18.07.2019 - 17:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Bergwirtschaft in Amberg bleibt weiter geöffnet: Sanierung muss warten

Ursprünglich hatte es geheißen, unmittelbar nach dem Bergfest würden die Arbeiten für die Sanierung der Bergwirtschaft beginnen. Doch oben auf dem Mariahilfberg herrscht idyllischer Alltag. Die Gaststätte bleibt bis auf Weiteres geöffnet.

Seit 23 Jahren Wirtsleute auf dem Mariahilfberg: Gertraud und Herbert Erras. Sie betrachten die von der Filiakirchenstiftung ausgesprochene Kündigung als fehlerhaft.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Kein Abbruchbagger, kein Bauschuttcontainer: In der Morgensonne zwitschern die Vögel, Gäste rühren in ihrem Kaffee, die Bedienung geht im Dirndl durch die Reihen. Ein Aufsteller, auf dem die Spezialitäten des Hauses angepriesen werden, begrüßt die Besucher. Die Gastwirtsfamilie Erras ist wie jeden Tag auf den Beinen, um den Mittagstisch vorzubereiten und wenn es nach Herbert und Gertraud Erras geht, soll das auch noch eine gewisse Zeit so bleiben. Zumindest so lange, bis die Kündigung des Pachtverhältnisses durch den Eigentümer der Immobilie, die Filialkirchenstiftung, rechtlich wirksam wird. Denn das ist bis jetzt nicht geschehen.

Ein Investor aus der Region will die Bergwirtschaft umbauen

Amberg

"Wir lassen die Kündigung gerichtlich überprüfen", erklärt die Rechtsanwältin der Familie, Doris Kinzler. Kurz vor Silvester 2018 hatte die Filialkirchenstiftung den Wirtsleuten nach 23 Jahren mitgeteilt, dass sie die Pacht zum 30. Juni 2019 auslaufen lassen will. Ein nicht ausreichendes Zeitfenster, wie der Rechtsbeistand der Familie moniert. Im Pachtvertrag aus dem Jahr 1995 sei ausdrücklich eine Kündigungsfrist von einem Jahr vereinbart worden. Deswegen haben die Wirtsleute vor dem Landgericht Amberg eine Feststellungsklage eingereicht mit dem Ziel, die Kündigung als unwirksam erklären zu lassen.

"Wir haben auch versucht, eine einvernehmliche Einigung über ein Beendigungsdatum zu erzielen", sagt Kinzler. Dabei sei gerichtlich vorgeschlagen worden, das Pachtverhältnis bis 15. Januar 2020 zu verlängern. Für die Filialkirchenstiftung wäre dieser Vergleich hinnehmbar gewesen, erklärte Kirchenpfleger Franz Mertel auf Nachfrage. Doch die Familie Erras hat nicht zugestimmt, so dass nun das Gericht gefordert ist. In der ersten Augustwoche soll eine Entscheidung verkündet werden.

Fernab dieser juristischen Auseinandersetzung geht der Gaststättenbetrieb auf dem Mariahilfberg weiter, so als ob nichts gewesen wäre. Montag ist wie immer Ruhetag, ansonsten gelten die üblichen Öffnungszeiten. Die 25 Angestellten des Familienbetriebes haben alle Hände voll zu tun - zuletzt auch sehr oft damit, Anfragen zur Zukunft des Gasthauses zu beantworten. Gertraud Erras machen die Diskussionen und der Rechtsstreit durchaus zu schaffen. Sie hofft jetzt vor allem auf eines: Klarheit. "Ich will, dass miteinander geredet wird und dass am Ende alle zufrieden sind."

Dass alle zufrieden sind, das will Investor Michael Fellner auch. Der Rechtsstreit wirft ihn seinen eigenen Angaben zufolge nicht aus der Bahn. "Ich sehe das entspannt", erklärte er am Donnerstag. "Es sind so viele Vorarbeiten zu erledigen, dass dieses Verfahren das Gesamtprojekt nicht beeinträchtigt."

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