01.03.2021 - 14:25 Uhr
AmbergOberpfalz

OB Cerny bittet Söder um Hilfe - Ambergs Schulen öffnen wieder

Schulen auf, Schulen wieder zu, Schulen wieder auf – der aktuelle Amberger Inzidenzwert knapp über oder unter 100 treibt Schulleitern den Schweiß auf die Stirn. Und dem Amberger Oberbürgermeister die Zornesröte ins Gesicht.

Nur eine Woche lang herrschte auf dem Pausenhof der Max-Josef-Schule fröhliches Kinderlachen. Am Montag war wieder zu, am heutigen Dienstag dürfen die Kinder wieder kommen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Genau eine Woche lang dauerte der Präsenzunterricht im Zwei-Gruppen-Betrieb für die Grundschüler in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach. Seit Montag ist damit schon wieder Schluss. Zumindest für die Landkreis-Schulen. Ein Inzidenzwert, der stramm auf die 200 zugeht, spricht hier eine deutliche Sprache. Anders verhält es sich hingegen in der Stadt Amberg. Am Montag mussten die Grundschüler daheim bleiben, am Dienstag durften sie aber wieder in die Schule. Mal lag die Inzidenz unter dem kritischen Wert von 100, dann kletterte sie wieder knapp darüber. Schule auf, Schule zu, Schule wieder auf.

Ein Zustand, der nicht nur die Kinder und ihre Eltern sowie die Lehrer zumindest ratlos macht. Dem Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny reicht es so langsam. Dabei hat er überhaupt keine Alternative, wie die städtische Pressestelle deutlich macht. Denn aufgrund einer aktuellen Sieben-Tage-Inzidenz von 94,8 Fällen je 100 000 Einwohner, die das Robert-Koch-Institut am 1. März auf seiner Website veröffentlicht hat, gehen die Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussklassen der weiterführenden und beruflichen Schulen an diesem Dienstag wieder zum Präsenz- oder Wechselunterricht über. Die erneute Öffnung gilt auch für die Kindertageseinrichtungen und -pflegestellen unter Einhaltung ihres jeweiligen Hygienekonzepts.

System ist viel zu komplex

"So sehr wir uns auch darüber freuen, dass den Kindern damit wieder der Besuch in den Schulen und in den Kindertagesstätten ermöglicht wird, das System ist viel zu komplex und für die Verantwortlichen vor Ort kaum umsetzbar - vor allem, wenn man bedenkt, dass in diesem Zusammenhang auch jedes Mal eine Information der Eltern sowie Vorkehrungen zum Beispiel für die Notbetreuung, aber auch die Mittagsbetreuung zu treffen sind", wird Oberbürgermeister Michael Cerny zitiert.

"Die starre Regelung mit dem Wechsel bei Über- bzw. Unterschreitung des Inzidenzwerts 100 ist in der Praxis einfach nicht handhabbar", so Cerny weiter. Aus diesem Grund habe er direkt Kontakt mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek aufgenommen und ihnen die Schwierigkeiten geschildert, denen alle Kommunen, deren Inzidenz sich um die 100 bewegt - ganz besonders aber die kleineren Städte wie Amberg - ausgesetzt sind. Bei rund 42 000 Einwohnern zähle jeder Corona-Fall fast 2,5 Mal in der Statistik. Damit könnten sich die Werte schnell verändern, Einschätzung eines Trends sei nur schwer möglich.

Gesundheitsminister meldet sich sofort

"Ich bin froh, dass sich der neue Gesundheitsminister sofort gemeldet hat und ich ihm unsere Probleme mit der aktuellen Regelung vor Ort schildern konnte. Dabei hat er mir zugesagt, auf jeden Fall zu versuchen, dass im Laufe der Woche eine verbesserte Lösung gefunden wird", berichtet Michael Cerny über das Ergebnis dieses Gesprächs. Auch mit dem Bayerischen Städtetag und dem Regierungspräsidenten der Oberpfalz, Axel Bartelt, hat der Amberger Oberbürgermeister laut Pressemeldung Kontakt aufgenommen und die Stellen dringend darum gebeten, ihn in seinem Anliegen zu unterstützen.

Denn die Stadt Amberg als Kommune sei laut 11. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verpflichtet, die Über- oder Unterschreitung des Schwellenwertes von 100 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bezogen auf 100 000 Einwohner "unverzüglich" bekanntzugeben. Die Öffnung oder Schließung der Schulen und Kindertagesstätten erfolge dann jeweils automatisch und liege nicht in der Hand der jeweiligen Stadt oder des betreffenden Landkreises.

Spielraum ist nicht groß genug

"Wir versuchen zwar, unseren Spielraum auszunutzen, das hilft uns aber nicht wirklich weiter", betont der Oberbürgermeister und verweist darauf, dass sich nicht nur die Bürger, sondern auch die Kommunen an die Coronaregeln halten müssen. Zumal die Inzidenz in Amberg am Montag bei 94,8 lag - Tendenz wieder steigend. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hingegen vermeldete einen Wert von 191,2, hier müssen die Schulkinder wohl noch länger daheim bleiben.

„Augenblicklich haben wir die Möglichkeit, zu öffnen, und das sehe ich positiv. Die aktuellen Ausführungsbestimmungen freilich sind alles andere als praktikabel, daher sehe ich es als unsere gemeinsame Aufgabe an, daran zu arbeiten, dass Schule sicher, aber auch mit Planbarkeit für Eltern, Lehrer und Schüler öffnen kann“, so das Resümee von OB Michael Cerny. Er hofft, dass sich die Lage an den Schulen und Kitas angesichts der angekündigten Impfung von Lehrkräften und Erziehern, aber auch mit den angekündigten Selbsttests entspannt und so zusätzlich Möglichkeiten entstehen, um einen sicheren Schulbesuch und Unterricht zu gewährleisten.

In diesem Zusammenhang bittet OB Cerny aber auch alle Amberger im Interesse der Schulen, Läden und Gastronomie, sich auch weiterhin sehr bewusst an die Regelungen zum Infektionsschutz zu halten. „Vor allem wegen der neuen Virusvariante sollten wir auch zum eigenen Schutz möglichst Abstand halten und bei näherem Kontakt eine Maske tragen, auch wenn es nicht zwingend vorgeschrieben ist“, so der Appell des Oberbürgermeisters

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