13.12.2018 - 14:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Emotionen und Delegierte beim TV 1861

Teilweise geht es ganz schön turbulent zur Sache beim TV 1861. Die außerordentliche Jahreshauptversammlung im Sportheim ist voller Emotionen und bringt letztendlich gravierende Veränderungen.

Ein übervolles Sportheim und heiße Diskussionen. Die außerordentliche Jahreshauptversammlung des TV 1861 verlief zum teil sehr emotional.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Rund 120 Menschen quetschten sich am Mittwochabend im wegen der sonst eingeschränkten Sichtmöglichkeiten eigens verkürzten Sportheim. Vorsitzender Thomas Bärthlein hatte die Mitglieder kaum begrüßt, da ging es auch schon zur Sache. Manfred Postler warf die Frage auf, ob denn überhaupt form- und fristgerecht zu dieser Versammlung geladen worden sei. Ja, so die Mitglieder des Vorstands, da satzungsgemäß ein Aushang in der neuen Geschäftsstelle im vereinseigenen Balance gemacht worden sei.

Das sahen aber zahlreiche Mitglieder anders. Erstens sei die Tatsache neue Geschäftsstelle noch nicht allgemein bekannt. "Und wenn das Mitglied nicht weiß, wo ein Aushang ist, dann kann es auch nicht dort nachschauen", so Manfred Postler. Und zweitens sei es das TV-Mitglied gewohnt, dass Jahreshauptversammlungen des Vereins in der Amberger Zeitung angekündigt würden. Das sei zwar geschehen, aber nicht die erforderlichen zehn Tag vorher. Drittens sei im Turnerrat vereinbart worden, diese Sitzung erst für Januar 2019 einzuberufen. "Du ignorierst die Beschlüsse der Turnerratssitzung", warf Postler dem Vorsitzenden vor.

Versammlung kann starten

Nach längerer Diskussion griff Thomas Bärthlein zum Mittel der Abstimmung. 56 der 117 Stimmberechtigten votierten laut Auszählung des Vorstands dafür, die Sitzung abzuhalten, 46 dagegen, fünf enthielten sich. Damit konnte die eigentliche Versammlung anfangen, die sich unter anderem mit einer Änderung der Satzung, den Finanzen für 2017 und der Umstellung von einer Mitglieder- auf eine Delegiertenversammlung zu beschäftigen hatte. "Der BLSV rät zu diesem System", empfahl 3. Vorsitzende Birgit Binder den Mitgliedern.

Der Entwurf sah vor, die Abteilungen sollen künftig nach einem gewissen Schlüssel je nach Mitgliederzahl zwischen zwei und zehn Delegierte zu dieser Versammlung zu entsenden. Inklusive des Vorstands und anderer zusätzlicher Stimmberechtigter würde das nach Binders Berechnung derzeit für den TV mit seinen knapp 2400 Mitgliedern ein Gremium von 103 Menschen bedeuten. Die Vorteile liegen nach Aussage der Befürworter dieser Regelung auf der Hand. So könnte beispielsweise künftig keine Abteilung mehr seine Mitglieder mobilisieren und damit die Jahreshauptversammlung dominieren. Auf der anderen Seite sei garantiert, dass Jahresversammlungen mit nur 35 bis 40 Anwesenden auch nicht mehr möglich wären.

Umgehend stellte Ehrenmitglied Werner Aichner den Antrag, diese Änderung nicht in die Satzung aufzunehmen. "Damit sind alle übrigen Mitglieder einer Abteilung von der Willensbildung ausgeschlossen", so argumentierte er. Es bestünde die Gefahr, dass viele frustriert den Verein verlassen. Gelten ließ Aichner auch nicht das Argument, das Delegiertenprinzip sei allein schon wegen der Größe des TV 1861 notwendig. Ein Verein wie Bayern München mit seinen knapp 300 000 Mitgliedern halte auch noch an der "klassischen" Jahreshauptversammlung fest, hielt Aichner dagegen.

Hermann Müller versuchte, den Kompromiss zu finden. Vielleicht, so der BLSV-Bezirksvorsitzende, sollten sich eine Mitglieder- und eine Delegiertenversammlung immer abwechseln. Das sei bei einigen Vereinen so üblich und habe sich bewährt. "Und wenn die Themen dann immer so gestaltet werden wie heute, dann kommen auch die Leute", sagt er mit Blick in den übervollen Saal. Letztendlich hatte es die Versammlung in der Hand.

Die offene Abstimmung per Akklamation brachte - Verwirrung. Offenbar hatte der Vorstand die eigene Satzung nicht gelesen, die er ändern wollte. Denn zunächst glaubte man bei einem Stimmergebnis von 66 ja, 22 nein und 13 Enthaltungen sei die erforderliche Dreiviertelmehrheit nicht geschafft. Kassier Paul Frank tat schon öffentlich kund, wie enttäuscht er von den Mitgliedern sei. Da fiel es jemand auf, dass laut der Satzung aus den 70er Jahren Enthaltungen gar nicht gewertet werden. Damit waren exakt die 75 Prozent erreicht, künftig entscheiden Delegierte über das Schicksal des TV.

Es fehlt an Geld

Letzter Punkt: Beitragserhöhungen. Unter anderem wegen der mittlerweile bedrohlichen Finanzlage (siehe unten) sollte der Beitrag für den Hauptverein nach oben angepasst werden. Beispielsweise für Erwachsene von jetzt 72 auf dann 96 Euro pro Jahr. Oder für Kinder von 48 auf 60 Euro. Grund dafür laut Vorstand: Investitionsstau am Schanzl und der Wunsch, die Übungsleiter besser bezahlen zu können. Mit Mehrheit stimmte die Versammlung dafür, einige Mitglieder werden aber wohl vom Sonderkündigungsrecht zum Jahresende Gebrauch machen, das mit dieser Erhöhung automatisch verbunden ist.

Finanzen 2017:

Rund 311 000 Euro beträgt der Anteil des TV 1861 für den Kauf des Fitnessstudios Balance. Inklusive dieser Summe liegt die Bilanz für 2017 laut Kassier Paul Frank bei einem Minus von gut 348 000 Euro – ohne Balance-Kauf aber immer noch bei 36 000. Tendenz für 2018 laut Frank: mindestens ein Verlust von 50 000 Euro, wenn nicht durch eine Beitragserhöhung gegengesteuert wird. Der Kredit für das Balance, den aber die Fitnesssparte alleine zu stemmen hat, ist laut Frank 345 000 Euro groß. „Die Frage ist, wo können wir sparen?“

Hintergrund:

„Als ich das Kassenbuch 2017 gesehen habe, habe ich verstanden, dass wir kurz vor dem Verlust der Gemeinnützigkeit gestanden haben“, sagte einer der beiden Kassenprüfer des TV 1861, Sercan Kayir, am Mittwoch bei der Jahreshauptversammlung. „In diesem Jahr ist es drunter und drüber gegangen“, deutete er zunächst an. Nun wollte Werner Aichner natürlich wissen, ob er da wohl über die Fußballabteilung rede. „Es geht nur um die Fußballabteilung“, sagte dazu der zweite Kassenprüfer Jürgen Friedrich. Aichner, der viele Jahre selbst für die Fußballer des TV, den FC Amberg, zuständig gewesen war, wollte das aber nicht so stehen lassen. Irrtümlich falsch verbuchte Zahlungen seien inzwischen erstattet, so sagte er. „Ich will nicht, dass die Abteilung hier in eine schiefes Licht gerückt wird.“ Die Entlastung des Vorstands für 2017 endete mit 64 Ja- zu 39 Neinstimmen.

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