07.12.2018 - 16:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Conrad adoptiert Kinder und speist Arme

"Das sind meine Kinder", sagt Marilou Amann und schlägt einen Ordner mit Bildern von 25 jungen Menschen auf. Liebevoll streicht sie über jedes Foto, obwohl sie natürlich nicht die Mutter all dieser Buben und Mädchen auf den Philippinen ist.

Marilou Amann schmückt sich bei ihren Projekten auf den Philippinen nicht mit fremden Federn, sondern stellt jedes Mal die Namen ihrer Spender und regelmäßigen Unterstützer in den Vordergrund. Hier zum Beispiel bedanken sich die Müllsammler-Familien aus dem Slumgebiet Kilicao am Rand der nahe Sorsogon liegenden Stadt Daraga mit ihren 100 Kindern per Plakat bei der Klaus und Gertrud Conrad Stiftung.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Aber die Ambergerin, die selbst aus dem armen Inselstaat stammt, fühlt sich für jene Kinder aus den Elendsgebieten ihrer alten Heimat verantwortlich. Sie möchte ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen - mit Schulpatenschaften, für die sie Spender in Amberg und Umgebung sucht. Den "Ritterschlag" für ihre private Initiative hat die 55-Jährige heuer erhalten: Die Klaus und Gertrud Conrad Stiftung hat auf einen Sitz zehn Patenschaften übernommen und nun vor Weihnachten noch einmal sieben hinzugefügt.

Stiftung plant 37 000 Euro ein

Stiftungsgründer Klaus Conrad selbst und sein Neffe Michael C. Geiss überprüften den korrekten Ablauf des Projekts im ersten Jahr ihrer Förderung und waren bei ihrem Treffen mit Marilou Amann so überzeugt, dass sie sieben weitere Patenkinder für jeweils zwei Jahre fördern wollen (zu je 50 Euro pro Monat). Insgesamt schüttet die Stiftung allein für 2019 11 000 Euro aus. Außerdem war es Klaus Conrad ein Anliegen, auch die Armenspeisungen, die Marilou Amann in ausgewählten Slumgebieten macht, weiter zu unterstützen. Dafür hatte er früher schon ein Herz, sagte deshalb für die nächsten zwei Jahre weitere 10 000 Euro zu.

Kinder sind unsere Zukunft

"Kinder sind ja unsere Zukunft", betont der Inhaber des gleichnamigen Elektronik-Handelskonzerns und macht dabei keine Unterschiede, wo auf der Welt der Nachwuchs eine Chance braucht. Dabei hat sich die Stiftung zuletzt neben anderen Ländern der Erde auch den Philippinen stark zugewandt. Weil dort eben mit Marilou Amann und dem Verein Hayag, den Conrad ebenso kräftig in seiner Arbeit unterstützt, sichere Strukturen und verlässliche Kontakte vor Ort da sind. Auch Marilou Amann sagt, dass das die beste Form von Entwicklungshilfe ist: Mit einem ordentlichen Schul- oder Ausbildungsabschluss schaffen es die jungen Leute selbst, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie haben gute Chancen, einen Job zu finden im erlernten Beruf.

Dabei sind es die jungen Leute, ebenso wie die älteren, in ihrem entbehrungsreichen Leben durchaus gewöhnt, flexibel zu sein und manche Schwierigkeit auf sich zu nehmen. (Gute) Arbeit ist direkt vor der Haustür kaum zu finden, schon gar nicht in den Elendsvierteln und Slums, die bewusst an den Rand der Orte und der Gesellschaft gedrängt wurden. Von hier führen meist nur kilometerlange Fahrten per Bus oder öffentliche Jeeps in größere Gemeinden und Stadtzentren, wo Jobs in erster Linie zu ergattern sind. Nur wer hierher gelangen kann, hat überhaupt die Chance, Arbeit zu bekommen. Voraussetzung dabei immer, wenn es kein Tagelöhnerjob sein soll, der sowieso das Elend nicht beseitigt, sondern nur verlängert: eine gute Schulbildung - möglichst am College erworben, das ähnlich wie eine Ausbildung in Deutschland berufspraktisch auf verschiedene Sparten der Arbeitswelt vorbereitet.

Sie teilen mit ganzer Familie

"Wer das vorweisen kann, hat eine reelle Chance, nicht nur sich, sondern auch seine ganze Familie zu ernähren", schildert Marilou Amann und meint damit nicht etwa nur die eigenen Partner der jungen Leute, sondern deren Eltern und Geschwister. Tatsächlich sind auf den Philippinen die Familienbande so stark, dass Kinder, die einen Schulabschluss geschafft und Arbeit gefunden haben, oft ihre ganze Verwandtschaft mit versorgen. Nicht, weil sie so viel verdienen und sich das locker leisten könnten, sondern weil Teilen bis zum letzten Cent zur christlichen, familiären und traditionellen Grundhaltung der Filipinos zählt. Eine Eigenschaft, ohne die die Armen gar nicht überleben könnten.

