10.08.2018 - 16:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Endlich daheim: Bastis neues Leben

Der Kaufladen wartet auf Kundschaft. Doch Basti hat keine Zeit. Er flitzt zum Spieleteppich, ein Lkw muss beladen werden. Der Fünfjährige und seine Eltern sind glücklich: Die OP in den USA war erfolgreich und Basti ist endlich daheim.

von Kristina Sandig Kontakt Profil

Die Anspannung der vergangenen Monate ist abgefallen, Stefanie Leypold und Peter Andörfer aus Sulzbach-Rosenberg sind froh und glücklich, dass sie jetzt ein normales Familienleben führen können: mit Sohn Bastian (5) und Kater Michl. Dass Bastian, den alle liebevoll Basti rufen, seinen Aktionsradius vom Spieleteppich bis auf die Couch ausgedehnt und deren Sitzfläche in einen Parkplatz für Spielzeug-Lkws verwandelt hat, nehmen die Eltern gelassen. Schließlich musste Basti lange Zeit auf engstem Raum in einem Zimmer der Kinderstation der Uniklinik Erlangen ausharren. Basti war am 25. Juni 2013 mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. Nach Operationen als Kleinkind hatte er trotz seiner Erkrankung eine unbeschwerte Kindheit wie alle anderen Mädchen und Buben seines Alters: Er spielte mit seinen kleinen Freunden, ging in den Kindergarten und kuschelte mit Michl, dem Familienkater.

Ausgerechnet an Heiligabend 2017 ging es Basti, der damals schon mit Ergüssen von Flüssigkeiten in der Brusthöhle zu kämpfen hatte, schlechter. Drei Tage später kam er wieder in die Uniklinik Erlangen. Da die Ergüsse nicht zu stoppen waren, bekam Basti wieder Drainagen, die er bis zum Sommer 2018 nicht mehr los werden sollte.

Hoffnung ruht auf USA

Hilfe für ihr schwerkrankes Kind erhofften sich seine Eltern von Dr. Dori, einem weltweit anerkannten Spezialisten in Amerika. Doch die Reise dorthin und die Behandlung in Philadelphia kosteten Geld. Viel Geld, das die Familie nicht hatte und nicht aufbringen konnte - grob geschätzt lagen die Kosten bei 500 000 Euro. Und deshalb startete Bastis Patenonkel Michael Andörfer eine Spendenaktion, bei der innerhalb weniger Monate über eine halbe Million Euro zusammenkam.

Über eine halbe Million Euro haben Spender gesammelt:

Sulzbach-Rosenberg

Für die Eltern, die sich am Krankenbett ihres Sohnes abwechselten, die Mama unter der Woche, der Papa am Wochenende, war die bange Zeit des Ausharrens noch nicht vorbei. Sie warteten darauf, einen Termin in Philadelphia zu bekommen. Anfang Juni dann der erlösende Anruf: Basti könnte in einer Woche operiert werden, müsste allerdings schon in wenigen Tagen in Amerika sein, damit vor dem Eingriff noch notwendige Untersuchungen erfolgen können. "Schnell wurde klar, dass ein Ambulanzflug in dieser Zeit nicht zu organisieren sei", berichtet Peter Andörfer. "Aber wir wollten diesen Termin unbedingt wahrnehmen, der nächste wäre erst Anfang August gewesen", ergänzt Stefanie Leypold. Und wieder war es Patenonkel Michael, der sich mächtig ins Zeug legte. Drei Tage lang telefonierte er, schrieb E-Mails, klapperte Fluggesellschaften ab - und fand schließlich bei der Ambu Trans mit Sitz in Düsseldorf Hilfe für Bastis Flug in die USA.

Zwei Holländer, ein Arzt und eine Krankenschwester, kamen nach Erlangen, begleiteten Basti zum Frankfurter Flughafen und auch im Linienflug über Kopenhagen nach Philadelphia. Für den damals Vierjährigen war es der erste Flug seines Lebens. "Fliegen ist cool", sagt er, während er auf dem Spieleteppich mit den Trucks rangiert. Was ihm am besten gefallen hat? Da muss Basti nicht lange überlegen: "Starten und Landen." Seine Eltern erzählen, dass während der Zeit in der Luft Bastis Sauerstoffsättigung abgefallen war. "Das war aber tolerabel", erinnert sich Mama Stefanie. Sie und ihr Mann fanden sich und ihr Kind in der Klinik in Philadelphia sehr gut aufgehoben. "Von der Putzfrau bis zum Chefarzt, alle waren freundlich und super-nett."

