29.06.2020 - 13:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Entlaufener Emu: "Ich dachte, ich sehe nicht richtig"

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Die Meldung machte am Freitagabend in Amberg die Runde. Im Stadtgebiet war doch tatsächlich ein australischer Laufvogel, ein Emu, unterwegs. Der Geistesgegenwart einer Amberger Familie ist es zu verdanken, dass das Tier unverletzt blieb.

Mit einer langen Hundeleine gelang es Hermann Rösch, den Emu einzufangen. Das Tier ist jetzt in Kümmersbuch untergebracht.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Einen australischen Laufvogel sieht man nun wahrlich nicht jeden Tag vor dem eigenen Haus. Kurz vor 20 Uhr schaute Silvia Rösch am Freitag aus dem Fenster, ihre Familie wohnt nahe der Obersdorfer Brücke in Amberg. Die Vils ist nah, der Kessel unter der Brücke ist mit Büschen bewachsen. Als Röschs Hund im Garten anschlug und bellte, war für sie klar: Da stimmt was nicht. Sie ging auf den Balkon und schaute ins schwindende Abendlicht. Zwischen dem dichten Grün sah sie einen länglichen Hals und den fedrigen Rücken eines großen Vogels. Eines ziemlich großen Vogels. "Ich dachte erst, ich sehe nicht richtig", sagt sie. "Das kann doch nicht wahr sein." Ihre Familie sei sehr tierverbunden, sie wisse da recht gut Bescheid und konnte deshalb zielsicher feststellen: In Amberg, wenige Meter von ihrem Gartenzaun entfernt, steht ein Emu.

Zu diesem Zeitpunkt waren bei der Polizeiinspektion Amberg bereits aufgeregte Anrufe eingegangen. Mehrere Stadtbewohner hatten das Tier ebenfalls beobachtet. Die Sorge war durchaus berechtigt. Emus sind nicht nur die zweitgrößten Laufvögel, sie sind vor allem sehr schnell. Bis zu 50 Kilometer pro Stunde legen sie auf ihren dünnen Beinen zurück. In einer städtischen Umgebung bedeutet das Gefahr für Tier, Mensch und Straßenverkehr. Die Polizei machte sich auf den Weg in Richtung Obersdorfer Brücke. Auch Silvia Rösch hatte die Beamten gleich kontaktiert, die wussten aber längst Bescheid. Sie rannte ein Stockwerk tiefer, wo ihre Eltern wohnen."Schaut´s raus, da steht ein Emu", rief sie. "Uns war klar, wir müssen reagieren, sonst rennt er auf die Straße. Die können ganz schön Gas geben." Ihr Vater, 83 Jahre alt, und ihr 24-Jähriger Sohn Dennis ergriffen die Initiative. Mit einer zehn Meter langen Hundeleine samt großer Schlaufe näherten sie sich dem Tier. Im selben Moment traf die Polizei ein.

Die erste Meldung zum ausgebüxten Amberger Emu

Amberg

Besitzer unbekannt

Die Beamten postierten sich um den Emu, um ihm den Fluchtweg zu versperren. Vater Hermann Rösch hatte das Tier bereits erreicht und die Schlaufe um den Hals gelegt. Ihr Glück: Der Emu lief geradewegs hinein, Rösch zog vorsichtig zu und das Tier warf sich zu Boden. "Der Emu war sehr ruhig, mein Vater konnte ihn leicht festhalten", erzählt Silvia Rösch. Die Polizisten drückten ihn zusätzlich auf den Boden.

Nur: Wohin mit dem Tier? Wo es hergekommen sein könnte, war und ist unklar. Die einzig sinnvolle Option war daher die Wildtier-Auffangstation in Kümmersbuch. Hans Weiß, der die Station "das Nest" betreibt, wusste, was zu tun ist. Er holte den abendlichen Besucher ab und brachte ihn im Gehege bei den Ziegen und einem Strauß unter. Dort könne er vorerst auch bleiben, die Fläche sei mit etwa 1300 Quadratmetern mehr als ausreichend. Dass sich jemand bei ihm melden wird, um den Ausreißer wieder nach Hause zu bringen, damit rechnet Weiß nicht. "Es ist ja nicht ganz klar, wer für den Einsatz der Polizei haften muss. Außerdem kann so ein Emu erheblichen Schaden anrichten, wenn er frei herumläuft. Da ist es für den Besitzer natürlich schlauer zu sagen, der gehöre ihm nicht." Eine Kennzeichnung am Emu fehlte jedenfalls.

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