23.03.2020 - 14:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Ciao, Firenze: Eisdiele in Amberg schließt für immer

18 Jahre tobten im Eiscafé Firenze in der Georgenstraße in Amberg das pure Leben und italienisches Flair. Dann zwingt ein Schicksalsschlag den Familienbetrieb zum Ladenschluss. Völlig unabhängig vom Coronavirus.

Das Eiscafé Firenze in der Georgenstraße hätte auch ohne Coronakrise geschlossen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Die Eissaison hat dieses Jahr noch nicht einmal richtig begonnen. Aber schon jetzt ist klar: Das letzte Eis im Café Firenze in Amberg ging bereits im vergangenen Jahr über die Theke. Im März ging still und leise die Ära der Amberger Institution in der Georgenstraße zu Ende. Schweren Herzens entschloss sich die Besitzerfamilie dazu, die Pforten ihrer Eisdiele für immer zu schließen. Aus familiären Gründen, wie Nadine Kunze, die Tochter des Besitzers, erzählt. "Mein Papa war der Chef, aber meine Mama war die Seele unseres Cafés. Leider ist sie im vergangenen Jahr verstorben. Wir konnten einfach nicht ohne sie weitermachen. Der Laden wäre nicht derselbe gewesen."

Das Firenze war ein Familienbetrieb (von links): Papa Antonio, Tochter Chantal, Mama Donatella und Tochter Nadine Kunze, geborene Cettolin, packten in dem Eiscafé in der Amberger Altstadt immer gemeinsam an. Jetzt trauert die Familie um die verstorbene Mama.
Den Eltern von Nadine Kunze (Bild) gehörte das Firenze.

18 Jahre pure Leidenschaft - so bezeichnet Kunze die Jahre im Eiscafé Firenze. Als ihre Eltern, Antonio und Donatella Cettolin, am 26. März 2002 die Eisdiele eröffneten, ahnten sie nicht, welche Erfolgsgeschichte das Café in der Altstadt erleben würde. Ein Zufall verschlug das italienische Paar, das zuvor eine Eisdiele in Nordrhein-Westfalen betrieben hatte, in die Oberpfalz. Drei Jahre später kamen auch die Töchter Nadine und Chantal nach Amberg und machten die Eisdiele zu einem Familienunternehmen.

Doch aller Anfang war schwer, erinnert sich Nadine: "Das erste Jahr war sehr schwer für meine Eltern. Niemand kannte uns und unser Eis." Um das zu ändern, entschlossen sich die Cettolins, die Saison auszudehnen: "Schnell wurden wir bekannt als die Eisdiele, die als Letzte schließt und als Erste öffnet." Über 80 Prozent der Kundschaft zählten die Cettolins schließlich zu ihren Stammkunden. "Wir waren mit so vielen per Du. Wir kannten die Leute und die Leute kannten uns. Es war immer eine absolut familiäre Atmosphäre."

Der Schicksalsschlag

Zu dieser ganz besonderen Stimmung im Eiscafé Firenze hat nicht zuletzt Donatella Cettolin beigetragen. "Meine Mutter hatte schon immer eine ganz besondere Aura, eine ganz eigene Ausstrahlung. Die Leute haben sich ihr anvertraut und gern mit ihr über ihre Probleme geplaudert. Genau das hat das Café so besonders und familiär gemacht." Bis zum Schluss hat Donatella Cettolin hinter der Theke gearbeitet. Bis zum Schluss hat die Familie das Beste gehofft und musste sich dann doch dem Schicksal geschlagen geben. Im vergangenen Jahr erlag die 64-Jährige den Folgen eines Aneurysmas und eines beidseitigem Schlaganfalls. Wie sehr es die Cettolins in die Herzen der Amberger geschafft haben, zeigt nicht zuletzt die große Anteilnahme der Kunden an dem Schicksalsschlag: "Als die Eisdiele bereits geschlossen war, haben Leute Rosen vor die Tür gelegt und Kerzen angezündet, das hat uns sehr berührt." Auch zahlreiche Kondolenzkarten geben der Familie Kraft: "Obwohl wir keine gebürtigen Amberger sind, haben die Menschen uns so viel Liebe entgegengebracht. Viele sagten, sie würden mit der Eisdiele einen Freund verlieren."

In der Trauer fällt die Familie schweren Herzens die Entscheidung, das Café aufzugeben: "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Wir wollen, dass die Leute meine Mutter und das Café in positiver Erinnerung behalten. Bei den Ambergern möchten wir uns natürlich ganz herzlich für die schönen Jahre und die Treue bedanken." Trotz der Trauer hat Nadine Kunze nicht nur ein weinendes, sondern auch ein lachendes Auge, wenn sie an die schönen Momente im Laufe der Jahre denkt: "Ich erinnere mich an die Fußballweltmeisterschaften. Obwohl die Italiener 2006 gewonnen haben, haben die Kunden mit uns gemeinsam gefeiert. Überhaupt gab es viele rauschende Feste und so viele Erlebnisse, die uns immer im Herzen bleiben werden." Nadine heiratete sogar einen Amberger und wird auch nach dem Ende des Eisladens in der Oberpfalz bleiben. Auch die Geburten ihrer Kinder wurden im Eiscafé immer gefeiert.

Prosecco - und Red-Bull-Eis im Firenze

Gutscheine bleiben gültig

Im Café Firenze tobte 18 Jahre lang das pure Leben und "La dolce vita" wie in Italien. Gerne hätte sich die Familie persönlicher bei ihren liebgewonnenen Kunden verabschiedet, doch die Coronakrise machte auch ihnen einen Strich durch die Rechnung: "Mein Vater hatte einfach keinen Kopf dafür und sitzt nun auch noch in Italien fest. Die Übergabe ging dann schneller als gedacht." Denn ein neuer Besitzer hat den Laden bereits übernommen, auch er will eine Eisdiele betreiben. Kunze: "Das war meinem Vater sehr wichtig. Sie haben so viel Blut und Schweiß in den Laden gesteckt. Er wollte es den Ambergern nicht antun, dass irgendeine Kette reingeht, die nur eine Nummer ist. Zum Glück ist es jetzt wieder eine italienische Familie mit Eisladen."

Und noch etwas haben die Cettolins für ihre ehemaligen Kunden ausgehandelt: "Alle Gutscheine bleiben auch in der neuen Eisdiele für ein Jahr lang gültig."

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Kommentare

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Selim Hamaloglu

Schade, ich habe die Besuche der Eis-Diele mit meinen Töchtern immer sehr genossen. Es war ein Stück Urlaub. Nicht nur das Eis war super, sondern die Herzlichkeit war einmalig. Ciao Firenze, ihr wird uns fehlen.

23.03.2020