Amberg
14.09.2018 - 14:41 Uhr

Betrüger mit guten Manieren

Er ist 35 Jahre alt. Der Mann aus dem Raum Forchheim hat eine Familie und geht offenbar davon aus, dass man sie durch Betrügereien ernähren kann. Zum Beispiel in dem er ein Auto auf Pump erwirbt und weiterverkauft.

Symbolbild. Bild: Oliver Berg/dpa
Symbolbild.

Das Internet ist längst der größte Fahrzeug-Umschlagplatz. Dort stellte vor fast genau einem Jahr ein Mann aus Auerbach seinen schon etwas älteren Daimler zum Verkauf ein. Es gab mehrere Interessenten. Er entschied sich für einen Mann aus dem Raum Forchheim und verlangte knapp 4000 Euro.

Was den Amberger Amtsrichter Markus Sand bei der Verhandlung im Amtsgericht wunderte, war: "Warum haben Sie ihm den Wagen samt Papieren ausgehändigt, obwohl er nicht einen einzigen Euro anzahlte?". Die Antwort: "Er wirkte seriös, hat seine momentan eingeschränkte Finanzsituation geschildert und um Ratenzahlung gebeten." Bereits die erste Rate blieb aus. Und auch in der Folgezeit kam nichts. Der Autoverkäufer aus Auerbach nahm Kontakt auf und erhielt per SMS Nachrichten mit vertröstenden Ausflüchten. Da spielten weitere finanzielle Engpässe eine Rolle, wurde händeringend um Aufschub gebeten. Alles in höflichem Ton und mit dem Hinweis, das Fahrzeug sei dringend reparaturbedürftig gewesen. Mit einer Rechnung aus der Werkstatt von weit über 1000 Euro.

Irgendwann war die Geduld des verärgerten Gläubigers beendet. Er setzte sich an den Computer und fand nach längerer Recherche heraus: Sein Pkw stand auf der Verkaufsliste eines Händlers in Mittelfranken. An ihn hatte der 35-Jährige das Auto, zu dem er auch den Kfz-Brief besaß, verkauft und Bargeld dafür kassiert. Vor dem Richter argumentierte der Familienvater: "Der Wagen war fast schon Schrott."

Es gab rechtliche Debatten im Sitzungssaal. Hauptsächlich um die Frage, ob es sich nun um ein Betrugs- oder Unterschlagungsdelikt handelte. Als sie abgeschlossen waren, mochte Staatsanwältin Barbara Tutsch einer vom Verteidiger vorgeschlagenen Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage nicht zustimmen. Der Richter schloss sich an. Zumal schon deswegen: Der 35-Jährige brachte acht Vorstrafen mit. Hauptsächlich verhängt wegen betrügerischer Manipulationen.

Die neunte Ahndung wegen Betrugs lautete nun auf sechs Monate Haft ohne Bewährung. Danach wurde der Franke von Polizeibeamten zurückgebracht in eine Zelle der Justizvollzugsanstalt Bamberg. Dort sitzt er momentan. Auch wegen Betrügereien.

 
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