Amberg
11.10.2024 - 15:24 Uhr
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Barrierefreier Bahnhofsausbau Amberg: Pläne für Fußgänger- und Radweg unterm Gleis

Im Amberger Verkehrsausschuss wurden Pläne für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs diskutiert. Konkret ging es um einen neuen Tunnel samt Rampen und Aufzügen für Radfahrer und Fußgänger vom Mariahilfbergviertel hin zu den Gleisen.

Die Stadt Amberg möchte zusammen mit der Bahn einen barrierefreien Rad- und Fußweg unter den Gleisen vom Mariahilfbergviertel zum Bahnhof bauen. Bild: Petra Hartl
Die Stadt Amberg möchte zusammen mit der Bahn einen barrierefreien Rad- und Fußweg unter den Gleisen vom Mariahilfbergviertel zum Bahnhof bauen.

2030 soll der barrierefreie Ausbau des Amberger Bahnhofs über die Bühne gehen. Dafür aber sind bereits jetzt Vorarbeiten nötig. Zum Beispiel der Beschluss für die Planung eines barrierefreien Durchgangs für Fußgänger und Radfahrer vom Mariahilfbergviertel hin zu den Gleisen. Warum muss das jetzt schon sein? Wie Ulrich Schaller von der Stabsstelle Mobilität und Verkehr der Stadt Amberg den Mitgliedern des Verkehrsausschusses erklärte, muss das Eisenbahninfrastrukturunternehmen DB InfraGO, das den barrierefreien Ausbau umsetzen soll, bereits jetzt wissen, für welche Variante sich die Stadt entscheidet, da für den Bau mögliche Streckensperrungen eingeplant werden müssen. "Die haben eine lange Vorlaufzeit von bis zu sieben Jahren", so Schaller.

Laut ihm geht es darum, einen "ersten Grundstein für eine luftige Lösung einer Verbindung von der Altstadt bis zum Mariahilfbergviertel" zu legen. Alle bislang bestehenden Verbindungen zwischen Bahnhof und Mariahilfbergviertel sind für Fahrradfahrer und Fußgänger, gelinde gesagt, suboptimal. "Ich spreche immer ein wenig despektierlich von den Mauslöchern, die wir haben, um unter den Gleisen hindurch zu kommen", sagte Schaller. Die erste derzeit bestehende Möglichkeit ist in der Steingutstraße mit einem schmalen Gehsteig auf der rechten Seite und keinem Schutzstreifen für Radfahrer auf der linken. Zweite Option ist der Fußgänger-Tunnel von der Ruoffstraße auf den Bahnhof. Der ist mittlerweile hundert Jahre alt, ziemlich eng und nicht barrierefrei. "Er ist völlig aus der Zeit gefallen", so Schaller. Neben dem Problem, dass dieser Durchweg nur über die Treppen erreichbar ist, ist er auch so ungeeignet für Radfahrer. Eine Höhe von 2,10 Metern dürfte Köpfe schon beim bloßen Gedanken, mit dem Fahrrad dort durchzufahren, schmerzen lassen. Schließlich bleibt da noch die enge Unterführung am Mariahilfbergweg. Die bietet für Fahrradfahrer überhaupt keine eigene Lösung.

Die enorm schlechte Ist-Situation hat sich Schaller zufolge aber positiv auf die Verhandlungen ausgewirkt. "Das hat uns bei den Förderstellen sehr viel Verständnis gebracht, dass wir da keine zusätzliche Luxuslösung haben wollen, sondern dass wir bislang überhaupt keine vernünftige Lösung haben."

Tunnel für Rad- und Fußverkehr

Und wie soll der barrierefreie Zugang von Mariahilfbergviertel zum Bahnhof nun aussehen? Geplant ist der Bau einer Unterführung samt Rampen zur Marienstraße und zur Ruoffstraße. Der Durchstich soll eine Breite von 7,5 Metern haben und auf der Seite der Ruoffstraße etwa 15 Meter weiter in Richtung des Finanzamt entstehen als der bisherige Tunnel.

