03.03.2021 - 14:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Elternbeiräte der Amberger Grundschulen schreiben an Piazolo: "Schüler haben genug gelitten"

Der "sinnlose schnelle Wechsel" von Schule auf, Schule zu in Amberg ruft die Elternbeiräte der Grundschulen auf den Plan. In einem Brief, adressiert an den Kultusminister, fordern sie ein Ende der "Öffnungs- und Schließungspolitik".

Symbolbild: Ein leeres Klassenzimmer an einer Grundschule.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der Inzidenzwert der Stadt Amberg entscheidet derzeit tagesaktuell, ob die Grundschulen öffnen dürfen oder schließen müssen. Diese Schulpolitik führt zu einem verrückten Hin und Her: Erst vergangene Woche kehrten nach einem längeren Lockdown die Schüler im Wechsel ins Klassenzimmer zurück. Nach nur fünf Tagen hieß es: Inzidenzwert über 100, Schulen wieder zu. Übers Wochenende stellten sich deshalb nicht nur die Eltern auf das Homeschooling ein, sondern auch Lehrer erarbeiteten erneut aufwändige Wochenpläne und Lernvideos für die Kinder zuhause. Am Montagvormittag schließlich kam die überraschende Nachricht: Der Inzidenzwert liegt wieder unter 100, die Schulen werden am Dienstag wieder öffnen. Der Gemeinsame Elternbeirat der Amberger Grundschulen hat deshalb am Dienstagabend einen Brief verschickt, in dem er diese "sinnlosen schnellen Wechsel" anprangert. Gefordert wird, dass diese Öffnungs- und Schließungspolitik ein Ende hat. Adressiert wurde das Schreiben unter anderem an Kultusminister Michael Piazolo und Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Erste gesundheitliche Probleme

Der Amberger Jürgen Baldauf hat als Vorsitzender des Gremiums das Schreiben unterzeichnet. Darin heißt es: "Der ständige Wechsel zwischen den Unterrichtsformen, die Freude und die Enttäuschung, das nicht mehr Wissen, was denn nun eigentlich los ist. All das führt zu Druck und Problemen bei den Kindern. In einigen Fällen wurde uns Elternbeiräten bereits von Schlafstörungen und gesundheitlichen Problemen der Kinder berichtet. Im schlechtesten Fall werden in diesem Umfeld auch noch Proben geschrieben. Welches Kind kann in dieser Situation gute Leistungen bringen?" Die Forderung laute daher: "Bitte stellen Sie sicher, dass ein solch sinnlos schneller Wechsel zukünftig ausgeschlossen ist. Es macht keinen Unterschied, ob der Inzidenzwert bei 103 oder 97 liegt. Dieser Unterschied im wird in einer Stadt wie Amberg durch zwei neue Fälle erreicht." Doch nicht nur für Schüler sei die Situation unerträglich, auch Lehrer hätten damit zu kämpfen: "Was Sie, Herr Kultusminister, mit solchen Regelungen von Ihren Direktor*innen und Lehrer*innen verlangen, ist ebenfalls untragbar. In kürzester Zeit müssen Pläne für Distanzunterricht in Pläne für Wechselunterricht und wieder zurück erstellt werden. Außerdem sind die Pläne für die Notbetreuung ständig anzupassen."

Es macht keinen Unterschied, ob der Inzidenzwert bei 103 oder 97 liegt. Dieser Unterschied wird in einer Stadt wie Amberg durch zwei neue Fälle erreicht.

Jürgen Baldauf, Vorsitzender des Gemeinsamen Elternbeirats der Amberger Grundschulen in einen Brief an den Kultusminister

Auch Oberbürgermeister Michael Cerny hatte sich bereits vergangene Woche öffentlich zu dem Dilemma geäußert und sich mit seiner Kritik direkt an Ministerpräsident Markus Söder gewandt. "Wir wollten dem Anliegen des Oberbürgermeisters mit dem Brief auch noch einmal Rückenwind geben", sagte Initiator Jürgen Baldauf, dem das Thema unter den Nägeln brennt, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Die Schüler haben in der Pandemie bereits genug gelitten und ausgehalten."

Schulen auf, Schulen zu: Amberger OB schreibt an Söder

Amberg

Schule bleibt am Donnerstag offen

Unterdessen war der Inzidenzwert am Mittwoch wieder über 100 geklettert. Viele Eltern befürchteten bereits die nächste bevorstehende Schulschließung für den Donnerstag. Doch Stadt-Pressesprecherin Susanne Schwab gab zumindest für diese Woche Entwarnung. "Die Schulen bleiben am Donnerstag auf. Wir nutzen unseren Spielraum."

Info:

Wer steckt hinter dem Gemeinsamen Elternbeirat der Amberger Grundschulen?

Der Gemeinsame Elternbeirat der Amberger Grundschulen ist ein Gremium, das sich im Normalfall einmal pro Jahr trifft, um gemeinsame Belange zu diskutieren. Dazu werden alle Elternbeiräte der Grundschulen eingeladen. Der Vorsitzende wird für zwei Jahre gewählt. Aktuell ist es Jürgen Baldauf von der Dreifaltigkeitsschule.

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