Geburtstag in der Klinik

Bastis größter Wunsch wäre gewesen, an seinem fünften Geburtstag am 25. Juni daheim zu sein. Der Bub, der Monate in einem Krankenzimmer verbracht hatte, träumte davon, dass in seinem Garten ein Plantschbecken aufgestellt wird und er mit der Familie, mit seinen Freunden und natürlich mit Katerchen Michl feiern wird. Daraus wurde leider nichts, am 25. Juni war Basti noch in Amerika. "Uns als Eltern hat es natürlich unendlich leid getan, dass sein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist", sagt Stefanie Leypold. "Anfangs war Basti schon deprimiert", berichtet Peter Andörfer. Doch das Klinik-Personal hatte sich viel Mühe gegeben, Basti den Tag so schön wie möglich zu machen. An der Wand klebte ein großes Plakat, das Zimmer war mit Luftschlangen dekoriert, der Bub bekam Geschenke und eine Eistorte. Und Basti fand sich schnell damit ab, dass sie Situation so war, wie sie eben war. Er gewann ihr sogar was Positives ab: "In Amerika Geburtstag feiern, das kann nicht jeder", sagt er und in seiner Stimme schwingt gehöriger Stolz mit.

Basti flitzt zum Esstisch, an dem seine Eltern sitzen. Auf dem noch freien Stuhl hat es sich Katze Michl, die Basti auch manchmal Mickey ruft, gemütlich gemacht. Angesichts der brütenden Hitze am frühen Abend hält das Katerchen Siesta und döst eine Runde. Basti kuschelt sich an sein Haustier. Er freut sich, dass er wieder bei Michl ist. Überhaupt: Basti genießt es, endlich wieder daheim zu sein. Im Moment würde er am liebsten alles auf einmal machen, berichten seine Eltern. Ihm reichen kleine Dinge, um glücklich zu sein. Eben sein Spieleteppich und die stattliche Lkw-Flotte, die sich so angesammelt hat: Wann immer Basti tapfer das Legen neuer Drainagen über sich ergehen hat lassen, durfte er sich zur Belohnung einen neuen Truck aussuchen. "Irgendwann ging das natürlich nicht mehr, sonst hätten wir das Haus anbauen müssen", scherzt Papa Peter.

Jetzt, im Hochsommer, ist der Bub am liebsten im Garten. Dort steht das Plantschbecken, in dem Bast gerne badet. Viel lieber ist er aber bei seinen Großeltern im Pool. "Der ist nämlich größer", verkündet der Fünfjährige. Genauso genießt er es, mit den Eltern auf der Couch zu kuscheln, die Omas und Opas, sowohl Stefanie Leypolds als auch Peter Andörfers Eltern, mal ganz für sich alleine zu haben. Alltag einer Familie eben, zu dem auch die gemeinsamen Mahlzeiten zu dritt am Esstisch gehören. "Eben all das, was wir lange nicht hatten", sagen die Eltern.

Mit gesundem Appetit

Seit Basti seine Drainagen, die er immer Tanks genannt hatte, los ist, hat er auch wieder einen gesunden Appetit. Zum Frühstück verdrückt er locker zwei Toastbrote, zum Mittagessen ein Schnitzel. Doch am allerliebsten ist es ihm, wenn es Ripperln gibt. Die nämlich sind seine Leibspeise. Stefanie Leypold und Peter Andörfer sitzen am gemütlichen Esstisch der Familie und reden davon, wann sie letztmals zu dritt beim Essen waren. "Das war im letzten Jahr", sagt die Mutter. Auch das Datum, wann sie das letzte Mal allein zu zwei unterwegs waren, fällt ihnen sofort ein: Es war der 5. November 2016, bei der Hochzeit eines Freundes. "Da waren wir noch ohne Kummer und Sorgen", sagt Peter Andörfer leise.