Die Auf- und Abgänge zu den Bahnsteigen werden mit jeweils einem Aufzug ausgestattet. Das Niveau der Bahnsteige soll dabei auf 76 Zentimeter angehoben werden, damit in fernerer Zukunft auch ein barrierefreier Zugang zu den Zügen möglich wird. Die Unterführung selbst soll zweigeteilt werden. Auf einer Seite läuft der Radverkehr, auf der anderen der Fußverkehr.

Auf der Seite des Mariahilfbergviertels kommen die Menschen über zwei barrierefreie Rampen in die Unterführung. Eine Rampe soll die Radfahrer zur Marienstraße führen. Die andere Rampe soll den Zugang zum Parkplatz am Finanzamt möglich machen. Dort dürfen nur Fußgänger gehen. An der Ecke Ruoffstraße/Schwaigerstraße soll außerdem eine Treppe gebaut werden.

Eine einmalige Chance nutzen

"Wir haben eine Aussicht auf eine hohe Förderung", erklärte Schaller. Wie hoch diese jedoch genau sein wird, müsse erst noch geklärt werden. Entscheidend ist Schaller zufolge: "Die Fördergeber brauchen jetzt Klarheit über das, was wir planen." Später einmal könnte der Tunnel noch durch einen weiteren ergänzt werden, der leicht versetzt ist, aber von Gleis 1 bis in die Bahnhofsstraße führt. Somit wäre eine Verbindung von der Altstadt bis ins Mariahilfbergviertel möglich. Das sei aber noch Zukunftsmusik. "Wir sehen das jetzt aber als eine historische Chance, Schritt eins zu gehen, damit auch der zweite näherrückt", erklärte Schaller.

Und wie er hervorhob, kommt diese Chance auch nicht wieder. "Falls wir uns heute dazu entscheiden, dass wir diese Lösung mit dem 7,50 Meter breiten Tunnel nicht wollen, dann plant die Bahn einfach ohne uns weiter. Sie würde einen Gleiszugang in einer Breite von 4,50 Metern bauen." Er riet den Ausschussmitgliedern für den von ihm vorgestellten Entwurf zu stimmen.

Viel Diskussion und langer Weg

Bis zu dieser Lösung zu kommen, habe es einen langen Prozess gebraucht, bei dem es laut Schaller "auch viel Gekabbel mit der Bahn" gab. Etliche Varianten seien besprochen und verworfen worden.

Und die Mitglieder des Verkehrsausschusses? Was halten die von den von Schaller vorgestellten Plänen? Viel, wie sich zeigte. Susanne Herding (CSU): "Wir sind der Meinung, das, was uns da angeboten wird, auf jeden Fall anzunehmen, damit wir für die Zukunft keine Türen zuschlagen." Auch Josef Witt (ÖDP) sprach von einer "historischen Chance" und fügte hinzu: "Es hat sich wieder mal erwiesen, dass man bei Verhandlungen mit der Bahn einen langen Atmen braucht. Wir werden einen noch längeren brauchen, bis die Barrierefreiheit realisiert ist." Martin Frey (Liste) sagte: "Über aller Kritik, die man daran vielleicht noch äußern könnte, steht, dass wir damit einen wichtigen Schritt in die Richtung des barrierefreien Ausbaus unseres Bahnhofs machen." Dennoch wolle er ein wenig die Euphorie derjenigen bremsen, die nun glaubten, "dass wir da die eierlegende Wollmilchsau gefunden haben". "Beim Thema Radverkehrsverbindung habe ich weiterhin große Zweifel." Ohne weitere Maßnahmen in Sachen Bahnhofsgebäude mit Durchstich zur Altstadt sei die nun geplante Verbindung für Radfahrer nicht attraktiv. "Für den Radverkehr als Durchbindung von der Altstadt zum Berg ist das vorerst keine ernste Alternative. Wer macht sich denn tatsächlich die Mühe und fährt in eine Unterführung, um dann am Ende mit dem Rad in einen Aufzug zu steigen, wenn er in die Altstadt will. Da glaube ich, bleibt der bisherige Weg durch die Unterführungen, auch wenn er unattraktiv ist, der am häufigsten gewählte Weg."

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