14.09.2020 - 17:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Coronavirus als Co-Regisseur bei Bühne Wumms

Die Bühne lebt von Nähe von Interaktion. Nur nicht in der Pandemie. Trotz Corona ein Stück inszenieren - geht das? Winfried Steinl und seine Bühne Wumms, wie sich der Jugendtheaterclub des Stadttheaters jetzt nennt, treten den Beweis an.

Skurrile Szenen wie diese prägen die aktuelle Inszenierung der Bühne Wumms: Eine Frau, die am Flussufer neben ihrem angelnden Mann malt, hätte am liebsten, der Kanufahrer würde kentern und ertrinken. Es wäre ein schönes Motiv, findet die Dame.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Abstandsgebot und Maskenpflicht: Das Coronavirus führt bei der aktuellen Inszenierung der Bühne Wumms neben Winfried Steinl Regie. "Alle setzen sich auf ihre Plätze", sagt Steinl und lässt wenige Tage vor der Aufführung einen kompletten Durchgang proben. Es sind Szenen, die sich aneinanderreihen, eine Collage ergeben. Eine, die es in sich hat.Makaber, wenn eine malende Frau, die neben ihrem am Fluss angelnden Mann steht, sich wünscht, der Kanufahrer auf dem Wasser möge kentern, weil das so ein hübsches Motiv für ihr Bild wäre: "Er soll sterben, ersaufen, das wünsch' ich mir." Alltäglich, wenn sich zwei Menschen in einer Stehcafé-Szene sich unterhalten und doch nichts sagen. Es sind kurze Sequenzen wie diese, die Winfried Steinl mit seiner Bühne Wumms ausgewählt hat. Fündig wurden Regisseur und Darsteller bei den Autoren Fitzgerald Kusz, Gert Heidenreich, Elfriede Jelinek und Eckhard Henscheid. Viel Pantomime ist dabei, Abstand sowieso, denn in keiner Sequenz agieren mehr als vier Akteure miteinander - und zwar quer über die Bühne. Wer nicht spielt, sitzt - mit Abstand zueinander, Maske brav auf Mund und Nase.

2019 wurde Macbeth inszeniert

Amberg

Steinl macht kein Hehl daraus, dass die Inszenierung mit dem Titel "Gewitter" dem Coronavirus geschuldet ist. Seltsam, grotesk, skurril, absurd, voller Überraschungen: So sind die einzelnen Szenen. "Da sind die Zuschauer ganz schön gefordert", sagt Steinl. Andererseits seien sie aber auch frei in ihren Interpretationen. Ein Stück in einer Pandemie zu inszenieren, bezeichnet Steinl als "ganz interessante Geschichte". So sehen es auch die Darsteller der Bühne Wumms: "Es wollten auch alle spielen", so der Regisseur. Gut möglich, dass das Ende manchen Kurzdramas auf der Bühne die Zuschauer auch verblüfft. Zum Beispiel, wie es ausgeht, wenn eine Mutter, deren Sohn glaubt ein Huhn zu sein und ein Ei gelegt hat, einen Psychiater kommen lässt.

Info:

Karten im Vorverkauf

Zwei Aufführungen:

Zweimal steht die Bühne Wumms, wie sich der Jugendtheaterclub des Stadttheaters jetzt nennt, mit seinem neu inszenierten Stück auf der Bühne: Premiere ist am Samstag, 19. September, eine weitere Vorstellung gibt es am Freitag, 25. September. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Keine Abendkasse:

Tickets für die Aufführungen der Bühne Wumms sind nur bei der Touristinfo am Hallplatz (09621/10-1233; E-Mail: tourismus[at]amberg[dot]de) erhältlich. Die Abendkasse im Stadttheater ist bis auf Weiteres nicht besetzt. Die Karten kosten zehn Euro (ermäßigt sechs Euro). (san)

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