21.10.2018 - 14:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Blüten aus Bordeaux in die Oberpfalz

Der Mann reist mit dem Zug von Bordeaux nach Amberg. Er hat gefälschte 100-Euro-Scheine dabei und gibt die Blüten aus. Vornehmlich in einem Ort bei Nabburg, wo er einen Gebrauchtwagen abholt und damit in Richtung Frankreich verschwindet.

Das Gericht verhandelt einen Fall von Geldfälschung.
von Autor HWOProfil

Die fast schon abenteuerlich anmutende Geschichte liegt über viereinhalb Jahre zurück. Im Januar 2014 reiste ein Mann, der seinen Wohnsitz in Bordeaux hatte, von Frankreich in die Oberpfalz. Er stieg in Amberg aus dem Zug, nahm sich ein Taxi und wollte in einen Ort bei Nabburg gebracht werden. Die Fahrtkosten von 30 Euro beglich er mit einem falschen 100-Euro-Schein, wie sich später herausstellte. Am Ziel angekommen, ging der damals 32-Jährige zu einem Gebrauchtwagenhändler und holte ein Auto ab, das vorher über Internet von einem Franzosen gekauft worden war. Der Pkw kostete 8000 Euro. Der dem Verkäufer unbekannte Mann zahlte mit Hundertern. Auch hier wurde erst einige Zeit darauf deutlich: 13 dieser Banknoten kamen aus einer Fälscherwerkstatt.

Was sich anschloss, waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die zunächst wegen Nichterreichbarkeit des Blüten-Überbringers eingestellt wurden. Dann aber ergab sich, dass er auch schon in Berlin mit unechten Banknoten sein dubioses Spiel getrieben hatte. Daraufhin kam es heuer im Mai zu einem internationalen Haftbefehl, den französische Behörden im September vollzogen und den jetzt 36-Jährigen auslieferten. Seither saß er in U-Haft.

Vor dem Amberger Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Sand öffnete sich der Vorhang zur zwielichtigen Rolle des Angeklagten nur andeutungsweise. Erst gab er zu, unterwegs nach Deutschland erkannt zu haben, dass ihm sein Auftraggeber etliche Scheine mit der gleichen Seriennummer mitgegeben habe. "Wer prüft schon Seriennummern?", fragte der Vorsitzende und bekam nicht lange darauf ein Geständnis. Was bedeutete: Der Mann wusste schon beim Start seiner Tour um die Falsifikate. Doch wer nun genau die Blüten herstellte und ob es sich dabei um eine mutmaßlich kriminelle Vereinigung handelte, blieb im Dunkeln. Der aus U-Haft Vorgeführte, der einen französischen Pass besitzt und nach deutschen Erkenntnissen keine Vorstrafen hatte, bekam 18 Monate Haft mit Bewährung und durfte zurück zu seiner Familie in Südfrankreich. Damit entsprach das Schöffengericht dem Antrag von Staatsanwalt Tobias Kinzler. Verteidiger Jörg Jendricke hatte 15 Monate mit Bewährung für ausreichend gehalten. Der 36-Jährige muss nach gerichtlicher Weisung den Schaden sowohl für den Taxifahrer als auch für den Autohändler begleichen. Zahlt er innerhalb von sechs Monaten nicht, wäre dies ein Bewährungsverstoß. Das würde dann mit einem erneuten Haftbefehl einher gehen.

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