13.03.2019 - 08:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Blick auf das uralte Amberg

Es wirkt ein bisschen abgeliebt, das Haus in der Schiffgasse 3. Die Mauern bröckeln, alles sieht nach Verfall aus. Drei Männer haben sich vorgenommen, aus einem der ältesten Häuser Ambergs, wieder ein Schmuckstück zu machen.

Das Anwesen Schiffgasse 3 stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. Die Bäume für den Dachstuhl wurden im Winter 1405 gefällt. Drei Amberger haben sich jetzt daran gemacht, es zum alten Glanz zu bringen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Ein vornehmes Handwerkerhaus, das war sie einmal, die ehemalige Büchsenmacherei hinter der Martinskirche. Wohl eines der ältesten noch erhaltenen Häuser in der Altstadt überhaupt, hat sie aber schon bedeutend bessere Zeiten erlebt. Der Zahn der Jahrhunderte hat seine Spuren hinterlassen. Zahlreiche der historischen Dachbalken sind angefault, die alten Wände krumm und bröckelig. Dazu kommen die baulichen "Verbesserungen" der Jahrhunderte.

Fabian und Wolfgang Schmidt sowie Nico Sticke gehen nun daran, das Haus von Grund auf zu sanieren und über ihre gemeinsame Firma Wohnwert Bau in hochwertiges Wohneigentum umzuwandeln. "Das Holz für den Dachstuhl ist im Winter 1405 geschlagen worden", erzählt Wolfgang Schmidt. Er ist der Schreiner auf der Baustelle, Nico Sticke gelernter Mauerer und Schmidt-Sohn Fabian als Geschäftsführer des gemeinsamen Unternehmens für die Vermarktung zuständig - und er wird am Ende selbst in eine der Wohnungen einziehen, die hier von Grund auf aufgebaut werden. "Im Erdgeschoss ist eine Balkendecke aus dem Jahr 1388", ergänzt Nico Sticke, der nebenan schon vor Jahren ein Haus gekauft und saniert hat.

Hobby zum Beruf gemacht

Das Anwesen in der Schiffgasse ist nicht das erste Objekt, das die beiden Freunde Wolfgang Schmidt und Nico Sticke sanieren. In Lengenfeld haben sie bereits ein ehemaliges Bauernhaus restauriert, inzwischen sind sie vom Virus der alten Häuser vollkommen infiziert. "Und schließlich müssen wir ja auch von was leben", sagt Wolfgang Schmidt. Deshalb haben sie ihr Hobby gleich zum Beruf gemacht. "Mittlerweile macht das auch richtig Spaß", sagt Nico Sticke und deutet auf die morschen Balken und bröckelnden Wände. Für die Sanierung des Büchsenmacherhauses haben sich die drei Eigentümer Architekt Urban Meiller ins Boot geholt, einen ausgewiesenen Sanierungsexperten. Erhalt der alten Substanz soweit möglich ist das oberste Ziel dabei. Die enge Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege gehört auch dazu. Doch auf das übliche Gemaule über den offiziellen Denkmalpfleger wartet man vergeblich: "Die Zusammenarbeit mit Friedrich Roskamp läuft wirklich hervorragend", lobt Nico Sticke den Beamten.

Vom Dachstuhl, der derzeit nur von einer Plastikplane geschützt wird, geht es hinunter. Eine alte Spundwand aus Holz zeigt, wie in früheren Jahrhunderten die Raumtrennung in den Häusern funktioniert hat. Sie soll ebenso erhalten und restauriert werden wie die hölzerne Renaissance-Decke aus dem Jahr 1599, die bei der Neugestaltung 1820 einfach überputzt worden ist. Gleich daneben findet sich ein ganz besonderes bauliches Element, wie es wahrscheinlich in nur noch wenigen Häusern in Amberg erhalten ist: eine Zwischenwand, die aus Weide oder Hasel geflochten worden ist und dann mit einem Lehm-Stroh-Gemisch überputzt wurde.

Decke aus dem Jahr 1388

Ganz unten im Erdgeschoss warten noch zwei historische Überraschungen auf den Besucher. Die alte Balkendecke, deren Holz tatsächlich bereits im Jahr 1388 gefällt worden ist, wurde nur teilweise freigelegt. Ganz hinten finden sich zwei uralte Tonnengewölbe, die in den vergangenen knapp 600 Jahren teilweise mit Schutt aufgefüllt worden sind. Eines der Gewölbe ist zudem teilweise eingestürzt und muss derzeit noch gestützt werden. "Das Haus hat jetzt 600 Jahre gehalten", sagt Fabian Schmidt. "Aber wenn wir hier fertig sind, hält es noch einmal 1200 Jahre."

Knapp 320 Quadratmeter Nutzfläche hat das Anwesen, Raum für vier Eigentumswohnungen, die hier entstehen. Drei verkaufen die Bauherren, um die Sanierung bezahlen zu können, ganz oben unterm Dach zieht Fabian Schmidt ein. Der sich natürlich auch schmutzig machen muss. Er arbeitet hier tatkräftig mit, kennt jeden Balken und fast jeden Stein. Der gelernte Bankkaufmann hat längst den Anzug gegen das Arbeitsgewand getauscht. Denn auch ihn hat der Virus des Alten erwischt.

Hintergrund:

Als das Anwesen Schiffgasse 3 gebaut worden ist, stand nebenan noch die alte, romanische Martinskirche. Auf dem Kaiserthron saß der Luxemburger Wenzel, der die Herrschaft 1400 an Ruprecht von der Pfalz verlor. Amberg hatte zu diesem Zeitpunkt knapp 2700 Einwohner und war das Zentrum der mittelalterlichen Eisenerzförderung und -verhüttung. Die baulichen Gegebenheiten des Anwesens lassen vermuten, dass über den Gewölben im Erdgeschoss zunächst ein älterer Holzbau stand, der später durch Stein ersetzt worden ist.

Bilder aus dem Anwesen Schiffgasse 3

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