Deswegen sind die Kinder, die jungen Menschen der Familien, die noch ein langes Berufsleben vor sich haben, so wichtig. In der Regel tragen sie sogar zur Altersversorgung ihrer Eltern bei, die auch deshalb so große Hoffnung auf einen guten Beruf ihres Nachwuchs' setzen. Allein leisten können es sich die armen Mütter und Väter in der Regel nicht, ihre Kinder über Elementary- und höchstens High-School hinaus auf weiterführende Schulen zu schicken. Sie alle sind kostenpflichtig, was für Tagelöhner und viele Müllsammler in den Slums - sie leben vom Verkauf der Wertstoffe aus dem Abfall von der Hand in den Mund - eine unüberwindliche Hürde darstellt. Hier setzen die Schulpatenschaften an.

Mit dem Hinweis auf die Projekthilfe Dr. Luppa (siehe "Spendenkonto") schließt sich für Marilou Amann der Kreis zum Thema sinnvolle Entwicklungshilfe. Auch Ambergs Entwicklungshilfeverein setzt von jeher auf Hilfe zur Selbsthilfe. Für Marilou Amann persönlich ist es sogar mehr als das: Es ist praktizierte Nächstenliebe und die Liebe zu ihrer alten Heimat, die sie in ihrer neuen Heimat Amberg, wo sie die Chance auf ein besseres Leben bekommen hat, nicht vergessen will. Für die Empfänger der Hilfe am anderen Ende der Welt ist es ein Signal der Hoffnung und Solidarität, das ihnen ihr eigener Staat kaum geben kann. Auch deshalb sind die Philippinen arm - im doppelten Wortsinn. Schuld daran sind sicher nicht die Armen.

Im Engagement von Klaus Conrad (links) und seines Neffen Michael C. Geiss (rechts) sieht Marilou Amann den „Ritterschlag“ für ihre Arbeit.

Das sind einige der armen, aber intelligenten Jungen und Mädchen, die mit den Patenschaften zur Schule geschickt werden und dadurch die Chance erhalten, mit dem Erlernten einen Beruf zu finden, auf eigenen Beinen zu stehen.

In der Regenzeit, wenn Müllsammler im durchnässten und verschlammten Abfall keine Wertstoffe finden, haben sie kein Einkommen, können ihre Kinder kaum ernähren. Da sind die Speisungen, vor allem für die Kleinen, nahezu überlebenswichtig. Trotz ihres Elends lächeln die Kinder.

Hintergrund:

Marilou Amanns Patenkinder stammen allesamt aus ärmsten Verhältnissen, und zwar aus Regionen, die die gebürtige Filipina selbst gut kennt. Wo sie einst gelebt und heute noch gute Beziehungen hat durch Verwandte und Freunde, die ihrerseits wissen, wer wirklich bedürftig ist. Außerdem kann die Ambergerin bei der Auswahl ihrer Patenkinder auch auf eine katholische Ordensgemeinschaft vertrauen, die Katechese und Sozialarbeit in den Elendsvierteln betreibt und von daher direkt an den Ärmsten der Armen dran ist.

Die Leiterin eines Mädchenwohnheims dieser Kongregation ist Marilou Amanns Cousine und garantiert sowohl durch den Anspruch ihres Ordens als auch die verwandtschaftliche Beziehung eine zuverlässige Auswahl der richtigen Kandidaten. Ein Vorteil der Schulpatenschaften der Ambergerin außerdem: Das Geld der Spender geht direkt an die Empfänger. Es wird über keinerlei Kanäle bei Kommunen oder Ämtern geleitet, die für ihren Aufwand Abzüge machen könnten. Das ist laut Amann durchaus ein Problem auf den Philippinen, wo gerade Staatsdiener oder Menschen in Entscheidungspositionen gerne mal die Hand aufhalten für die eigene Tasche.

„Ausgeschlossen bei mir“, sagt die 55-Jährige, die ihre Patenschaftsgelder direkt, ehrenamtlich und ohne eigene Kostenberechnung an den Mann bringt. Der Orden und persönlich verpflichtete Verwandte vor Ort, die das Ideal der Ambergerin von der Hilfe zur Selbsthilfe für die Armen teilen, seien der Garant dafür. (ath)

Spendenkonto:

Gerne würde Marilou Amann, die seit fast drei Jahrzehnten mit ihrem deutschen Mann und ihren drei Kindern in Amberg lebt, vielen weiteren Jugendlichen in Bataan, Zambales, Cavite und Albay helfen – das sind die Provinzen auf der großen Nordinsel Luzon, wo sie Patenschaften unterhält. Wer sie unterstützen will, kann das entweder regelmäßig mit der Übernahme einer Patenschaft zu je 50 Euro im Monat tun oder auch für die Armenspeisungen spenden. Die Abwicklung der Eingänge läuft über Ambergs renommierte Entwicklungshilfeorganisation Projekthilfe Dr. Luppa (Iban: DE05 7525 0000 0190 0200 08, bitte im Verwendungszweck unbedingt „Marilou Amann" sowie "Patenschaft" oder "Einmalspende“ angeben).

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