12.01.2020 - 15:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Ministerin Gerlach: Digitalisierung auch in Köpfen verankern

Am Freitag war es OB Michael Cerny, der als Chef im Rathaus beim Neujahrsempfang der Stadt unzählige Hände schüttelte, 40 Stunden später war er Gast der eigenen Partei: CSU-Kreisvorsitzende Michaela Frauendorfer hatte ins ACC eingeladen.

CSU-Kreisvorsitzende Michaela Frauendorfer (Zweite von rechts) hatte zum Neujahrsempfang ins ACC eingeladen. Mehr als 100 Gäste kamen, darunter (von links) Ministerin Judith Gerlach, der ehemalige Landtagsabgeordnete Heinz Donhauser, OB Michael Cerny und Fraktionschef Dieter Mußemann.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Bevor Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach zu den über 100 Gästen sprach, war es Frauendorfer, die eine Lanze für das Ehrenamt brach: "Stellen wir uns vor, es gäbe einen Tag lang niemanden, der sich engagieren würde. (...) Wir würden ziemlich alt aussehen." In politisch turbulenten Zeiten gäbe es viele Menschen, die zurück in eine scheinbar gute alte Zeit wollen: "Aber das ist ein Trugschluss. Vor allem, wenn man diese gute alte Zeit in den 30er-Jahren sucht, wie die AfD das tut." Deswegen sei diese Partei nicht "eine irgendwie konservative Union", sondern: "Sie ist die eigentliche neue NPD. Die AfD gibt eine gefährliche Antwort auf die Fragen unserer Zeit. Und mit solchen Leuten kuschelt man nicht, man bekämpft sie - und zwar engagiert."

"Durch Streit Schlagzeilen"

Neun Wochen vor der Kommunalwahl kam die CSU-Kreisvorsitzende auch auf die künftige Arbeit im Stadtrat zu sprechen. Für den Fall, dass die CSU keine absolute Mehrheit der Sitze erreichen sollte, gehe es darum, verlässliche Partner zu finden. Namentlich erwähnte Frauendorfer die SPD und Die Liste, als sie sagte: "Parteien oder Grupperungen, die mehrheitlich mit sich selbst beschäftigt sind, sind da ein eher schwieriger Partner." Denn eines ziehe sich wie ein roter Faden durch den bisherigen Wahlkampf: SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Birgit Fruth "macht durch Streit Schlagzeilen", wohingegen Michael Cerny für Zusammenhalt stehe. In ihrer Ansprache erwähnte Frauendorfer auch die Interessensgemeinschaften Menschengerechte Stadt und Unser Berg: "Heute gibt es oft mehr, die wissen, was sie nicht wollen, als die, die wissen, was sie wollen." Eine, die weiß, was sie will, ist Judith Gerlach. Die Würzburgerin möchte mit ihrem neu geschaffenen Ministerium die Digitalisierung im Freistaat voranbringen. Aber nicht um jeden Preis: "Der Mensch muss dabei im Mittelpunkt stehen, und nicht nur schneller, höher und weiter wie in China." Es gehe auch um viele ethische Fragen und die Teilhabe: "Klar, ohne Breitband geht nichts, aber wie nehmen wir die Menschen bei dieser Entwicklung mit?" Denn die Digitalisierung polarisiere die Bevölkerung teilweise. Es gäbe sogar viele Menschen, die in sich gespalten seien: "Sie wollen und haben die neueste App, fragen sich aber, wohin das alles führt." Deswegen: "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine Art Volkshochschule fürs Digitale wünschen." Dann müsse niemand Angst haben, sich von der rasanten Entwicklung in diesem Bereich abgehängt zu fühlen.

Denn es gehe nicht nur darum, für die nötige Infrastruktur zu sorgen, sondern auch darum, die Digitalisierung als Geisteshaltung zu verankern. Die Politik müsse folglich "für möglichst viele Menschen eine möglichst gute Zukunft" generieren. Trotz aller Erfolge und eines zwei Milliarden Euro schweren Förderprogramms sei der Freistaat aber noch nicht so weit, wie es Judith Gerlach gerne hätte. Stichwort Funklöcher: "Ich bin viel in Bayern unterwegs und manchmal echt am Verzweifeln. Es ist teilweise echt schlimm. Wir müssen da handeln."

Einsamer Demonstrant

Vor dem ACC hatte sich während des zweistündigen Treffens ein Demonstrant platziert, der die Versammlung aber nicht störte. Dem Mann aus dem Landkreis ging es weder um die Digitalisierung, den Klimaschutz oder die Rolle der Amberger CSU: "Ich warte auf den Landrat." Hintergrund: Seit mehr als 20 Jahren pflegt der mittlerweile 68-Jährige eine Art Privatfehde mit dem Landratsamt. Konkret fühlt sich der Rentner von der Führerscheinstelle benachteiligt. Da Landrat Richard Reisinger an dem Neujahrsempfang der Amberger CSU nicht teilnahm, zog der Protestler unverrichteter Dinge wieder ab.

Hier geht's zum Bericht über den Neujahrsempfang der Stadt

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