17.09.2020 - 12:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Coronatest im Selbstversuch – Ergebnis schnell überholt

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Der Selbstversuch unseres Redakteurs in der Corona-Teststrecke des Amberger Gesundheitsamts zeigt: Von Chaos und Unregelmäßigkeiten gibt es keine Spur. Dennoch hat das System ein entscheidendes Manko.

Neue Corona-Teststrecke des Gesundheitsamtes.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das schlechte Gefühl ist irgendwie immer dabei. Nach dem ziemlich konsequenten Lockdown des Frühjahrs hat der Sommer konstant mehr Kontakte gebracht. Ein paar Freunde, Kollegen, Termine, die Familie sowieso – das Leben hat beinahe seine normale Umdrehung aufgenommen. Trotz Maske, Abstand und Desinfektionsmittel bleibt die Angst, das heimtückische Virus könnte sich jeden Augenblick ins eigene Immunsystem schleichen. Vielleicht am Wochenende, beim Wandern mit Kollegen? Neulich im Biergarten? Bei uns in der Straße jedenfalls waren schon zwei Leute mit Covid-19 infiziert.

Vielleicht sollte man einfach mal einen Corona-Test machen – das neue Testzentrum am Gesundheitsamt bietet einen solchen ohne großen Aufwand an. Für alle Bürger, kostenlos. Kurz die Infos eingeholt, wie das läuft. Die "Teststrecke", so heißt das tatsächlich offiziell, darf nur nach vorheriger Anmeldung benutzt werden. Diese Anmeldung ist nur online möglich, wie ein Blick auf die Homepage des Landkreises zeigt. Was ist mit den Bürgern, die keinen Computer haben, mit alten Menschen, die nicht online-affin sind? "Sie können ja immer noch einen Test bei ihrem Hausarzt machen lassen", beruhigt Christine Hollederer, die Pressesprecherin des Landkreises. Ebenso schnell und ebenso kostenlos.

Infos zum neuen Testzentrum beim Gesundheitsamt

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Die Corona-Test-Pannen zum Ferienende an bayerischen Autobahnen sind noch zu präsent, mit der reinen Online-Anmeldung soll das Adressen-Kuddelmuddel vermieden werden, das erst zur Pannenserie geführt hat. Also muss online einer der Fünf-Minuten-Zeiträume ausgesucht werden, die das Testzentrum anbietet. Das Meldeformular auf der Seite des Gesundheitsamts ist schnell ausgefüllt, die Bestätigung ausgedruckt. Doch damit ist es nicht getan. Das Gesundheitsamt kooperiert in Sachen Corona mit der Firma Eurofins, eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer in Sachen Labor-Analyse. Also noch eine Anmeldung, zur "Belohnung" ploppt ein QR-Code auf. Er ist unbedingt gemeinsam mit der Anmeldung und einem gültigen Personalausweis zur Testung mitzubringen.

Donnerstag, 13.45 Uhr, Testzeit. Auf dem Parkplatz des Gesundheitsamts an der Adalbert-Stifter-Straße ist die Teststrecke aufgebaut. Eigentlich nur ein Container, ein paar Zelte, Bauzäune. Ein Bundeswehrsoldat – unschwer an seiner Uniform zu erkennen – mit einem Plastikkittel wartet schon mit dem Klemmbrett. Der Name wird abgeglichen und passt, offenbar hat die Online-Anmeldung geklappt. "Gehen Sie bitte zum Container und zeigen den QR-Code und den Ausweis vor", sagt der freundliche junge Mann. Durchs gekippte Fenster des Containers werden die Formalien ausgetauscht, am Ende reicht der Soldat hinter der Scheibe ein Teströhrchen heraus. "Damit gehen Sie bitte um die Ecke."

Dort wartet schon der eigentliche Tester im gelben Ganzkörperschutzanzug. "Das kann jetzt ein bisschen unangenehm werden", sagt er, nimmt das mitgebrachte Röhrchen und fährt mit dem Wattestäbchen darin in den Rachen des Probanden – danach geht es mit dem selben Stäbchen in beide Nasenlöcher. Der befürchtete Brechreiz bleibt ebenso aus wie das vom Kollegen prophezeite Nasenbluten. Schon ist man entlassen mit dem Hinweis, das Ergebnis sei in ungefähr 48 Stunden da. Per Mail, wenn der Test negativ ausfällt, telefonisch von Gesundheitsamt, wenn ein positiver Befund vorliegt.

Auch diese kuriose Geschichte passiert rund um den Corona-Test

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Knapp 24 Stunden später läuft bereits die Email mit dem Ergebnis auf: negativ. Das Labor konnte keinen Covid-19-Erreger feststellen. Das ist beruhigend und widerspricht allen Unkenrufen sowie den Berichten von verschlampten oder falschen Testergebnissen. Doch was ist, wenn man sich in der Zwischenzeit angesteckt hat? Und was ist in der Zukunft? Das ist das Problem aller Corona-Tests. Das Ergebnis ist bereits veraltet, wenn es vorliegt. Höchste Zeit für einen Antikörper-Test. Dann wüsste man wenigstens, ob man schon einmal infiziert war mit Corona. Der Hausarzt hat sicherlich noch einen Termin frei.

Kommentar:

Corona-Regeln sind viel wirksamer

Viel ist in der Vergangenheit geschimpft und geschrieben worden über Schlampereien und Unregelmäßigkeiten bei Corona-Tests. Dass es in der Regel aber ganz anders läuft, zeigt der Selbstversuch. Denn meistens klappt alles reibungslos und schnell. Auch dank eines weit überdurchschnittlichen Engagements der Menschen, die hinter den Kulissen oder an den Tests selbst beteiligt sind.
Was trotzdem bleibt, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit von solchen Reihentests. Denn wenn das Ergebnis nach 24 oder 48 Stunden eintrifft, ist es schon veraltet. Viel sicherer als ein solcher Test ist es wohl, die Corona-Regeln zu befolgen. Vor allem das Abstandhalten hat sich als Maßnahme sehr gut bewährt. Dazu Hände waschen und – wo erforderlich – Maske tragen.

Andreas Ascherl

Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet.
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