21.05.2021 - 15:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Delegiertenversammlung der CSU in Amberg: Bundestagskandidatin steht fest

Die CSU hat entschieden: Für den Wahlkreis 232, der Amberg, Amberg-Sulzbach und Neumarkt umfasst, wird die Neumarkterin Susanne Hierl als Direktkandidatin antreten. Wir haben mit den Kandidaten gesprochen, die sich zur Wahl gestellt haben.

Susanne Hierl aus Neumarkt (Mitte) tritt als Direktkandidatin der CSU für den Wahlkreis Amberg-Sulzbach bei der Bundestagswahl an.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Drei Personen waren am Donnerstagabend ins ACC gekommen, um die Nachfolge des CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Karl anzutreten. Drei Menschen, die jeweils davon überzeugt waren, die Interessen der drei CSU-Kreisverbände Amberg, Amberg-Sulzbach und Neumarkt, die zusammen einen Wahlkreis bei der Bundestagswahl bilden, in Berlin vertreten zu können. Am Ende war das Ergebnis klar: Die 47-jährige Rechtsanwältin Susanne Hierl wird im Wahlkampf den Platz von Karl einnehmen. Auf den Neumarkter Karl folgt damit erneut eine Neumarkterin. Hierl bekam 89 der 160 Delegierten-Stimmen. Ihre Herausforderer: die stellvertretende Direktorin am Amtsgericht Amberg und Kreisvorsitzende der CSU Amberg, Michaela Frauendorfer, und der 23-jährige Ortsvorsitzende der CSU in Hirschau und Referent beim Beauftragten für die Maritime Wirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Florentin Siegert. Auf Frauendorfer entfielen am Ende 15 und auf Siegert 55 der Stimmen. Eine abgegebene Stimme war ungültig.

Neumarkterin für Amberg: Susanne Hierl

Die strahlende Siegerin des Abends, Susanne Hierl, wurde bei der Bekanntgabe des Ergebnisses von ihren Gefühlen überwältigt. "Ich bin schlicht sprachlos" waren ihre Worte, als sie sich zur Gratulation auf die Bühne stellte.

Die Frage, die sich viele Amberger und Amberg-Sulzbacher stellen dürften, ist, wie jemand aus Neumarkt die Stadt Amberg und den Landkreis in Berlin vertreten soll. Bei ihrer Bewerbungsrede sprach Hierl nur über ihren Bekanntheitsgrad in Neumarkt. Ihr zufolge möchte sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, um an die Stadt- und Landkreisbewohner heranzukommen, sagt aber gleichzeitig, dass die Pandemie den Wahlkampf schwieriger gestaltet. "Ich habe gerade noch nicht den Plan, was genau ich machen werde", sagt sie. Sie wolle zunächst an die Ortsverbände und Mandatsträger herantreten. "Die haben eigentlich immer ganz gute Ideen, wie man mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen kann." Anders als bei der letzten Bundestagswahl müssen diesmal viele Veranstaltungen, die sonst in Präsenz stattfinden würden, online stattfinden. Hierl hat ihre Zweifel, ob das ein gleichwertiger Ersatz sein kann. "Das ist ein zweischneidiges Schwert", so Hierl. "Das ist leider die einzige Möglichkeit, mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das nimmt aber schon viel vom Persönlichen. Die Digitalisierung ist nicht unbedingt das Richtige, um an ältere Bürger heranzukommen." Sie glaubt daher, dass der Wahlkampf zum Bundestag ein "Revival des guten alten Plakats" haben wird.

Ein Argument, das für Hierls Bekanntheit in Amberg sprechen könnte: Wer sich ihr Profil auf Facebook anschaut, merkt, dass sie zahlreiche Freunde aus dem Landkreis und der Stadt hat. Einer davon ist Oberbürgermeister Michael Cerny. Wie es dazu kam und wer wem die Freundschaftsanfrage geschickt hat, weiß Hierl nicht mehr. Sie sagt: "Ich bin ja im Bezirksvorstand und fast schon seit 14 Jahren dabei."

Trotz Enttäuschung weitermachen: Michaela Frauendorfer

Das Ergebnis von nur 15 Stimmen hat Michaela Frauendorfer sichtlich erschüttert. Die Ambergerin sagt: "Das ist enttäuschend, damit habe ich nicht gerechnet, alles andere wäre gelogen." Warum das Ergebnis am Ende nur 15 Stimmen für sie bedeutete, kann sie sich nicht erklären. Frauendorfer: "Es waren drei gute Kandidaten. Die Delegierten hatten es sicherlich nicht einfach, zu wählen." Die Flinte ins Korn schmeißen kommt für die Richterin aber auf keinen Fall infrage. "Ich werde mich auf jeden Fall auf die Liste bewerben. Noch ist nicht aller Tage Abend", sagt sie.

