25.02.2020 - 14:06 Uhr
AmbergOberpfalz

"Automatisierung bedroht Hälfte aller Arbeitsplätze"

Michael Möhnle sieht eine große Gefahr: "Deutschland hat bei der Digitalen Revolution den Anschluss versäumt. Die Machtzentren der digitalen Welt sitzen in den USA und in China."

Michael Möhnle referierte auf Einladung der CSU-Frauen-Union.
von Gerd SpiesProfil

Michael Möhnle sieht eine große Gefahr: "Deutschland hat bei der Digitalen Revolution den Anschluss versäumt. Die Machtzentren der digitalen Welt sitzen in den USA und in China." Der Journalist und ehemalige Pressesprecher im Europa-Parlament befürchtet, dass Deutschland bei der Digitalisierung abgehängt wird.

Die CSU-Frauen-Union mit ihrer Kreisvorsitzenden Susanne Herding hatte zu der Informationsveranstaltung "Die Digitale Revolution: Leben und Arbeiten in einer digitalen Welt" ins Schießl-Wirtshaus eingeladen. Die Hanns-Seidel-Stiftung mit Sitz in München arrangierte diesen Vortrag. Die CSU-nahe Organisation bietet regelmäßig Veranstaltungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen an.

Ohne Smartphone nicht vorstellbar

Der Partei liege das Thema Digitalisierung sehr am Herzen, erklärte Susanne Herding. Die CSU-Politikerin erinnerte an den Neujahrsempfang ihrer Partei vor wenigen Wochen, als die erste Ministerin für Digitalisierung, Judith Gerlach, in Amberg zu diesem Thema sprach. Der Tenor damals: "Digitalisierung nicht um jeden Preis. Wichtig ist, die Menschen mitzunehmen." Diese Aussagen der Ministerin seien ihr im Gedächtnis hängengeblieben, sagte Herding. Michael Möhnle gilt als ausgewiesener Fachmann in Sachen Digitalisierung. In Augsburg geboren, verbrachte er seine Kindheit in Kalifornien. Der gelernte Journalist war in den 80er-Jahren Pressesprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Zurzeit leitet er bei der Staatsregierung die Arbeitsgruppe "Mobile Kommunikation in Bayern". Wörtlich sagte er in Amberg: "Für 75 Prozent der jungen Menschen in Deutschland ist ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellbar. Fünf bis acht Stunden verbringen sie durchschnittlich pro Tag am Handy."

Hier der Artikel zum CSU-Empfang mit Digitalministerin Judith Gerlach

Amberg

Daten-Handel riesiges Geschäft

Diese Zahlen belegen laut Möhnle, dass das Smartphone aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. 75 Prozent der Welt-Bevölkerung werden laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung künftig vernetzt sein. Dabei entstehe eine riesige Menge an Daten. Diese wiederum stellten inzwischen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar: "Die Wertschöpfung der Wirtschaft wird in Zukunft zur Hälfte über Daten generiert." Der Handel mit ihnen sei inzwischen ein riesiges Geschäft. Denn mit Hilfe der Daten lasse sich das Konsum-Verhalten der Menschen analysieren und somit auch beeinflussen. Auch die Kommunikation über die digitalen Medien sieht der Referent als großes Problem an. Denn mit gefilterten Informationen oder gezielten Fake News ließen sich Wahlen beeinflussen.

Die eigentliche Revolution stehe aber mit der Künstlichen Intelligenz noch bevor, sagt Möhnle: "Die Welt wird sich aufgrund der Robotisierung in den nächsten 20 Jahren völlig neu aufstellen." Wesentliche Prozesse in der Industrie, Verwaltung und Kommunikation würden in Zukunft durch die Künstliche Intelligenz gesteuert. Das wirke sich natürlich auf den Arbeitsmarkt aus. Laut der erwähnten Studie sei knapp die Hälfte aller Arbeitsplätze in den Industriestaaten durch die Automatisierung bedroht, Stichwort Smart Factory. Der Referent: "Drei Millionen Arbeitskräfte in Deutschland müssen sich neu qualifizieren und neu ausrichten."

Deutschland dürfe sich nicht abhängen lassen und sich nicht noch mehr in die Abhängigkeit anderer Länder begeben. Eine lebhafte Diskussion zum Thema schloss sich an.

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