Vermisst in all der Zeit in der Klinik und auch in den USA hat Basti sein Baumhaus, das der Papa gebaut hat. Der Fünfjährige flitzt nach draußen und stürmt durch den Garten. Demnächst einmal will er mit seinem Papa im Baumhaus übernachten. Jetzt ist ihm aber nach Rutschen. Quietschvergnügt saust er hinab, lässt sich aber sicherheitshalber vom Papa unten auffangen.

Dank per Sprachnachricht an die Spender:

Sulzbach-Rosenberg

"Er genießt, dass er einfach in Ruhe gelassen wird", sagt sein Vater. Vorbei sind die Zeiten, in denen Krankenschwestern alle paar Stunden kamen, um Blutdruck zu messen und Vitalwerte zu überprüfen. Basti muss natürlich noch regelmäßig zu ärztlichen Untersuchungen. Die Ultraschall-Kontrolle erledigt der Kinderarzt in Amberg, vom nächsten Termin in Erlangen erhoffen sich die Eltern, dass sich die Zahl der Medikamente, die ihr Kind nehmen muss, reduzieren wird.

Wenn Basti von den Vereinigten Staaten erzählt, dann von den Wolkenkratzern in Philadelphia, die den aufgeweckten und fröhlichen Fünfjährigen schwer beeindruckten, und natürlich von Dr. Dori, den er seinen "besten Kumpel in Amerika" nennt. "Am schönsten ist es aber daheim", verkündet der Fünfjährige. Noch dazu, weil es heute Abend Ripperln gibt. Und dafür kommt sogar der Lkw-Verkehr auf dem Spieleteppich komplett zum Erliegen.

Info:

Eltern dankbar

In einer beispiellosen Hilfsaktion haben Menschen in der Region und weit darüber hinaus im Frühjahr ein riesengroßes Herz gezeigt: Sie sammelten über eine halbe Million Euro, um den schwer herzkranken fünfjährigen Basti eine kostspielige, aber notwendige Behandlung in den USA zu finanzieren. Dafür sind Bastis Eltern, Stefanie Leypold und Peter Andörfer, unendlich dankbar – und überglücklich.

„Wir sind wir wirklich, weil die OP in Amerika die letzte Chance für Basti war.“ Was die Eltern heute, nach dem erfolgreichen Eingriff, wissen: Eine Operation in Deutschland hätte ihrem Kind nichts gebracht, denn hier waren die Ärzte davon ausgegangen, dass die Lecks in Bastis Lymphhauptstamm seien und von dort aus die Flüssigkeit in die Brusthöhle laufe. Die Spezialisten in Amerika fanden heraus, dass das Problem die Leber war. Nach zermürbenden Monaten in der Klinik, einer quälend langen Zeit des Hoffen und Bangens sind die Eltern zwar erschöpft und ausgelaugt, andererseits aber überglücklich über den Erfolg der Behandlung in den USA.

Und dankbar, dass unzählige Menschen, die spendeten, dies erst ermöglicht haben. Jedem Einzelnen gebühre ein dickes Dankeschön, sagen sie. Egal, wer und in welcher Höhe: „Jeder hat mit seiner Spende dazu beigetragen, Basti und uns ein normales Leben zu ermöglichen“, freut sich Peter Andörfer. „Ihr alle seid Lebensretter“, sagt er über die Unterstützer. Denn für Basti sei es höchste Eisenbahn gewesen, „er war gesundheitlich am Limit“. Die Familie ist auch froh, dass die Krankenkasse nun doch einen Teil der Kosten übernimmt. Die Zusage kam während des USA-Aufenthalts. Erst wenn alles abgerechnet ist und feststeht, wie viel von den 583 028,33 Euro an Spenden verbraucht wurden, entscheidet die Familie, wofür sie das restliche Geld dann spenden wird.

Wir sind unendlich dankbar, weil die OP in Amerika die letzte Chance für Bastian war.

Mama Stefanie Leypold

Jeder, der für Basti gespendet hat, ist ein Lebensretter.

Papa Peter Andörfer

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