22.03.2020 - 08:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Ausgangsregeln in der Corona-Krise: Einkauf mit Disziplin und Abstand

Mit Trassierbändern, Klebestreifen und Hinweistafeln versuchen Lebensmittelmärkte in Amberg die Übertragung des Coronavirus einzudämmen. Einer ruft dazu auf: "Lasst, wenn möglich, euere Kinder zu Hause. Kommt nicht als Familie einkaufen!"

Abstand halten gilt auch in den Metzgereien.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Das war, bevor Ministerpräsident Markus Söder am Freitag die verschärften Ausgehregeln verkündigt hat. Doch auch jene, die jetzt notwendige Besorgungen erledigen, sind angehalten, Sicherheitsregeln zu befolgen. Samstagnachmittag: normalerweise der Einkaufstag für Familien schlechthin. Auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes ist an diesem Wochenende fast nichts los. Am Eingang hängen Schilder. Die Ratschläge lauten unter anderem: allein kommen, Abstand halten. Sie werden später immer wieder durchgesagt. Es liegt eine gespenstische Stille über dem Konsumtempel. Die Kunden, die doch als Pärchen oder mit Kindern gekommen sind, fallen auf. Sie unterhalten sich flüsternd. Viele tragen Einweghandschuhe, manche Mundschutz. Es ist eine gewisse Achtsamkeit zu spüren. Niemand will dem anderen versehentlich zu Nahe kommen. Auch in den Regalen sind die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Besonders begehrt ist nach wie vor: Klopapier. Aber auch Handseife im Nachfüllpack, Küchenrollen, Toastbrot, Kloßteig, Ravioli oder Schokolade sind stark nachgefragt. Auf den Boden im Einkaufsmarkt sind dicke Streifen geklebt. Damit werden die Bereiche markiert, in denen sich Kunden anstellen sollen. Die Kassiererin sitzt hinter einer Plexiglasscheibe und lächelt. "Heute ist der ruhigste Tag der ganze Woche", sagt sie.

Das Wichtigste ist der Abstand. In Großmärkten ist das einfacher zu regeln als in kleinen Betrieben. Doch auch dort setzen die Ladeninhaber nicht nur auf gesunden Menschenverstand, sondern auf deutliche Hinweise.

In der Metzgerei Englhard gilt beispielsweise Einlass-Stopp, wenn bereits Kunden im Laden sind. Seit Donnerstag halten sich die Amberger auch dran und warten vor der Ladentür, bis einer das Geschäft verlässt. In Stoßzeiten wird eine Mitarbeiterin abgestellt, die nur kassiert. "Nach jeder Kundschaft müssen Hände gewaschen werden", sagt Geschäftsführerin Heike Lutter. "Das dauert halt einfach seine Zeit, aber die müssen wir uns nehmen. Auch wenn viel los ist."

Not macht erfinderisch. "Die Tochter eines lieben älteren Pärchens hat sich per E-Mail bei uns gemeldet. Sie meinte, ihre Eltern, die im Umfeld des Malteserplatzes wohnen, hätten sich darauf eingelassen zu Hause zu bleiben, doch auf ihre Produkte vom Metzger wollten sie nicht verzichten." Da Lieferungen an Gastronomen und Großhandel komplett weggebrochen sind, entschloss sich Heike Lutter einen Lieferservice für die Nachbarschaft anzubieten. "Viele haben gesagt, dass sie das kommende Woche in Anspruch nehmen wollen." Gesprächsthema Nummer eins beim Metzger ist natürlich das Coronavirus. "Wir versuchen allerdings unseren Alltag so gut es geht normal zu gestalten. Wir haben uns ein neues Outfit gegönnt, bunt und froh, damit wir auch ein bisschen was für die Seele haben. Sonst wirst ja kirre."

Grundversorgung unter einem Dach finden Kunden in der Fleurystraße 3. Neben Metzger und Bäcker gibt es dort auch Lisa's Obst- & Gemüseladen. Geschäftsführer Stephan Beck bedient seine Kunden ohnehin am liebsten selbst. "Wir haben keine Selbstbedienung. Wenn die Leute das Produkt selbst in die Hand nehmen oder sogar drücken und wieder hinlegen, dann ermahnen wir sie." Mittlerweile gibt es auch dort den Sicherheitsabstand. Maximal drei Personen dürfen pro Verkaufstheke im Raum sein. "Es klappt zu 60 bis 70 Prozent." Beck merkt, dass er zum Ansprechpartner für die Kunden wird. Teilweise seien die Menschen auch verängstigt, weil sie nicht wissen, was noch kommt. "Wir appellieren an unsere Kunden, dass sie sich einfach daran halten sollen, was vorgeschrieben wird."

Abstand halten ist auch das oberste Gebot in der Bäckerei Schuller in Kleinraigering. Innungsobermeister Alfred Schuller hat Vorkehrungen getroffen, Hinweistafeln aufgestellt. Die Kunden dürfen nur zu viert in den Laden. "Wer danach kommt, muss draußen warten." Disziplin sei vorhanden, "wenn nicht, bin ich so frei und sag was". Taschen werden nicht mehr über die Verkaufstheke gereicht, dazu kommen Hygienemaßnahmen wie zusätzliches Händewaschen oder Desinfizieren. "Das dauert natürlich. Aber in solchen Zeiten müssen wir zusammenhalten." Umsatzeinbußen gibt es, obwohl im Laden mehr los ist als sonst. "Geburtstage, Kommunion, Beerdigungen, es ist brutal, was ausfällt."

AZ-Redakteur Thomas Kosarew streamt live über Facebook auf Onetz Amberg: Samstag, 21. März, kurz nach 12 Uhr. Der Kreisverkehr ist leer. In Amberg halten sich die Amberger an die seit 0 Uhr geltenden Ausgangsbeschränkungen.

An Disziplin mangelt des den Ambergern nicht. Zumindest an Tag 1 der verschärften Ausgangsbeschränkungen. AZ-Redakteur Thomas Kosarew hält am Samstag, kurz nach 12 Uhr, ein Bild vom Kreisverkehr fest. Sekundenlang ist auf dem Video, das er live auf Facebook über Onetz Amberg streamt, kein Auto zu sehen. Ein Nutzer kommentiert: "Filmt das ganze Mal, wenn das Wetter gut ist." An diesem Wochenende spielte es den Ausgangsbeschränkungen mit empfindlich kalten Temperaturen in die Karten.

FAQ Corona

Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.