06.04.2020 - 17:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach der Corona-Quarantäne: Ohne Husten ist man nicht mehr ansteckend

Werden bei Corona-Infizierten nach der Quarantäne-Zeit keine weiteren Tests gemacht? Ein Leser wundert sich darüber. Eine Nachfrage beim Gesundheitsamt zeigt: Auch viele Tests zeigen nicht, ob jemand andere anstecken kann.

Corona-Test: Eine Laborantin sortiert Proben (Symbolbild).
von Heike Unger Kontakt Profil

Werden bei Corona-Infizierten nach der Quarantäne keine weiteren Tests gemacht? Ein Leser wundert sich darüber. Eine Nachfrage beim Gesundheitsamt ergibt: Auch viele Tests zeigen nicht, ob jemand andere Menschen anstecken kann.

Ein Amberger Leser berichtet der Redaktion von einem Coronafall, "der bereits vor über drei Wochen positiv getestet wurde". Daraufhin seien auch die beiden Söhne des Urlaubs-Rückkehrers, die nicht mit ihm verreist waren, positiv getestet worden. Nach zwei Wochen Quarantäne habe das Gesundheitsamt Amberg mitgeteilt, dass "alle wieder in die Arbeit gehen können", schildert der Leser weiter. "Da jedoch die jeweiligen Arbeitgeber auf Negativtests bestanden, haben sich die Betroffenen nochmals testen lassen. Mit dem Ergebnis, dass immer noch einer der Betroffenen positiv war. Sollte dies so sein, wäre der Virus so eindeutig weiter verbreitet worden, hätte der Arbeitgeber nicht auf den Negativtests bestanden."

Ansteckungsgefahr: Test sagt dazu nichts

"Ein Test sagt nicht aus, wie ansteckungsfähig jemand ist": Das betont Dr. Roland Brey, der Leiter des Gesundheitsamts, bei dem die Redaktion nachgehakt hat. Bei der Entlassung aus der Isolation (Quarantäne) halte sich die Behörde an die Vorgaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): "Kriterien hierfür sind Symptom- und Fieberfreiheit über mindestens 48 Stunden am Ende der behördlich angeordneten Quarantänezeit", erläutert Brey.

Der sogenannte PCR-Test weise nur Erbmaterial des Virus nach. Er könne aber "keine Aussage liefern, ob jemand noch ansteckend/infektiös ist", stellt Brey klar. Ministerium und LGL hätten im Laufe der Zeit von Kontrolltests und dem Nachweis negativer Testungen abgesehen. "Das ist also keine Entscheidung des Gesundheitsamtes gewesen." Aus den Webasto-Fällen (die ersten Corona-Fälle in Deutschland) konnten laut Brey einige Erkenntnisse gewonnen werden: "Unter anderem, was auch bei uns wiederholt festgestellt wurde, dass der PCR-Test anfänglich negativ ausfällt, die Menschen aber infiziert sind und erst später erkranken." Für Brey steht deshalb fest: "Es darf also nicht zu früh getestet werden."

Im Blickpunkt:

Corona: Aktuelle Zahlen vom 6. März

Auch beim Krankenhaus-Personal gibt es Infizierte: Darauf weist das Klinikum St. Marien in einer Pressemitteilung hin. „Aufgrund von Nachfragen möchten wir, wie auch schon vergangene Woche, darauf hinweisen, dass wir leider auch positiv auf Sars-Cov2-Infektion getestete Mitarbeiter haben“, betont Vorstand Manfred Wendl. Zwölf seien es aktuell.

Werden Mitarbeiter positiv getestet, bleiben sie laut Wendel „zu Hause in Quarantäne, bis keine Infektion mehr nachweisbar ist“. Man handle hier nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Vorrangig teste man Mitarbeiter mit Verdacht auf eine Infektion, weil sie Kontakt zu Infizierten/deren Kontaktpersonen hatten oder in Risikobereichen arbeiten.

Aktuelle Zahlen vom Montag

Derzeit werden in St. Marien in Amberg 33 bestätigte Covid-19-Patienten, davon 11 intensivmedizinisch, versorgt. Außerdem gibt es 14 Verdachtsfälle. Im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg sind es aktuell 19 positive Fälle, davon 15 in der Isolierstation und 4 in der Intensivstation. Dazu kommen 10 Verdachtsfälle. Im Vergleich zur vergangenen Woche unverändert geblieben ist die Zahl der 3 infizierten Pflegekräfte in häuslicher Quarantäne: 3 sind es aus den Reihen des St.-Johannes-Krankenhauses in Auerbach, 1 aus St. Anna Sulzbach-Rosenberg. Nach Mitteilung des Gesundheitsamts ist am Samstag in St. Marien ein 80-jähriger Amberger gestorben.

Die zuständigen Stellen bei der Stadt Amberg und im Landratsamt meldeten für Montag (Stand 16 Uhr) folgende Zahlen:

Bestätigte Fälle:

Stadt Amberg: 44 (+2)

Landkreis AS: 181 (+11), davon 32 Genesene

gesamt 225 (+13)

Verstorbene:

Amberg 2 (+1)

Landkreis 3

Nach 14 Tagen geringe Gefahr

Nach etwa zehn Tagen sei die Ansteckungsgefahr so gering, "dass eine Entlassung aus der Isolation nach zirka 14 Tagen vertretbar ist". Eine Quarantäne über einen noch längeren Zeitraum und die Forderung eines negativen Tests "wären nicht verhältnismäßig", betont Brey.

Da die Betroffenen entsprechend informiert würden, könne man schon davon ausgehen, dass sie sich "verantwortungsbewusst verhalten" - und Regeln wie Hygiene und Abstandhalten, die für alle gelten, beachten. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus hänge also nicht damit zusammen, "dass positiv Getestete nach zirka 14 Tagen wieder in den Alltag zurückkehren." Brey stellt klar: "Wenn Sie keinen Husten mehr haben, sind Sie nicht mehr ansteckend", wenn sie weiter Regeln und Abstände einhalten.

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