03.11.2020 - 11:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Donum Vitae Amberg berät trotz Corona

Schwangerschaftsberatung geht – trotz Corona. Das zeigt das Team von Donum Vitae Amberg. Ob mit Abstand und Maske oder per Video und Telefon: Wer Hilfe sucht, bekommt sie. Doch die Verantwortlichen der Beratungsstelle plagen auch Sorgen.

Das Team von Donum Vitae in Amberg und den Zweigstellen in Schwandorf und Sulzbach-Rosenberg (von rechts): Ute Schieder (Leitung), Jadranka Umek (Schwandorf), Stephanie Bogner und Julia Wiesend (Amberg) sowie Cornelia Rubenbauer-Pickel (Sulzbach-Rosenberg).
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Es müssen nicht die ganz großen Krisen sein, um bei Donum Vitae Hilfe zu erfahren. „Man kann auch mit kleinen Problemen zu uns kommen“, erklärt Ute Schieder. „Jedes Thema ist bei uns willkommen.“ Schieder leitet die Beratungsstelle in Amberg mit den Außenstellen in Schwandorf und Sulzbach-Rosenberg. Egal ob es um unerfüllten Kinderwunsch geht, um Schwangerschaftsabbrüche, Fehlgeburten, Partnerschaftsprobleme, vertrauliche Geburten oder pränatale Untersuchungen: Die Beraterinnen von Donum Vitae sind für schwangere Frauen und werdende Väter da.

Hilfe auch nach Schwangerschaft

Unterstützung gibt es aber nicht nur während der Schwangerschaft, Donum Vitae bleibt Ansprechpartner bis das Kind drei Jahre alt ist. „Wir beraten kostenfrei zu allen Facetten der Schwangerschaft und danach“, erklärt Schieder. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Nöte, sondern auch um Perspektivlosigkeit, Angst, Unsicherheit. „Eine Schwangerschaft wirft immer Fragen auf. Nichts verläuft so, wie man es plant“, sagt Schieder. „Viele sind überrascht, was wir alles machen.“

Als anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen informiert Donum Vitae über gesetzliche Ansprüche und Leistungen, wie Mutterschutz und Elterngeld, über soziale und finanzielle Hilfen sowie Hilfsangebote vor Ort, wie Hebammen oder Familienpaten. Außerdem könne die Beratungsstelle auch konkrete finanzielle Leistungen der „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“ vermitteln. Das sei vielen Ratsuchenden gar nicht bewusst, weiß Schieder. Dabei gehe es zum Beispiel um die Anschaffung von Kinderwagen oder Kleidung. Hier werde jeder Einzelfall geprüft.

In diesem Jahr gäbe es jedoch weniger Gesuche, erzählt Schieder. "Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass es wegen der Coronakrise mehr werden." Doch die Stiftungsgelder würden bayernweit nicht abgerufen. "Ich glaube, dass durch Corona die Laufkundschaft und Vernetzung, zum Beispiel auch über das Jobcenter, fehlt. Die Leute erfahren nicht von uns", sagt die Sozialpädagogin und sorgt sich, dass die Hilfen deshalb nicht ankommen. Problematisch sei auch, dass das Budget der Beratungsstelle jedes Jahr angepasst werde. "Wenn wir heuer weniger abrufen, bekommen wir nächstes Jahr auch weniger zur Verfügung gestellt."

Die Leute sollen wissen, wo sie Hilfe finden können. Wir bleiben offen.

Ute Schieder

Ute Schieder

"Die Leute sollen wissen, wo sie Hilfe finden können. Wir bleiben offen.“ Das ist Ute Schieder wichtig zu betonen. Denn die Pandemie habe viele Sorgen verschärft. Klienten fehle der Kontakt zum Jobcenter, hinzu komme Kurzarbeit, Kinderbetreuung daheim und der eingeschränkte Zugang zum Krankenhaus für Angehörige bei Geburten oder Abbrüchen: „Das sind Nöte, die kann sich kaum einer vorstellen.“

Auch wenn die Sozialpädagoginnen von Donum Vitae die persönliche Beratung als gewinnbringender und direkter empfinden, sind sie in Corona-Zeiten froh über die Möglichkeit einer Betreuung per Telefon und Video. „Hauptsache wir können da sein, wenn wir gebraucht werden.“ Dafür stellen sie sich den technischen Herausforderungen und dem größeren Beratungsaufwand. „Trotz teils fehlendem Fachwissen im digitalen Bereich, wurde das schnell umgesetzt“, erzählt Schieder.

Schwierig sei vor allem, Anträge per Video mit den Hilfesuchenden auszufüllen, und an die nötigen Unterschriften zu kommen – nicht nur wenn die Internetverbindung mal wieder abbricht. Zudem müssen sich die Mitarbeiterinnen ständig über Datenschutz und Corona-bedingte Gesetzesfolgen informieren und das vereinfacht an die Familien herantragen. Auch die Hemmschwelle bei der Beratung sei per Telefon oder Video größer als im persönlichen Gespräch. „Es fehlt einfach eine Ebene. Körperhaltung, Blickkontakt. Im Video geht viel verloren“, schildert Schieder. „Der Vertrauensaufbau ist schwieriger.“

Doch das habe auch die Kreativität gefördert, so haben die Beraterinnen auch mal einen Spaziergang angeboten oder ein Gespräch über den Balkon. Schieder: „Die Leute sollen einfach merken: Sie sind nicht allein.“ Auch die Kinderwunschgruppen, die jedes Mal in Windeseile ausgebucht seien, gebe es weiterhin. Ebenso die Beisetzung von Sternenkindern.

Spendenrückgang wird zum Problem

Finanzielle Sorgen plagen nicht nur viele Ratsuchenden, sondern auch die Verantwortlichen von Donum Vitae. „Wir haben mit einem starken Spendenrückgang zu kämpfen“, erklärt die Amberger Leiterin. "Wir mussten alle Benefiz-Veranstaltungen absagen. Und wenn es Firmen schlecht geht, geht natürlich auch deren Spendenbereitschaft zurück." Das Defizit sei nur schwer auszugleichen.

Die Beratungsstelle wird laut Schieder zu 95 Prozent von der Regierung finanziert, muss aber, um das Angebot aufrechterhalten zu können, jährlich einen Eigenanteil von rund 20.000 Euro aufbringen.

Wer die Beratungsstelle unterstützen will, kann sich im Förderverein engagieren, Mitglied werden oder spenden (IBAN DE32 7525 0000 0200 2052 01 BIC BYLADEM1ABG, Sparkasse Amberg-Sulzbach).

Mehr zur Arbeit von Donum Vitae Amberg

Amberg
Info und Kontakt:

Derzeit sind nach telefonischer Terminvereinbarung persönliche Beratungen vor Ort möglich. Die Beratungsstellen sind wie folgt zu erreichen:

  • Amberg, Schenklstraße 4, Telefon: 09621/973966
  • Schwandorf, Breite Straße 12, 09431/41844
  • Sulzbach-Rosenberg, Hauptstraße 51, 09661/7359

Beim Gespräch selbst sind die Hygienevorschriften einzuhalten: Mund-Nase-Schutz ist zu tragen, es gibt Plexiglaswände und Desinfektionsmittel zur Handreinigung stehen bereit. Die Klientinnen werden außerdem gebeten, möglichst alleine, ohne Begleitung zum Gespräch zu kommen.

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