24.06.2020 - 16:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Bilanz Amberg-Sulzbach: Drei Monate lang komplett auf den Kopf gestellt

Die vorläufige Hochphase der Corona-Pandemie ist vorüber. Deshalb hat Ministerpräsident Markus Söder das Ende des K-Falls ausgerufen. Für Landrat Richard Reisinger ist dies die Zeit, um Bilanz zu ziehen – eine positive.

Sie leiteten den Maschinenraum während der Hochphase der Coronapandemie (von links): Rainer Schmid (Sachbearbeiter Katastrophenschutz), Abteilungsleiterin Laura Hofmann, Landrat Richard Reisinger und Gesundheitsamts-Leiter Dr. Roland Brey.
von Externer BeitragProfil

Donnerstag, 5. März 2020: An diesem Tag begann "eine neue Zeitrechnung" am Landratsamt Amberg-Sulzbach. Der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus wurde im Landkreis bestätigt. Eine Frau hatte sich damals vermutlich beim Skifahren in Südtirol mit dem Virus angesteckt. Ab diesem Tag sollten drei Monate folgen, in denen das Leben für Landrat Richard Reisinger, seine Mitarbeiter und die ganze Bevölkerung nahezu komplett auf den Kopf gestellt wurde.

"Relativ schnell nach der ersten Infektion im Landkreis war klar, dass es zum Teil schmerzliche Einschnitte in unseren Alltag geben wird", erinnert sich der Landkreischef. Erste spürbare Auswirkungen waren die Absagen der Sportlerehrung, die für 13. März geplant gewesen wäre, und des Seniorennachmittags, der planmäßig am 20. März über die Bühne hätte gehen sollen. Als "konsequent und absolut richtig" sieht Reisinger heute mit Abstand seine Entscheidungen. "Das wären Veranstaltungen mit mehreren Hundert Menschen gewesen, zum Teil Risikogruppen, da hätten wir im Landkreis womöglich einen Hotspot hervorgerufen, wenn wir das durchgezogen hätten."

Auch so war der Katastrophenfall eine "echte Bewährungsprobe, die unsere FüGK mit Abteilungsleiterin Laura Hofmann an der Spitze ausgezeichnet gemeistert hat", schickt der Landkreischef sein Lob an die Leiterin, aber auch an die vielen Mitarbeiter, die im Hintergrund äußerst engagiert agiert haben.

Allen voran das Gesundheitsamt, bei dem die Telefone an sieben Tagen in der Woche nicht mehr stillstanden. "Das war alles andere als Routinebetrieb", weiß Reisinger das Wirken von Gesundheitsamts-Leiter Dr. Roland Brey und dessen Team zu schätzen. Um die Arbeit bewältigen zu können, wurde zusätzliches Personal vom Landratsamt abgestellt, später richtete das bayerische Gesundheitsministerium Contact Tracing Teams zur Rückverfolgung von Infektionsketten ein.

Vielen Dank

Auch externe Fachberater von Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz (BRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr oder der Ärztliche Leiter der FüGK, Dr. Marc Bigalke, und Versorgungsarzt Dr. Michael Scherer hätten viele Stunden am Landratsamt verbracht und großen Anteil an der guten Bewältigung dieser Herausforderung gehabt, so Reisinger.

Über 1600 Anrufe

Auch ein Bürgertelefon wurde zeitnah installiert, um Anliegen und Fragen der Menschen zu beantworten. Bis Pfingsten war es in Betrieb, mehr als 1600 Anrufe gingen in diesem Zeitraum ein. Vor allem im Umfeld von Pressekonferenzen der bayerischen Staatsregierung hatte die Bevölkerung das Verlangen, das Bürgertelefon, das zum Teil mit drei Mitarbeitern des Landratsamtes besetzt war, zu kontaktieren. "Da haben die Menschen schon während der Pressekonferenz bei uns angerufen und wollten mehr wissen, obwohl wir selbst keinen Wissensvorsprung gegenüber der Bevölkerung hatten", erinnert sich Reisinger.

