02.01.2022 - 15:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Meinung: Erst klares Schuldbekenntnis aller Geistlichen bringt Kirchenvolk zurück

Die Ehrenamtlichen in der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit tun alles, um wieder mehr Menschen für die Kirche zu begeistern. Das ist eigentlich nicht ihr Job. Ein Kommentar von Thomas Amann.

Nein, diese Menschen zählen nicht zu denen, die lieber draußen stehen bleiben, als in die Kirche hineinzugehen. Im Gegenteil kamen diese Pfarreiangehörigen von Hl. Dreifaltigkeit zum Essenabholen beim "Pfarrfest to go", um trotz Corona 2020 das Gemeindeleben etwas aufrechtzuerhalten.
von Thomas Amann Kontakt Profil
Kommentar

Halleluja oder um Himmels willen? Keine Frage, das Engagement der Ehrenamtlichen in der Amberger Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und anderswo ist aller Ehren wert. Sie wollen mit Herzenswärme, Ideen und Aktionen dazu beitragen, wieder mehr Leute in die Kirchen zu bringen.

Eigentlich ist das nicht ihr Job - eher der der Hauptamtlichen und aller Geistlichen, die doch zuallererst gefordert sind, für das fatale Bild, das zu viele ihrer Vertreter in den vergangenen Jahrzehnten abgegeben haben, einzustehen und um Verzeihung zu bitten. Dazu gehört vor allem diese Erkenntnis und das Bekennen von Schuld. Offen und ohne den Versuch, beschämende Fehler totzuschweigen oder kleinzureden. Die Fehltritte und der teilweise Umgang damit sind es doch, die die Menschen hinausgetrieben haben aus den Kirchen. Sie haben kein Vertrauen mehr. Nur ein klares Schuldbekenntnis und ein offener Umgang mit der Krise können vielleicht die Glaubwürdigkeit wiederherstellen. Viele Geistliche arbeiten daran, aber nicht alle.

Wir leben in einer Diözese, in der der Oberhirte selbst einen von der Bischofskonferenz beschlossenen Weg zur Aufarbeitung als Irrweg bezeichnet. Rudolf Voderholzer meint, dass beim Synodalen Weg "der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert wird zum Versuch der Umgestaltung der katholischen Kirche". Längst wird der Name des Regensburger Bischofs in einem Atemzug genannt mit dem des erzkonservativen Kölner Kardinals Woelki. Schade und schadensträchtig.

Vom anderen Kardinal, der Voderholzers Amtsvorgänger war, reden wir lieber gar nicht. Gerhard Ludwig Müller zerstört mit der Verbreitung kruder Verschwörungstheorien weiter das Bild glaubwürdiger Kirchenmänner. Beschämend. Kein Wunder, dass so viele ihren Glauben an die Kirche verlieren ob solch zweifelhafter Reden.

So lange das und keine Demut herrschen bei den Männern Gottes, deren Geschäft die Demut doch ist, sind auch die ehrenwerten Anstrengungen der Laien um mehr Kirchenbesucher und -rückkehrer ein frommer Wunsch. Traurig. Für sie. Und für Jesus in der Mitte der Kirche, der sich doch nichts mehr wünscht als Liebe und Umkehr all seiner Schäfchen. Und der Hirten. O, kommet ihr Hirten, kommet doch all!

Schon 2020 begann Hl. Dreifaltigkeit, mit eigenen Ideen das Gemeindeleben aufrechtzuerhalten

Amberg

 

 

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