Es ist nicht immer alles so, wie es scheint - auch wenn Candida Bialek aus Amberg mit einem randvollen Wagen an der Supermarktkasse steht, ist sie vom Hamsterkauf weit entfernt. Vier Packungen Nudeln reichen bei der siebenköpfigen Familie gerade mal für ein Mittagessen, zwei Liter Milch für ein Frühstück.
Seit Beginn der Coronakrise gibt es in vielen Läden Abgabebeschränkungen, die für die Großfamilie durchaus problematisch sind. Noch schlimmer sind aber die bösen Blicke und Bemerkungen der anderen Menschen. Mama Candida schildert ihre Erfahrungen: "Es ist definitiv so, dass ich momentan das Gefühl habe, mich beim Einkaufen rechtfertigen zu müssen. Gerade, dass ich nicht die Geburtsurkunden meiner Kinder herzeigen muss. Manchmal rede ich extra laut mit meinem Mann über die Kinder, wenn ich die Blicke spüre."
Alle fünf Sprösslinge im Alter zwischen 7 und 18 Jahren sind wegen des Coronavirus nun rund um die Uhr daheim. "Das ist auch für uns ganz neu und ein Lernprozess. Oft essen die Kinder sonst auch mal auswärts oder in der Schule, jetzt sind sie immer da. Von der Masse an Lebensmitteln brauchen wir da schon eine ganze Menge, denn die Großen essen auch schon wie Erwachsene." Und auch für den 82-jährigen Opa kauft die Familie gelegentlich mit ein. In der heutigen Gesellschaft sei es ohnehin oft schwierig mit mehreren Kindern: "Man wird schnell als asozial abgestempelt", sagt die Mutter. Aktuell habe sich die Situation beim Einkaufen aber noch verschärft.
Trotzdem hat die fünffache Mama Verständnis für die Menschen, die sie beim Einkaufen so kritisch beäugen: "Ich versuche immer höflich zu bleiben. Die kennen uns ja nicht. Und überhaupt haben wir wahrscheinlich alle im Moment ein sensibleres Nervenkostüm. Diese neue Stimmung beim Einkaufen ist spürbar. Die Leute haben Angst, dass sie nicht mehr genug bekommen." Auch wenn es vieles offensichtlicher machen würde, versuchen die Bialeks ganz bewusst den Einkauf nicht zum Familien-Ausflug werden zu lassen: "Bei uns geht meist nur eine Person in den Laden. Ich versuche auch, Rücksicht zu nehmen und nicht zu viel auf einmal mitzunehmen, damit für alle etwas da ist." Damit der Einkauf für zwei oder drei Tage reicht, muss aber schon einiges im Einkaufswagen landen: "Für ein normales Mittagessen brauchen wir gut vier bis fünf Knödelteig-Packungen." Um auch mit den Abgabebeschränkungen auszukommen, behilft sich Candida Bialek mit einer einfachen Lösung: "Ich gehe dann eben in die Läden, wo man uns kennt und weiß, dass wir etwas mehr brauchen. Das klappt ganz gut."
Die Ambergerin versucht auch, das Positive in der Krise zu sehen: "Ich glaube, wenn wir den Blick füreinander nicht verlieren, können wir aus der Situation auch etwas lernen. Entschleunigung zum Beispiel." Denn eines steht für die fünffache Mutter fest: "Wenn wir hamstern würden, dann würde das ganz anders aussehen."















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.