19.04.2020 - 12:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Diebe sitzen vor Richterin: Alles ein dummer Fehler

Von Belgien aus sind drei Männer in Richtung Tschechien unterwegs. Sie biegen bei Amberg von der A6, knacken einen Transporter, machen Beute und werden nahe Wernberg-Köblitz festgenommen. "Tut uns sehr leid", sagen sie auf der Anklagebank.

Symboldbild.
von Autor HWOProfil

Im Auto lag schon einiges, was wohl aus Diebstählen stammte. "Vieles vom Flohmarkt und Schmuck von Verwandten", hörte nun die Schöffengerichtsvorsitzende Kathrin Rieger. Am 15. Oktober vergangenen Jahres um genau 0.45 Uhr fuhren die beiden Rumänen und ihr aus Montenegro stammender Komplize von der Autobahn 6 ab und waren Minuten später in Ursensollen.

Diebesbande in U-Haft

Amberg

Dann ging alles sehr rasch: Das Trio brach den Transporter einer Landschaftsgärtnerei auf und bediente sich mit Werkzeugen im Wert von nahezu 5000 Euro. Die Beute wurde ins eigene Fahrzeug bugsiert - und ab ging es in Richtung Osten. Doch eine Anwohnerin hatte Geräusche gehört und die Polizei informiert. Ab dann begann eine Großfahndung auf der A6.

Die Handschellen klickten

Nahe Wernberg-Köblitz war die Tour zu Ende. Bei den Rumänen und dem Mann aus Montenegro klickten die Handschellen. Die Firma aus Ursensollen bekam ihre Werkzeuge zurück, doch was sich sonst alles noch in dem Fahrzeug befand, konnte von der Polizei nicht mehr zugeordnet werden.

Werkzeuge, eine Kaffeemaschine, Schmuck. Das sei teilweise nach Deutschland mitgebracht und partiell auch auf belgischen Flohmärkten erworben worden, hörte die Richterin. Das Gegenteil ließ sich nicht beweisen.

Die beiden rumänischen Staatsbürger, Väter von insgesamt sieben Kindern und aus bitterarmer Gegend stammend, kamen ebenso in U-Haft wie der Montenegriner. Von ihm wusste man: Er hatte 2017 in Norddeutschland einen Wohnungseinbruch begangen und ein Jahr Haft zur Bewährung erhalten. Interessant war seine Erklärung dafür: Flucht vor organisierten Kriminellen und bewusst eingebrochen, um zur eigenen Sicherheit weggesperrt zu werden. Doch damals kam er auf freien Fuß. Nach der Straftat in Ursensollen schlossen sich auch für ihn die Gefängnistore.

Corona und die Justiz

Um auch in Zeiten von Corona Fristen zu wahren, musste der Prozess unbedingt sein. Denn die geständigen Diebe saßen bereits ein halbes Jahr hinter Gittern. Konnten sie jetzt darauf hoffen, in ihre osteuropäische Heimat zurückkehren zu können? Zwei von ihnen hatten bei der Vorführung durch Polizeibeamte bereits ihr Reisegepäck dabei und brauchten nach dem Urteil nicht länger Fußfesseln zu tragen. Die beiden Rumänen, 42 und 30 Jahre alt, konnten ihrer Wege gehen. Einer bekam zehn, der andere vierzehn Monate mit Bewährung. Das war im Sinn ihrer Verteidiger Ekkehard Zink (Amberg) und Manuel Lüdtke (München).

Düster sah es für den Mann aus Montenegro aus. "Geben Sie ihm noch eine Chance", hatte seine Anwältin Selina Riemer gebeten. Doch da führte kein Weg hin. Der 30-Jährige, mit Zweitwohnsitz in Deutschland, muss 16 Monate absitzen und dann wohl auch noch das Jahr für den Einbruch in Norddeutschland.

Zurück in Heimat:

Was ist besser? In Zeiten von Corona hinter Gefängnismauern zu bleiben oder hinausgeschickt zu werden in eine Freiheit, die längst nicht mehr grenzenlos ist? Zwei Rumänen, als Diebe überführt und zu Bewährungsstrafen verurteilt, konnten nach dem Urteil gehen. Die Heimreise stand ihnen bevor. Unter diesen Vorzeichen: Österreich zu, Ungarn ebenfalls. Welche Papiere brauchten sie, um deutlich zu machen, dass da Männer aus der U-Haft kamen und heim zu Ehefrauen und insgesamt sieben Kindern wollten?

Auf den Fluren des Amtsgerichts wurde das länger diskutiert. Doch wie die lange Tour wirklich ausging, wird man wohl nie erfahren. Nur eines war gewiss: Dort, wo sie hin wollten, grassiert die Pandemie ebenfalls. (hwo)

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