29.08.2021 - 11:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Bunter Regentanz bei Christopher Street Day in Amberg

Das queere Kunterbunt-Netzwerk traf sich am Samstagnachmittag in Amberg auf den Bleichwiesen. Alle, die zu diesem Christopher Street Day gekommen waren, hatten ein Ziel: Sie warben für mehr gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz.

von Dagmar WilliamsonProfil

Schwule und Lesben, Trans-, Inter- und Bisexuelle sowie die gesamte Regenbogen-Community sind auch in diesem Jahr wieder für die Rechte queerer Menschen auf die Straße gegangen: Der Christopher Street Day wurde in Amberg am Samstagnachmittag auf den Bleichwiesen beim Kongresszentrum gefeiert.

Vom Lehrer diskriminiert

Jeder, der gekommen war, hat seine eigene Geschichte. Anika zum Beispiel. Die 17-Jährige erzählte, sie sei von ihrem Klassenlehrer diskriminiert worden. Als sie und ihre Freundin sich in Sulzbach-Rosenberg gemeinsam in der Schule zeigten, seien sie von der Lehrkraft vor der gesamten Klasse bloßgestellt worden. Es sei eine Art Gruppendynamik entstanden. Die Hetzerei, die Beleidigungen und die damit entstandenen Ängste endeten laut Anika erst mit dem Schulabschluss.

Nanook ist 14 Jahre alt und fühlt sich im Hier und Jetzt weder ausschließlich männlich noch ausschließlich weiblich. Alex ist 15 Jahre alt und identifiziert sich als "genderfluid" und bewegt sich fließend zwischen den Geschlechtern, abhängig von der Tagesform. Probleme im Alltag haben beide nicht, außer, dass Unwissende oft falsche Pronomen nutzen würden. Um dem entgegenzuwirken, wünschen sie sich das offene Gespräch und die Akzeptanz ihrer Aufklärung. „Man kann uns ja einfach beim Namen nennen und uns mit einem Du ansprechen.“

Angst, sich so zu zeigen

Die 19-jährige Julia hat Amberg verlassen und das Weite gesucht– vor allem wegen der Diskriminierung ihres Daseins. Sie erzählte von Spuck-Attacken und homophobem Hinterherschreien. „So zu sein, wie ich bin und sein möchte, kann ich nur auf Veranstaltungen dieser Art. Ansonsten habe ich wirklich Angst, mich so zu zeigen.“

Unterstützung findet Kunterbunt Amberg bei den Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Für Tina Winklmann ist es jährlich ein Muss, beim Christopher Street Day dabei zu sein und sich gegen Benachteiligungen auszusprechen. Winklmann ist Bezirksvorsitzende und Mitglied im Landesausschuss Bündnis90/Die Grünen. „Wir sind alle normal, egal ob queer oder hetero. Wir kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben. Darauf haben wir alle ein Recht. Wir werden nicht müde, bis wir endlich alle vor dem Gesetz und in der Gesellschaft gleichgestellt sind.“ Mit einem Selbstbestimmungsgesetz will ihre Partei dafür sorgen, dass das ihrer Meinung nach überholte Transsexuellengesetz aufgehoben wird. Eine Änderung des Geschlechtseintrags und des Namens auf Antrag der betroffenen Person sollen ermöglicht werden, ohne dass dafür ein erniedrigendes psychologisches Zwangsgutachten notwendig ist.

80.000 Unterschriften

Manfred Preischl, Schwandorfer Bundestagsdirektkandidat für Die Linke, war sichtlich erbost über die von der Bundesregierung gestellten Hürden für den im Mai eingebrachten Gesetzesentwurf für Artikel 3 des Grundgesetzes. Die Abstimmung sei einfach von der Tagesordnung genommen worden. Und das, obwohl den Bundestagsfraktionen mehr als 80.000 Unterschriften aus der Petition „Grundgesetz für alle“ übergeben worden seien.

So lief der Christopher Street Day in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg
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