Amberg
27.12.2019 - 15:21 Uhr

Beim Wolf "kein Grund zur Sorge"im Landkreis Amberg-Sulzbach

Einzelne gerissene Wildtiere sind ein Zeichen, dass der Wolf in der Region unterwegs ist. Im Landkreis sorgt das aber nicht für Unruhe: Das betont Landrat Richard Reisinger in einem Gespräch mit der Redaktion zum Jahresende.

Auch wenn es Nachweise von Wölfen im Veldensteiner Forst und im Übungsplatz Grafenwöhr gibt: Zu Gesicht bekommt man den Wolf (Symbolbild) im Landkreis Amberg-Sulzbach wohl eher nicht. Die Tiere meiden den Menschen, betont Landrat Richard Reisinger – der Wolf sei bislang auch „kein Aufreger“ in der Region. Bild: Lino Mirgeler
Auch wenn es Nachweise von Wölfen im Veldensteiner Forst und im Übungsplatz Grafenwöhr gibt: Zu Gesicht bekommt man den Wolf (Symbolbild) im Landkreis Amberg-Sulzbach wohl eher nicht. Die Tiere meiden den Menschen, betont Landrat Richard Reisinger – der Wolf sei bislang auch „kein Aufreger“ in der Region.

"Der Wolf ist derzeit kein Aufreger bei uns", bilanziert Reisinger mit Blick auf die vergangenen Monate. Und das, obwohl im Veldensteiner Forst, an der Grenze zum Landkreis Amberg-Sulzbach, "ein ganzes Wolfsrudel nachgewiesen" worden ist. Und obwohl es einzelne Wolfsrisse in der Nähe von Ortschaften gegeben hat, zum Beispiel 300 Meter von Nasnitz (Auerbach) entfernt. Angst vor dem zurückgekehrten Wildtier sei aber unbegründet, sagt der Landrat.

Reisinger verweist auf das Wolfsmonitoring, für das das Landesamt für Umwelt zuständig sei. Zudem gebe es in der Region seit einem Jahr einen Wolfsbeauftragten: Markus Martini sei im Veldensteiner Forst im Einsatz, wo 2018 erstmals Wolfswelpen nachgewiesen worden seien. "Mindestens fünf" seien es damals gewesen, "2019 hat man dann erneut vier Welpen nachgewiesen". Die Jungtiere würden im Alter von einem bis zwei Jahren ihr Rudel verlassen, um sich eigene Territorien zu suchen. Bei einem Verkehrsunfall im September sei das Muttertier des Veldensteiner Rudels getötet worden.

Wölfe meiden Menschen

Auch aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gebe es weiterhin Nachweise von einem Wolfspaar, allerdings keine auf Nachwuchs. Wer solche Mitteilungen nicht so gern hört, den erinnert der Landrat daran, dass Wölfe "nachweislich vorsichtig" seien. "Sie meiden Menschen, aber nicht die menschlichen Infrastrukturen." Die Tiere nutzten also Straßen und Wege, passten sich dabei aber "normalerweise an die Aktivität des Menschen an", weshalb sie dort nur nachts unterwegs seien. "Wölfe weichen von Natur aus dem Menschen aus. Aber im Schutz der Dunkelheit laufen sie auch an bewohnten Häusern vorbei" - so, wie es auch Rehe und Füchse täten.

Reisinger sieht jedenfalls keinen Anlass zur Sorge: "Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben." Man könne also weiterhin ganz beruhigt joggen und wandern gehen. Und Wolfsmanager Martini arbeite mit Menschen und Interessensgruppen zusammen, die bei diesem Thema gegensätzliche Meinungen vertreten - angefangen von Jägern und Bauern bis zu Naturverbänden und Privatpersonen.

Dieses Reh wurde von einem Wolf gerissen. Die Aufnahme stammt aus dem Veldensteiner Forst (Landkreis Bayreuth). Bild: Rost
Dieses Reh wurde von einem Wolf gerissen. Die Aufnahme stammt aus dem Veldensteiner Forst (Landkreis Bayreuth).

Ein "Provokateur par excellence"

Kein ganz einfaches Thema, das weiß Reisinger aus Gesprächen. "Der Wolf ist halt in der Gesellschaft wahrscheinlich schon traditionell ein Provokateur par excellence." Insofern sei "für manche ein Wolf schon einer zu viel, während die Naturschützer sagen, dass der Wolf schon seit langem zur Naturlandschaft gehört".

Das, so Reisingers Erfahrung, "überzeugt Kritiker aber nicht". In seinem Freundeskreis höre er in diesem Fall jedenfalls meist den ironischen Hinweis, der Dinosaurier sei auch einmal da gewesen - "und den braucht wohl auch keiner mehr. Oder willst du am Trimm-dich-Pfad einen Brontosaurier rumlaufen sehen?"

Stichwort "Entnahme":

Mitte Dezember hat der Bundestag beschlossen, „die Entnahme“ des eigentlich nach wie vor streng geschützten Wolfs zu erleichtern. Daran erinnert Landrat Richard Reisinger im Gespräch mit der AZ. „Die Entnahme muss dann aber schon individuell begründet werden. Man kann auch ein ganzes Rudel entnehmen“ – aber auch dafür brauche es einen guten Grund. Entnahme: Der Begriff, den man auch im Zusammenhang mit dem Biber oft hört, klingt harmlos. Auf Nachfrage benutzt Reisinger dann statt des amtlichen Ausdrucks Wörter, die deutlicher sagen, worum es geht: „Ja – töten, umbringen.“

Dass es bislang keine Aufregung um den Wolf gibt, führt Reisinger auch darauf zurück, dass es im Landkreis "nicht so viele Schafherden" gebe. Und die Schäfer, die mit ihren Tieren unterwegs seien, zum Beispiel im Lauterachtal, "wappnen sich ganz professionell: Ohne Zaun geht da natürlich nichts". Und wenn doch einmal ein Tier gerissen werde, gebe es Entschädigungen. Damit sei nach anfänglicher Aufregung auch in Frankreich "sehr schnell Ruhe eingekehrt".

Nicht schön, aber Natur

Reisinger sieht bei diesem Thema gewisse Parallelen zum Fuchs, mit dem er eigene Erfahrungen gemacht hat. Von seinem Vater habe er noch Hühner im Birgland. Die seien von einem "schlampigen Zaun" umgeben gewesen, gibt Reisinger zu: "Da hat sich dann halt der Fuchs im Blutrausch ausgelassen. Das ist nicht schön, aber irgendwie auch Natur." Dann müsse man eben die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen. In seinem Fall sei das durch einen Betonsockel geschehen. "Und dann kommen die Greifvögel von oben. Aber das ist Natur."

Der Wolf ist zurück in Bayern

 
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