20.01.2021 - 14:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn der Denkmalschutz in Amberg zum Verhinderer wird

Der Denkmalschutz hat einen hohen Stellenwert in Bayern. Das ist gut so. Aber was ist, wenn Detailvorgaben der Behörde Projekte privater Bauherren nahezu unmöglich machen und potenzielle Investoren verzweifeln lassen?

Egal ob innerhalb des Altstadt-Eis oder an seinem Rand, wie hier am Kaiser-Wilhelm-Ring mit den toll sanierten Jugendstil-Villen: Privatbesitzer und Geschäftsleute tun viel für den Denkmalschutz.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Amberg ist mächtig stolz auf seine Altstadt: Außer den bekannten Sehenswürdigkeiten, die von der öffentlichen Hand in Schuss gebracht und gepflegt werden, gibt es auch viele hübsch sanierte Häuser neben diesen "Klassikern" abseits der üblichen Touristen- und Besucherpfade, die den Ruf als liebens- und lebenswerte Stadt mittelalterlichen Ursprungs prägen. Dabei sind es oft engagierte Geschäftsleute und Privatmänner, die einen wertvollen Beitrag zu diesem Gesamtbild leisten. Indem sie (viel) eigenes Geld in die Hand nehmen und aus alten Gemäuern oder einstigen Schandflecken neue Schmuckstücke zaubern.

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Amberg

Bürger mit Geld und Heimat-Herz

Solche, die den Charme Ambergs ausmachen und zeigen, dass hier Bürger am Werk sind, die neben Nutzungsinteressen ein Herz für ihre Stadt und deren Schönheit haben - ja, genau diese beiden Seiten mit ihrem Einsatz zur Geltung bringen wollen. Sehr lobenswert, denkt jeder, der sich daran freut. Doch eine wahre Freude, dieser Passion nachzugehen, ist es mitunter in Amberg nicht. Das sagen etliche Betroffene glasklar und unisono. Für einige von ihnen ist mittlerweile ein Maß erreicht, dass sie Hilfe brauchen und um Hilfe rufen.

Auflagen ja, aber kein Hemmnis

Sie tun das nicht lauthals und sie klagen auch nicht im Detail über ihre Erfahrungen in aller Öffentlichkeit. Denn zu groß ist die nachvollziehbare Angst, durch breitgestreute Kritik nur noch mehr Probleme mit den dann eingeschnappten Behörden zu ernten. Wobei es den Betroffenen nicht darum geht, Auflagen auszuhebeln oder dem Denkmalschutz generell am Zeug zu flicken. Nein. Die Mehrzahl der Altstadt- und Sanierungsfans kennt die Ansprüche längst und handelt sowieso nicht ohne Einbeziehung der Fachbehörde mit ihren Vertretern vor Ort, in Regensburg oder in München beim Landesamt.

Was sich in ihren Augen jedoch in letzter Zeit immer mehr abzeichnet, seien Hürden, die nicht nur immer größer, sondern offenbar bewusst oder zumindest ohne Gefühl aufgebaut würden. Mit dem Effekt, dass sich Bauherren nicht nur ärgern, sondern dass sie den Eindruck bekommen, als wolle man ihre Initiative bremsen, ihnen den Mut rauben. Einige sprechen sogar schon von "Verhinderungstaktik" und fragen sich, was das soll. Zumindest ist ein Kreis von aktuell Betroffenen oder schon länger unter diesem Eindruck leidenden Investoren - keineswegs von außen, sondern alles lokal angesiedelte Bürger und "Amberg-Enthusiasten" - nun nicht mehr bereit, nur zuzuschauen. Sie suchen wie gesagt Hilfe und gehen dafür im Sinne der Sache einen diplomatischen, aber konsequenten Weg.

Ein Verbund von sieben Leuten hat sich mit dem beschriebenen Problem an die Amberger Gewerbebau als erste Anlaufstelle gewandt. Einfach, um mit der Stadt- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die selbst genug Bau- und Sanierungserfahrung hat, einen Ansprechpartner zu gewinnen, bei dem man das Thema mal platzieren, diskutieren und an weitere Stellen bringen kann. Geschäftsführer Karlheinz Brandelik macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und bestätigt, dass es diese Unterredung vor einiger Zeit gegeben hat.

"Bestimmt keine Nörgler"

Sie fand hinter verschlossenen Türen statt, aber auf Nachfrage sagt der Gewerbebau-Chef, dass hier "bestimmt keine Nörgler" bei ihm waren, sondern ernstzunehmende Leute, die über eine ernstzunehmende Situation reden wollten: "Über vielschichtige Probleme mit dem Denkmalschutz", wie Brandelik es umreißt. Jene sind projektbezogen teils unterschiedlich, münden aber in den geschilderten Gesamteindruck.

Darüber verriet Brandelik zum frühen Stadium des Gesprächs und mit Rücksicht auf dessen Vertraulichkeit noch nicht so viel wie ein Teilnehmer, der die eingangs zitierte Frage in den Mittelpunkt rückt: Eigentlich müssten er und seine Mitstreiter ihr Engagement einstellen, weil ihnen derartige Steine in den Weg gelegt würden, dass sie selbst bei viel Verständnis für den Denkmalschutz schlichtweg die Lust am Weitermachen verlören. Ganz zu schweigen von den oft explodierenden Kosten, die weder den Einsatz noch die geplante Nutzung mehr rentabel erscheinen ließen.

Gewerbebau und OB reden mit

Karlheinz Brandelik findet es wichtig, dass die geschilderte Situation "aufgedröselt und an einer Lösung gearbeitet wird". Er sieht nach dem ersten Austausch "Handlungsbedarf" und hat dazu auch Oberbürgermeister Michael Cerny eingeschaltet, um in der "sensiblen Geschichte" voranzukommen. Denn Amberg dürfe nicht das Signal nach außen senden, dass hier in Sachen Bauauflagen und Denkmalschutz vieles schwer bis kaum umsetzbar sei. "Wir machen es möglich", müsse im Gegenteil die Botschaft lauten.

Investoren vergraulen wäre falsch

Dass private Bauherren für oft mehr als wünschenswerte Sanierungsprojekte und "Investoren vergrault werden", sei das falsche Zeichen. Um es zu vermeiden, habe man sich mit den sieben Leuten und ihren Fällen, aber auch generell "auf den Weg gemacht". Wenn konkrete Ergebnisse und erste Lösungsansätze vorliegen, wird die AZ wieder detailliert(er) berichten.

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