10.08.2018 - 11:46 Uhr
AmbergOberpfalz

"Erstmal Mettwurstbrot und gutes Amberger Bier"

Der junge Koch Fabian aus Amberg erlebt mit, wie seine Freunde während des Studiums Auslandserfahrung sammeln. Das will er auch und bewirbt sich beim Bundestag um ein Stipendium in den USA.

Fabian Häusler im Interview mit der Amberger Zeitung.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Fabian Häusler ist zurück vom bisher größten Abenteuer seines Lebens: Er lebte ein Jahr in den USA, genauer in Chicago, Illinois. Dort besuchte er zuerst das Moraine Valley Community College und studierte ein Semester Culinary Arts. Danach arbeitete er im Medinah Country Club in der Bankett-Küche. Gewohnt hat er bei einem „alleinerziehenden“ Gastvater (Host). Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) des deutschen Bundestages ermöglichte dem 25-Jährigen diese Erfahrung mit einem Stipendium. Im Gespräch mit der AZ erzählt er von seinen Erlebnissen in den USA, von merkwürdigen Alltagsgepflogenheiten, Trump-Anhängern und warum er vor allem das deutsche Brot vermisste.

ONETZ: Sie sind gelernter Koch und haben 2013 ihre Ausbildung beim Weißen Roß in Illschwang abgeschlossen. Mal ehrlich. Wo ist das Essen besser? In Deutschland oder den USA?

Fabian Häusler: (lacht) In Deutschland. Aber ich glaube das hängt damit zusammen, wo man aufgewachsen ist. Das gute deutsche Brot, das habe ich so vermisst. Als ich heimgekommen bin, hab ich erstmal ein Mettwurstbrot und einen Strammen Max gegessen. Dazu gab es gutes Amberger Bier. Das Essen in Amerika ist anders. Es gibt ja nicht richtig traditionelles Essen. Da ist aus jeder Kultur etwas dabei. Mit Käse drauf. Und frittiert.

ONETZ: Wie sind die Amerikaner, die Sie kennen gelernt haben, auf Sie zugegangen?

Fabian: Sehr offen und freundlich. Sie waren interessiert daran, warum ich da war und wie es in Deutschland ist. Auch an unserer Kultur und daran, welche Unterschiede es gibt.

ONETZ: Wie wurden Sie als Deutscher wahrgenommen?

Fabian: Ich war irgendwie etwas Besonderes für sie. Das College war riesig, aber ich war der einzige Deutsche. Ich habe zwar gehört, dass es noch ein Mädchen aus Deutschland geben soll, aber das habe ich nie getroffen. Es gab viele Asiaten und Inder, aber Deutsche oder Europäer – da waren nicht viele.

ONETZ: Wird im Alltag viel über Präsident Trump und seine Politik geredet?

Fabian: Ja schon. Mein Host ist Republikaner und pro Trump. Aber die meisten anderen, die ich getroffen habe, waren Demokraten. Es gibt beide Seiten. Ich meine, irgendwer hat den ja auch gewählt. Über Politik wird dort offen gesprochen, das ist kein Geheimnis. Jeder hat eine politische Meinung und die wird auch preisgegeben. Die Menschen stehen dazu. Viele zeigen das sogar mit Autoaufklebern. Ich denke, in Deutschland behalten die meisten für sich, was sie wählen.

ONETZ: Wie wird dort nach deiner Erfahrung mit der politischen Situation umgegangen?

Fabian: Ich habe den Eindruck, dass es stark davon abhängt, welchen Fernsehsender man schaut. Manche sind nur demokratisch oder nur republikanisch und berichten dementsprechend. Mir kam es so vor, als ob sich die Leute auch nicht viel über Politik informieren. Die Medien haben da schon einen großen Einfluss.

ONETZ: Haben Sie auch über die deutsche Politik gesprochen?

Fabian: Ich glaube, sie wissen nicht besonders viel über Deutschland. Aber ich kann‘s auch irgendwie verstehen. Die USA sind 28 Mal so groß wie Deutschland. Gerade bei meinem Roadtrip am Ende habe ich das gemerkt. Europa ist so weit weg. Ich kann nachvollziehen, dass das nicht so interessant ist. Das einzige, das sie gesagt haben, war, dass sie denken, dass wir wegen den ganzen Flüchtlingen ein Problem kriegen könnten. Ich hab ihnen erklärt, dass sie ausgebildet werden und dann Fachkräfte sind.