Spätestens seit dem Neumarkter Alois Karl, der seit knapp 16 Jahren für den Wahlkreis im Bundestag sitzt, haben es die Amberger und Amberg-Sulzbacher CSUler schwer, einen ihrer Kandidaten nach Berlin zu bringen. Können nur vereinte Kräfte daran etwas ändern? Frauendorfer findet die Idee zumindest nicht abwegig. "Man könnte sich für die Zukunft überlegen, ob man das davor mit einer Wahl für Amberg und Amberg-Sulzbach zusammen macht. Wir müssen uns aber immer überlegen, was der beste Weg ist", sagt sie.

Gestärkt in die Zukunft: Florentin Siegert

Das Kandidaten-Küken, Florentin Siegert, freut das Ergebnis zwar, es ist aber nicht das, was er erreichen wollte. Siegert: "Ich bin angetreten, um der Direktkandidat zu werden. Da ist natürlich eine gewisse Enttäuschung da." Er sei aber schlichtweg überwältigt von den "positiven Zusprüchen", die er bekommen habe. "Ich kann damit gestärkt rausgehen und positiv in die Zukunft blicken", sagt er. Was genau er anstrebt, möchte Siegert noch nicht verraten. Ob Bürgermeister, Landrat oder einmal Bundestagsabgeordneter, lässt er offen. "Ich mache Politik, um zu gestalten. Es werden sicherlich noch Chancen kommen, um noch einmal zu kandidieren."

Weil die 160 Delegierten nur unter Coronabedingungen im ACC zusammenkommen konnten, mussten einige wenige in einem separaten Raum die Versammlung per Livestream mitverfolgen. Von ihnen wollte keiner mit unserer Redaktion sprechen. Dass ihre Lage aber außergewöhnlich war, dürfte außer Frage stehen.

Lesen Sie hier den Vorbericht zur Delegiertenversammlung der CSU im Amberger ACC

Amberg
Kommentar:

Als 23-Jähriger da hinstellen: Respekt!

Ungeachtet dessen, welche Parteien man mag oder nicht. Was der 23-jährige Hirschauer Kandidat Florentin Siegert am Donnerstag im ACC abgeliefert hat, war beeindruckend. Da stellt sich dieser junge Typ auf die Bühne und spricht als einziger der Bewerber völlig frei, ohne Stichwort-Karten in der Hand, die ihm helfen könnten, wenn er mal den Faden verliert. Sein politisches Profil hat er klar gemacht: Sicherheitspolitik und Internationale Beziehungen. Kein Verhaspler, kein Ringen mit den Worten, obwohl man ihm angesehen hat, dass er verständlicher Weise nervös war.

Für die Direktstimme für die Bundestagswahl hat es am Ende nicht gereicht. Aber für einen Typ, bei dem zwischen Schulzeit und heute weniger Jahre liegen, als gefühlt die meisten Bundestagsabgeordneten von der Pension entfernt sind, sind 55 von 160 Delegiertenstimmen mehr als ein respektables Ergebnis. Ich habe die Hoffnung, dass uns der Fall Siegert zeigt, dass die Politik reif ist für junge Menschen, die aus Leidenschaft etwas bewegen wollen, unabhängig davon, bei welcher Partei sie sind.

Wolfgang Ruppert

Info:

Zitate der drei Kandidaten

  • Der Hirschauer Florentin Siegert sagte Folgendes:
    „Es hat sich eine gewisse Unzufriedenheit der Menschen gegenüber der großen Politik breit gemacht. [...] Es wird eine Schicksalswahl im September. Es geht nicht darum, wie hoch wir gewinnen, sondern darum, ob wir gewinnen.“
  • Weiterhin sagte Siegert: "Wir müssen näher am Menschen sein. Wir müssen ihnen klar machen, dass wir gemeinsam mit ihnen Zukunft gestalten wollen. [...] Diese Lust auf Zukunft müssen wir glaubwürdig vertreten.“
  • Die Ambergerin Michaela Frauendorfer äußerte sich so:
    „Natürlich sind Klima und Umwelt wichtig. Wichtig ist aber auch, dass wir als Industrienation den eigenen Ast nicht absägen. Ökonomie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen.“
  • Frauendorfer außerdem: „Lösungsorientiertes Handeln und nicht bürokratisches Handeln, das ist der richtige Weg zum Ziel.“
  • Die gewählte Direktkandidatin Susanne Hierl sagte: „Es geht heute Abend nicht um das Direktmandat, sondern auch um die Frage, wie Sie sich die zukünftige Arbeit im Bundeswahlkreis vorstellen. Nur zusammen sind wir stark.“
  • Ebenfalls Hierl: „Der bevorstehende Wahlkampf wird sehr kurz werden, inhaltlich kompliziert und aufgrund von Corona sehr herausfordernd.“

 

 

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