"Ich bin stolz auf mein Team und die externen Helfer. Das waren viele kleine Zahnrädchen, die ineinandergegriffen und die große Maschine zum Laufen gebracht haben", so der Landrat. Zahlen belegen dies: Insgesamt waren rund 80 Menschen in der FüGK und am Gesundheitsamt während des Katastrophenfalls beschäftigt, zum Teil rund um die Uhr. Einsatzzeit: weit über 10 000 Stunden. "Meine Mitarbeiter und unsere externen Fachberater haben sich in den vergangenen drei Monaten für unsere Landkreisbevölkerung mächtig ins Zeug gelegt und sind zum Teil bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen", lobte Reisinger dieses Engagement.

Wichtige Krankenhäuser

Hier schließt Reisinger ausdrücklich die Mitarbeiter des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises ein. Wie wichtig kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum sind, habe sich nun in der Krise gezeigt: "Unser St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg und die St.-Johannes-Klinik in Auerbach waren wichtige Mosaiksteine im großen Ganzen."

Soziales Miteinander

Auch die Bevölkerung habe ihren Teil zum Gelingen beigetragen. Im Hintergrund wurden Masken genäht, bildeten sich private Nachbarschaftshilfen oder ähnliches. Da habe sich gezeigt, dass das soziale Miteinander im Landkreis funktioniert, so Reisinger. "Eine humanitäre Gesellschaft lebt vom sozialen Miteinander und beweist ihre innere Qualität in der Fürsorge für die Ärmsten und Schwächsten."

Die Firma Conrad Electronic spendete 10.000 Schutzmasken für Senioren- und Pflegeheime im Landkreis. CEO Werner Conrad übergab vor Ostern 10.000 FFP2- und Mund-Nase-Schutz-Masken an den Landkreischef. Die Masken waren für das Personal in Heimen bestimmt. „Als fest in der Region verwurzeltes Familienunternehmen ist es uns ein besonderes Anliegen, hier vor Ort unseren Beitrag zu leisten, die Krise gemeinsam zu bewältigen. Gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeheimen wachsen in dieser Zeit über sich hinaus und können jede Unterstützung gebrauchen. Ich bin glücklich, dass wir mit dieser Spende zum Schutz von pflegebedürftigen Menschen und der sie betreuenden Personen beitragen können “, betonte Werner Conrad im April bei der Übergabe im Landratsamt.

Eine Amberg-Sulzbacher Coronabilanz von Anfang Juni

Amberg

Die Regierung der Oberpfalz hat das Soforthilfeprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums für Unternehmen abgewickelt. Knapp 35.000 Anträge wurden bis Ende Mai entschieden. Auch bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Amberg-Sulzbach war die Nachfrage nach Unterstützung enorm.

Seit Pfingstsonntag, 31. Mai, gab es im Landkreis nun keine Neuinfektionen mehr. Mit Stand zum 23. Juni haben sich seit Anfang März 496 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 53 Menschen starben am oder mit dem Coronavirus.

Damit sich die Situation trotz der zahlreichen Lockerungen nicht wieder verschlechtert, ruft Landrat Reisinger die Bevölkerung weiter zur Vernunft auf: "Wir haben es selbst in der Hand", so der Landkreischef. Auch nach weiteren Lockerungen seitens der Staatsregierung heiße es in den kommenden Wochen und Monaten Abstand halten, Mund-Nase-Masken tragen und auf Hygiene zu achten, um die Zahl der Infektionen möglichst gering zu halten.

Zweite Welle

Ministerpräsident Söder rechne dennoch nach neuesten Medienberichten mit einer zweiten Welle der Coronapandemie. In diesem Fall würde die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Im Blickpunkt:

Sonderfall Seniorenheim Hirschau

Im Seniorenheim Hirschau erkrankten 111 Bewohner und Mitarbeiter, 21 Bewohner starben am oder mit dem Coronavirus. „Leider haben sich dort die große Ansteckungsfähigkeit des Virus und das hohe Risiko für ältere Menschen mit Vorerkrankungen bestätigt“, erklärt Gesundheitsamt-Leiter Dr. Roland Brey. Um die Situation vor Ort in den Griff zu bekommen, wurde das Heim in zwei Stationen untergliedert, aufgeteilt in infizierte und nicht-infizierte Bewohner sowie Mitarbeiter.

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