem Planungsentwurf, der auf Initiative von Kommunen und der IG ‚Bahnstrom – so nicht‘ erstellt wurde“, verspricht die DB.

Die Bürgerbeteiligung, die wegen der Corona-Pandemie zu einem großen Teil ohne persönliche Kontakte stattfand, hat zu fast 150 Planungshinweisen an das Projektteam der DB geführt, teils mit ganz konkreten Alternativvorschlägen.

Amberg-Sulzbach besonders engagiert

Besonders umfassend und engagiert war die Bürgerbeteiligung im Raum Amberg-Sulzbach. Diese intensive Mitwirkung freut laut Pressemitteilung den DB-Gesamtprojektleiter Matthias Trykowski: „Die Region steht hinter der Elektrifizierung und bringt sich aktiv mit ihren Ideen ein. Unser Dialog kommt an, und unsere Planung profitiert davon. Natürlich wird die Planung auch kritisch begleitet. Das gemeinsame Ziel eines klimafreundlichen Bahnverkehrs für die Region wird jedoch überall unterstützt.“

Anfang November zog die DB eine Bilanz der Bürgerbeteiligung beim Bahnausbau Nordostbayern

Schwandorf

Ob das Ausmaß der Bürgerbeteiligung in Amberg-Sulzbach an sich ungewöhnlich war? Bei dieser Frage möchte sich ein Bahnsprecher nicht zu sehr festlegen: „Heute gibt es bei allen Bauprojekten ein großes öffentliches Interesse. Das Interesse am Bahnausbau Nordostbayern hat uns daher nicht überrascht. Die Beteiligung insbesondere durch konkrete Planungshinweise freut uns natürlich.“

Als ein Vorschlag aus der Bürgerbeteiligung, der gute Chancen hat, gegebenenfalls als (ergänzte) Leitungsvariante übernommen zu werden, gilt für den Landkreis ein Verlauf der Bahnstromtrasse entlang der Bundesstraßen B14 und B85, also quasi eine Bündelung. Das werde „durch die Planer grundsätzlich positiv bewertet“.

Vier Monate Zeit für Gutachten

Der weitere Zeitplan in Sachen Bahnstromtrasse sieht laut dem Bahnsprecher so aus, dass bis etwa Ende des Jahres die Planungshinweise in Form von Leitungsvarianten in den bestehenden Entwurf eingearbeitet werden. Parallel dazu untersucht das wissenschaftliche Gutachten alternative Versorgungskonzepte. Es zu erstellen, soll etwa vier Monate in Anspruch nehmen. Irgendwann 2021 soll dann das Raumordnungsverfahren starten. Falls das Gutachten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig ist, soll es später ins laufende Verfahren eingebracht werden.

Anliegen in Sachen Bahnstromtrasse können auch nach Abschluss der eigentlichen Bürgerbeteiligung weiterhin über die Webseite www.bahnausbau-nordostbayern.de bei der Bahn vorgebracht werden.

Hintergrund:

Strecken-Steckbrief Nürnberg–Schwandorf

  • Länge 90 Kilometer
  • Streckengleise 2 (Nürnberg–Amberg), 1 (Amberg–Irrenlohe), 2 (Irrenlohe–Schwandorf)
  • Bahnhöfe 24
  • Elektrifizierung bisher von Nürnberg bis Hartmannshof (hier fährt seit 2009 die Nürnberger S-Bahn)
  • Bahnübergänge 9
  • Eisenbahnbrücken 75
  • Straßenbrücken 23
  • Tunnel 0

Quelle: Deutsche Bahn

 

 

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