24.03.2020 - 17:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Tote: Die Krux mit der Statistik

Zwei Corona-Tote in einem Seniorenheim in Kümmersbruck - so ganz stimmt das nicht. Das Landratsamt rudert einen Tag nach der Meldung zurück. An dem Virus sei nur einer gestorben, auch wenn es in der Statistik anders geführt wird. Die Heimleiterin erklärt derweil, was die Situation für Personal, Bewohner und Besucher bedeutet.

Zwei Bewohner des AWO-Seniorenzentrum Antonius in Kümmersbruck sind gestorben. Auch wenn beide in der Statistik als Corona-Tote gezählt werden, starb nur einer ursächlich an dem Virus. Zu den Verstorbenen hatten laut Heimleiterin Andrea Motzel drei Pflegekräfte Kontakt, die derzeit zu Hause sind.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

In der Statistik ändert sich nichts. Dort werden nach wie vor zwei Senioren geführt, die am Coronavirus gestorben sind. Tatsächlich ist es aber so: Einer der Männer starb ursächlich an dem Virus. Beim zweiten Senior gibt es eine andere Todesursache. "Allerdings war der Mann ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert und zählt deshalb zu den Corona-Toten", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Drei Pflegekräfte hatten Kontakt

Die zwei Senioren kamen am 16. März zur Kurzzeitpflege in das AWO-Seniorenheim Antonius in Kümmersbruck. Sie teilten sich ein Zimmer und waren beide nicht mobil. Einer der Männer hat sich vermutlich bei einer externen ambulanten Pflegekraft angesteckt. Die Verantwortlichen der Einrichtung erfuhren am darauffolgenden Tag, dass der betroffene Bewohner mit der Pflegekraft drei Tage vor der Einlieferung Kontakt hatte.

Der Zimmergenosse ist laut der Pressemitteilung nicht wegen des Coronavirus, sondern anderer Beschwerden ins Krankenhaus gebracht worden. Er habe auch keinerlei Symptome gezeigt, die auf Covid-19 hingedeutet hätten. Vor allem Heimleiterin Andrea Motzel war es ein Anliegen, das richtigzustellen. "Der Mann wurde im Vorfeld getestet und galt bis zu seinem Tod als Verdachtsfall. Nun, nach seinem Tod, steht fest, dass der Senior mit dem Coronavirus infiziert war", erklärt Landrat Richard Reisinger. Deshalb werde er als Corona-Toter gezählt - und so habe es das Landratsamt auch kommuniziert.

Zur ersten Meldung über die beiden Corona-Toten in Kümmersbruck

Kümmersbruck

Der Landrat betonte allerdings: "Wir spielen mit offenen Karten. Gerade in Krisenzeiten wie jetzt ist Transparenz wichtig, um Vertrauen bei der Bevölkerung zu schaffen und keinen Raum für Spekulationen oder Fake News zu lassen." Man habe das Seniorenheim weder diffamieren noch deren Ruf schädigen wollen.

Heimleiterin Andrea Motzel erklärte, dass sich nach der Berichterstattung am Montag regelrecht mit Anfragen überrannt worden sei. Sie betont aber: "Es muss sich aktuell niemand Sorgen machen." Weder andere Bewohner noch Pflegekräfte würden derzeit Symptome zeigen. Drei Pflegekräfte, die Kontakt zu den Verstorbenen hatten, sind nach einer Absprache mit dem Gesundheitsamt zu Hause und werden auf das Virus getestet. "Alle anderen Pflegekräfte im AWO-Seniorenzentrum sind fit und arbeiten bereits seit gut einer Woche mit Schutzausrüstung", berichtet Motzel.

Mittlerweile 45 bestätigte Fälle

Derzeit gibt es nach Aussage der Heimleiterin selbstverständlich ein Besuchsverbot. Stationsübergreifende Veranstaltungen fänden aktuell nicht statt. Die rüstigen und mobilen Senioren dürften auch im Garten, der eingezäunt sei und genug Platz biete, spazieren gehen. Der Sozialdienst dürfe aktuell nur Einzelbetreuung übernehmen.

Die Krisenstäbe melden derweil die aktuellen Fallzahlen. In der Stadt gibt es mittlerweile 7 bestätigte (im Landkreis: 38) und 18 Verdachtsfälle (im Landkreis: 48). Im Klinikum werden aktuell 3 Covid-19-Patienten und zehn mit Verdacht auf eine Ansteckung behandelt.

Im Blickpunkt:

Klar, dass die werdenden Papas bei der Geburt ihres Kindes nicht ausgeschlossen sein wollen. Aber geht das noch in Zeiten von Corona? Solche Anfragen häufen sich aktuell im Klinikum St. Marien in Amberg. „Bei der Entbindung im Klinikum dürfen die Väter dabei sein“, betont Vorstand Manfred Wendl. Außerdem erklärte er, dass aktuell viele Helfer Mund- und Nasenschutz für die Mitarbeiter nähen. Dafür spricht er nicht nur einen Dank aus, sondern sagt auch: „Alles, was uns hier erreicht, wird an unsere Mitarbeiter verteilt.“

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