13.02.2020 - 09:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Bastarden und Bankerten

Uneheliche Kinder gibt es zu allen Zeiten. Was für eine Magd ein großes Unheil ist, ist in Adelskreisen zuweilen eine glückliche Fügung. Bastarde von Fürsten werden legitimiert, wenn diese keinen ehelichen Nachwuchs zeugen.

Der die Regierungsgeschäfte in Amberg leitende Statthalter Franz Ludwig Graf von Holnstein aus Bayern (1723 bis 1780) war unehelicher Sohn von Kurprinz Karl Albrecht, des späteren Kaisers Karl VII. und der Hofdame Maria Caroline Freiin von Ingenheim.

Uneheliche Kinder, heute in manchen Gegenden Deutschlands über 50 Prozent der Neugeborenen, waren in nicht allzu langer Vergangenheit noch - je nach Gesellschaftsstand - ein Glücksfall oder ein fleischliches Vergehen.

Wenn aus adliger Ehe keine Kinder hervorgingen, war es in der Barockzeit durchaus gesellschaftsfähig, dass sich der Adelige mit oder ohne Wissen seiner Gattin auch mit den Hofdamen, also Mätressen, vergnügte. War die Ehe kinderlos, wurde der aus den Seitensprüngen hervorgegangene Lieblingssohn legitimiert und damit einem ehelich geborenen Kind gleichgestellt. Also letztendlich ein Glücksfall.

Doch gibt es auch zahlreiche Beispiele ehelich erklärter Söhne von Vätern, die aus ihrer Ehe mit Kindern gesegnet waren. Nach außen hin machte der sogenannte Bastardbalken im Wappen die Legitimierung kenntlich. Meist widerfuhr den unehelich gezeugten Söhnen diese Standeserhebung, so vererbte sich der Bastardbalken auf dessen Kinder aus späterer Ehe. Adlig war also doch nicht gleich adlig, doch "Bastard" war keineswegs ein abwertender Begriff.

In Amberg gibt es ein schönes Beispiel dafür: Der die Regierungsgeschäfte in Amberg leitende Statthalter Franz Ludwig Graf von Holnstein aus Bayern (1723 bis 1780) war unehelicher Sohn von Kurprinz Karl Albrecht, des späteren Kaisers Karl VII. und der Hofdame Maria Caroline Freiin von Ingenheim. Drei Jahre zuvor hatte Karl mit gleicher Dame eine ebenfalls legitimierte Tochter gezeugt.

1784 übergab Kurfürst Karl-Theodor dem Baron von Egkher, verheiratet mit Gräfin Josefa von Holnstein, der Enkelin von Karl VII., die Alte Veste in Amberg. Beider Wappen zieren noch heute das Gebäude: das der Gräfin mit den Bogener Rauten, dem Pfälzer Löwen und, quer durch das Wappen der verkürzte Sparren, der Bastardbalken als Zeichen unehelicher Geburt. Pikant: Maria Caroline Freiin von Ingenheim heiratete zwei Tage vor der Geburt von Franz Ludwig mit Einverständnis von Karl Albrecht Graf Hieronymus von Spreti, mit dem sie in 26 Ehejahren 14 Kinder hatte.

Ganz anders in bürgerlichen Kreisen oder gar bei den Dienstboten: Ein uneheliches Kind einer Tochter aus bürgerlichem Hause war für diese zwar ein Makel bei der künftigen Partnersuche, doch es war nicht lebensbedrohend. Schließlich reichte es im Haus eines Handwerkers meist auch noch für einen Esser mehr.

Anders für das Kind. Es war nicht zunftfähig, das heißt, es konnte keinen bürgerlichen Beruf, also kein Handwerk, erlernen, aber auch kein Geistlicher werden. Noch schlimmer, wenn der Vater des Kindes nicht bekannt war. So drängte die Kirche und die politische Gemeinde die Hebamme, bei der Entbindung den Namen des Vaters zu erfragen. War der Vater bekannt, musste dieser für den Unterhalt des Kindes aufkommen. War dies nicht der Fall, konnte es ja passieren, dass das Kind oder später der Erwachsene einmal aus Not heraus der Gemeinde zur Last fallen könnte. Dies galt es zu verhindern.

Noch schlimmer dran war der "Bankert", ein oft vom Hausherrn oder vom Bauern oder deren Söhnen auf der "Bank" der Magd gezeugtes Kind. Die Magd lebte selbst am Existenzminimum. Stand der Vater nicht zu seinem Kind - der Beweis der Vaterschaft war schier unmöglich -, war die Magd in einer ausweglosen Situation. Heirat, da nicht standesgemäß und ohne Aussteuer, war in den seltensten Fällen möglich.

Eine Lösung waren die Eltern der Magd, die meist selbst am Existenzminimum lebten. Nicht selten wurde der Säugling aus der Not heraus getötet. Beim Ersticken im Kindbett war es nicht möglich zwischen Unfall und Tötung zu unterscheiden. Noch schlimmer: das Kind ertränken oder in der Abortgrube entsorgen. Es gab Zeiten, in denen städtische Beamte beim Leeren der Abortgruben präsent sein mussten.

Heute ist uneheliche Geburt kein Makel mehr, oft sogar gewollt. Anders noch vor allem in sogenannten besseren Familien in den 1960er Jahren. Die schwangere Tochter fuhr, bevor ihr die Schwangerschaft anzusehen war, zu Verwandten oder zur länger währenden Kur, tatsächlich in ein diskretes Entbindungsheim. Dort brachte sie ihr Kind zur Welt, gab es zur Adoption frei und kam vom Besuch bei Onkel oder Tante wieder nach Hause. (ddö)

Das kurfürstliche bayerische Wappen mit dem Bastardbalken an der Alten Veste in Amberg.
Gräfin Josefa von Holnstein war die Enkelin von Karl VII. (Bild).
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