ONETZ: Gab es Gelegenheiten, bei denen Sie den Kopf schütteln mussten?

Fabian: Was ich ganz furchtbar fand, war die Dekoration. Für jedes Fest haben sie das Haus dekoriert. An Weihnachten vor allem. Das komplette Haus voll mit Lichterketten, im Garten die ganzen Bäume. Auch am Valentinstag, St. Patrick‘s Day, Thanksgiving und Halloween (zeigt Foto von bunt geschmücktem Haus zu Weihnachten). Das ist nicht mal unser Haus. Das gilt da als normal. Unseres war noch viel extremer. Das hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, alles herzurichten.

ONETZ: Gab es auch Momente, in denen sich jemand über Sie gewundert hat?

Fabian: Ich habe immer das Auto und Haus abgesperrt. Da hat sich mein Gastvater jedes Mal darüber aufgeregt, warum denn jetzt das Auto schon wieder zugesperrt ist. Das stiehlt doch keiner, hat er gemeint. Wenn er in die Hofeinfahrt gefahren ist, hat er nur den Schlüssel auf den Sitz geschmissen und dann ist er reingegangen. Ich bin es eben gewohnt, dass ich immer alles absperre. Oder, dass ich, wenn ich im Bad fertig war, immer die Tür hinter mir zugemacht habe. Die sollte ich aber offen lassen, damit mein Gastvater sieht, dass es leer ist. Er ist ein paar Mal davor gestanden und hat gewartet, obwohl gar keiner drinnen war. Das dauert eine Zeit, bis man sich daran gewöhnt.

ONETZ: Wie ist das nach einem Jahr nur Englisch sprechen? Fällt es Ihnen noch schwer, wieder ausschließlich deutsch zu sprechen?

Fabian: Ja, anfangs schon. Aber das ist schon besser geworden. Dadurch, dass ich den Roadtrip mit zwei Mädchen aus Deutschland gemacht habe, die auch Teilnehmerinnen des Programms waren, habe ich mich schon vor der Rückkehr umgewöhnt. Es passierte aber auch, dass jemand von uns auf Deutsch etwas gefragt hat und der andere dann auf Englisch geantwortet hat oder umgekehrt. Das war witzig, aber auch irgendwie komisch. Wir mussten uns erst wieder daran gewöhnen, Deutsch zu sprechen. Im Endeffekt bin ich aber wieder schnell rein gekommen.

ONETZ: Dein Fazit?

Fabian: Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung für mich, das Auslandsjahr zu machen. Meine Kollegen werden mich sogar in Deutschland besuchen, obwohl sie zuvor zum Teil nicht einmal ihren Staat verlassen haben.

Info:

Stipendium

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm des Bundestags, kurz PPP, ermöglicht jedes Jahr 360 Schülern (ab 15 Jahren) und jungen Berufstätigen (bis 24 Jahre) einen einjährigen Aufenthalt in den USA. Dort gehen sie zur High School, studieren an einem College und/ oder bilden sich in ihrem Beruf weiter. In einem mehrteiligen Bewerbungsverfahren werden sie ausgewählt. Dabei kommt es nicht so sehr auf gute Noten an, sondern vielmehr auf die Argumente, die die Bewerber vorweisen, warum sie unbedingt diese Erfahrung machen wollen. Außerdem ist es Fabians "Paten" Alois Karl (CSU), der bei der Auswahl der Stipendiaten der Region das letzte Wort hat, besonders wichtig, dass sie sich gesellschaftlich engagieren. Für das Jahr 2019/2020 läuft die Bewerbungsfrist noch bis zum 14. September 2018. (anv)

Alle Informationen zum Austauschjahr gibt es unter

Mitglied des Bundestags Alois Karl (CSU) begrüßt Fabian Häusler (links) zurück in Amberg. Im November 2017 löste Karl Barbara Lanzinger als Fabians "Projektpaten" ab.

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