30.06.2020 - 15:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Delphine Labails gewählt: Périgueux hat erstmals eine Bürgermeisterin

Viele Franzosen haben bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen grün gewählt. In Ambergs Partnerstadt Périgueux hingegen löst mit Delphine Labails eine Sozialistin den konservativen Amtsinhaber Antoine Audi (Les Républicains) ab.

Eine strahlende Siegerin am Sonntagabend nach der Stichwahl: Mit Delphine Labails bekommt Ambergs Partnerstadt zum ersten Mal eine Bürgermeisterin. Die 45-jährige Sozialistin, die die vergangenen sechs Jahre Oppositionsführerin im Stadtrat war, schlug Amtsinhaber Antoine Audi (rechts).
von Kristina Sandig Kontakt Profil
Info:

Covid-19 verschiebt Stichwahl

Die erste Runde der Kommunalwahl in Frankreich hatte am 15. März stattgefunden – und damit genau an jenem Tag, an dem auch die Bayern aufgerufen waren, ihre Kommunalpolitiker zu wählen. In Périgueux waren acht Bewerber um den Chefsessel im Rathaus angetreten. Von rechtskonservativ über grün und ökologisch bis hin zu den Sozialisten: Die Kandidaten vertraten das komplette politische Spektrum Frankreichs. Lediglich der rechtspopulistische Front National, der sich in Rassemblement National (Nationale Vereinigung) umbenannt hat, war in Ambergs Partnerstadt nicht zur Kommunalwahl angetreten. Die jetzt gewählte neue Bürgermeisterin Delphine Labails hatte in der ersten Runde mit 1305 Stimmen (17,37 Prozent) Platz zwei hinter Amtsinhaber Antonie Audi (1439 Stimmen/19,15 Prozent) erreicht. Die Stichwahl in fast 5000 französischen Kommunen war ursprünglich für Ende März geplant gewesen, dann aber wegen der Covid-19-Pandemie auf Ende Juni verschoben worden.

Mit Delphine Labails haben die Bürger in Ambergs Partnerstadt Périgueux bei der Stichwahl am Sonntag erstmals eine Frau an die Spitze ihrer Stadt gewählt. Sie kam auf 40,55 Prozent (3170 Stimmen) und löst damit den rechtskonservativen Amtsinhaber Antonie Audi ab. Der Politiker von "Les Républicains", der seit 2014 Bürgermeister war, hatte lediglich 30,46 Prozent (2381 Stimmen) erreicht. Der von Staatspräsident Emmanuel Macrons liberaler Partei "La République en Marche" (LReM/"Die Republik in Bewegung“) unterstützte Kandidat Patrick Palem landete mit 28,97 Prozent (2265 Stimmen) auf Platz drei.

Delphine Labails ist in Périgueux politisch keine Unbekannte. Sie war unter dem damaligen sozialistischen Bürgermeister Michel Moyrand (2008 bis 2014) erste beigeordnete Bürgermeisterin. Die 45-Jährige, die zwei Kinder im Alter von 16 und 13 Jahren hat, betonte nach dem Ausgang der Stichwahl am Sonntag in einem ersten Statement gegenüber der lokalen Presse, dass sie über ihren eindeutigen Sieg "sehr entzückt" sei und sich auf ihr Amt freue. Hervé Chassain, Redakteur der in Périgueux ansässigen Tageszeitung Sud Ouest und damit ein profunder Kenner der Lokalpolitik, ist nicht zu sehr überrascht, dass es Delphine Labails geschafft hat. Einerseits seien es zwar drei Kandidaten gewesen, andererseits bringe die neue Bürgermeisterin sehr viel politische Erfahrung mit. Unter Michel Moyrand war die 45-Jährige erste beigeordnete Bürgermeisterin und nach dessen Abwahl dann sechs Jahre lang Oppositionsführerin im Stadtrat von Périgueux, berichtet Chassain. Den Bürgern seiner Stadt attestiert der Journalist, dass sie Lust auf einen politischen Wechsel hatten. Offiziell in ihr Amt eingeführt wird Labails am Donnerstag, 3. Juli.

Périgueux, im Südwesten Frankreichs in der Nähe von Bordeaux gelegen, hat knapp 30000 Einwohner. Wahlberechtigt am Sonntag waren 17983 Bürger, doch lediglich 44,91 Prozent hatten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. "Die Nichtwähler sind inzwischen die größte Partei in Frankreich geworden", bedauert Catherine Gorse, Präsidentin der Amis d'Amberg (Freunde von Amberg) in Périgueux. Landesweit waren 59 Prozent der Wahlberechtigten am Sonntag nicht zur Abstimmung gegangen, in Ambergs Partnerstadt waren es 55,09 Prozent. Bei der letzten Präsidentschaftswahl hatte sich die Zahl der Nichtwähler auf 56,87 Prozent im ganzen Land summiert.

Grund zur Freude hat Thierry Cipierre: Der bisherige beigeordnete Bürgermeister von Périgueux, der unter anderem für die Städtepartnerschaft mit Amberg zuständig war und ebenso wie seine Frau Patricia sehr herzliche Kontakte in die Oberpfalz pflegt, ist seit Sonntag neuer Bürgermeister der 8625 Einwohner von Coulounieix-Chamiers. Die Stadt liegt drei Kilometer von Ambergs Partnerstadt entfernt und gehört wie 42 andere Kommunen zum Umland Grand Périgueux. Thierry Cipierre, Apotheker von Chamiers und Kandidat der Liste "En Avant Coulounieix-Chamiers" hatte 57,91 Prozent der Stimmen eingefahren. Was durchaus ein veritabler Erfolg ist, denn mit Cipierre holte sich ein Vertreter der politischen Mitte eine Stadt, die über 50 Jahre fest in der Hand der französischen Linken war.

Nach der Wahl kam in Frankreich die Ausgangssperre

Amberg
Stimmabgabe in Zeiten von Corona: Mit Abstand in die Wahlkabine. In Frankreich fanden am Sonntag die Stichwahlen in knapp 5000 Kommunen statt, so auch in Ambergs Partnerstadt Périgueux.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.