30.01.2020 - 09:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Einst europaweit begehrt

Im 16. Jahrhundert zeichnet sich bereits der Untergang des Eisenerzabbaus ab. Ein Grund ist das Verbot neuer Techniken. Dazu kommen Differenzen zwischen der Stadt Amberg und dem Landesherrn.

Das Mundloch des Theresienstollens in Amberg, einst mittelalterlicher Erbstollen, auf einer Fotografie aus den 1920er Jahren.

Im frühen Mittelalter schien meist nur das erwähnenswert, was die hohen Herren berührte. So wird der Amberger Eisenerzbergbau, obwohl sicher viel älter, erst 1285 erwähnt. Einhundert Jahre später, vor allem mit Gründung der Großen Hammereinung 1387, folgte die Hoch-Zeit. Oberpfälzer Eisen, später auch Amberger Blech, war europaweit begehrt. Der Bau der Stadtbefestigung, beginnend 1326, veranlasste Ludwig den Bayern, die Amberger von ihren Abgaben, also auch denen auf das Erz, auf zehn Jahre zu befreien. Dieses Privileg galt jedoch während der nächsten 300 Jahre pfälzischer Herrschaft.

Im 16. Jahrhundert, dem Jahrhundert aktivster Bergbautätigkeit, zeichnete sich aber auch bereits der Niedergang ab. In den Statuten der Hammereinung, die einen erheblichen Teil zum Wohlstand und Reichtum beitrug, war unter anderem festgehalten worden, dass kein Hammerherr eine neue Technik einführen darf, da dies zu einer Verzerrung des Wettbewerbs geführt hätte.

Überholte Rennöfen

Doch während bei uns in jahrhundertealter Tradition das Eisen immer noch im Rennofen "erschmolzen" wurde und in Form eines schmiedbaren Klumpens, der Luppe, zur Weiterverarbeitung kam, hatte man in der Steiermark und im Siegerland bereits Öfen, in denen höhere Temperaturen erzielt und damit flüssiges Eisen gewonnen werden konnte. Diesen Vorteil zu nutzen, verbot die Hammereinung. Hinzu kamen Differenzen zwischen der Stadt, der der Erzbergbau unterstand, und dem Landesherrn, als Interessenvertreter (und Nutznießer) der Hammerwerke, was letztlich zu Lieferengpässen führte.

Gegenreformation

Die Oberpfälzer waren Anhänger Martin Luthers und sollten im Zuge der 1621 beginnenden Gegenreformation zum katholischen Glauben übertreten. Während sich die Mehrheit der Bevölkerung mit dem von Kurfürst Maximilian I. 1628 ergangenen Erlass, katholisch zu werden, beugen musste, wanderte das Kapital, primär also die Hammerherren, in das protestantische Franken oder nach Regensburg ab. Das endgültige Aus für den Bergbau und die Hammerwerke kam mit dem Dreißigjährigen Krieg. Während im Mittelalter oberpfalzweit bis nach Nürnberg etwa 240 Hammerwerke Erze aus Amberg und Sulzbach verarbeiteten, waren es Ende des 17. Jahrhunderts noch ganze 25. Aus vielen Hammerwerken entstanden Mühlen oder Glasschleifen.

Fast 200 Jahre wurde nun der Bergbau zum Leidwesen der Regierenden auf Sparflamme betrieben. Der Kurfürst drängte die Stadt Amberg wiederholt zur Wiederaufnahme des Bergbaus, im Gegensatz zu Pfälzer Gepflogenheit jedoch in Halbscheid. Der Gewinn aus dem Bergbau sollte demnach hälftig zwischen dem Kurfürsten und der Stadt geteilt werden. Trotz Hinweis auf die alten Rechte musste die Stadt widerwillig zustimmen.

Enteignung der Stadt

1792 veröffentlichte Mathias Flurl, kurfürstlicher Berg- und Münzrat, sein Werk "Beschreibung der Gebirge von Baiern und der Oberen Pfalz". Darin werden auch die Amberger Brauneisenerz-Vorkommen beschrieben. Sicher war die Arbeit von Flurl mitentscheidend für die Enteignung der Stadt - 1795 nahm der Staat den Bergbau in eigener Regie auf. Bis zum Anblasen des ersten Hochofens 1883 war das Bergärar, ab 1911 "Luitpoldhütte", ein reines Bergbauunternehmen und auf den Verkauf der geförderten Erze angewiesen. Später kamen Eisengießereien hinzu. 1964, nach rund 1000 Jahren Bergbautradition, wurde der Barbaraschacht, das Kernstück des Bergbaus, abgeworfen. In Amberg war der Erzberg allen Erzes, insgesamt etwa 16 Millionen Tonnen, beraubt. Das Mundloch des ehemaligen Theresienstollens, einst ein mittelalterlicher Erbstollen, welcher der gemeinsamen Entwässerung der Gruben auf dem Erzberg diente, und Kreuz und Glocke aus der ehemaligen Bethalle, heute in der Barbarakirche im Ortsteil Luitpoldhöhe, erinnern noch an einstiges Geschehen. (ddö)

Eine in Amberg geplante, doch nie realisierte Wasserkunst: Mit Hilfe von Oberflächenwasser sollte Grubenwasser gehoben werden (Quelle: Dirk Götschmann – Oberpfälzer Eisen).
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