29.01.2020 - 11:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Ex-Freundin in Amberg bewusstlos gewürgt: Fast sechs Jahre Haft

Der Täter verschwindet für lange Zeit hinter Gittern. Fast sechs Jahre muss ein 23-Jähriger ins Gefängnis, weil er seine Ex-Freundin am Hals packte und derart brutal würgte, dass die junge Frau (20) bewusstlos zu Boden sank.

Das Gericht sah einen "Rücktritt vom Tötungsversuch" gegeben. Dennoch gibt es für die Tat eine hohe Haftstrafe.
von Autor HWOProfil

Der Täter verschwindet für lange Zeit hinter Gittern. Fast sechs Jahre muss ein 23-Jähriger ins Gefängnis, weil er seine Ex-Freundin am Hals packte und derart brutal würgte, dass die junge Frau (20) bewusstlos zu Boden sank. "Das Opfer entging ganz knapp dem Tod", heißt es im Urteil des Landgerichts.

Der Arbeiter hatte den Laufpass bekommen und mochte das nicht akzeptieren. "Ich wollte noch einmal mit ihr reden", sagte er jetzt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts. Am späten Abend des 10. Juli 2019 erschien der 23-Jährige vor einem Haus im Westen Ambergs. Er will geklingelt haben. Doch geöffnet sei ihm nicht worden. Da nahm er Anlauf und sprang auf einen im Hochparterre liegenden Balkon. Direkt dahinter befand sich seine Ex-Partnerin in ihrem Zimmer. Sie hörte Geräusche, öffnete die Rollos und ließ ihn ein. Was dann kam, geriet für die 20-Jährige zu einem Erlebnis der schlimmsten Art. Zunächst wurde geredet. Doch sie blieb dabei: "Die Beziehung ist beendet". Kurz darauf wollte ihr Ex-Freund offenbar gehen. Diesmal durch die Wohnungstür. Er schickte sie voraus und die junge Frau machte das auch. Dabei drehte sie ihm den Rücken zu und wurde völlig unversehens von hinten attackiert.

Onetz berichtete im Sommer 2019 aktuell über die Tat

Eglsee bei Amberg

"Eine Kurzschlussreaktion"

"Eine Kurzschlussreaktion", argumentierte jetzt Rechtsanwältin Selina Riemer für ihren auf der Anklagebank sitzenden Mandanten. Doch war es das wirklich? Viel eher drängte sich der Verdacht auf, dass da jemand einen finalen und tödlichen Schlussstrich ziehen wollte. Der 23-Jährige umschloss mit seinen Händen den Hals des Opfers und drückte zu. Massiv und so heftig, dass die Frau zu röcheln begann und besinnungslos zu Boden sank. Der Täter fiel auf sie und ließ ab. Dieses Ablassen vom Opfer war, rein juristisch gesehen, der sogenannte Rücktritt vom Tötungsversuch. Von daher lautete die von Oberstaatsanwalt Stefan Täschner erhobene Anschuldigung auf gefährliche Körperverletzung. Doch auch dafür, so zeigte sich später im Urteil, können Richter lange Freiheitsstrafen verhängen.

Was geschah nach dem gewaltsamen Übergriff? Richterin Roswitha Stöber klärte das in allen Details auf. Sie hörte, dass plötzlich die Schwester des noch immer bewusstlos am Boden liegenden Opfers hinzu kam. Sie fragte was los sei und vernahm sinngemäß vom Täter, er sei von der Ex-Freundin herbeigerufen worden, um zu helfen. Dann flüchtete der 23-Jährige und wurde noch in der Nacht festgenommen. Er war zur Schicht an seinem Arbeitsplatz erschienen. Vor den Richtern lagen Fotos. Angefertigt nach dem Verbrechen von Kriminalbeamten. "So etwas", sagte ein Hauptkommissar, "haben wir noch nie gesehen". Die Strafkammervorsitzende schloss sich dieser Einschätzung an. Schlimmste Würge- und Strangulationsmale am Hals der jungen Frau, Einblutungen bis in den Bereich der Augen. Vier Tage lag die 20-Jährige im Klinikum, fünf Wochen Krankschreibung folgten. Bis heute ist sie in therapeutischer Behandlung.

Noch 17 Monate offen

Am Prozess nahm die Frau nun mit ihrer Anwältin Julia Lassmann-Rampf als Nebenklägerin teil. In deren Anwesenheit schilderte das Opfer der Gewalttat ausführlich den Hergang. Dabei wurde deutlich: Unmittelbar nach der Flucht ihres Ex-Freundes war die 20-Jährige aus der Ohnmacht erwacht und hatte selbst die Polizei verständigt. In seinem Plädoyer ging Oberstaatsanwalt Stefan Täschner von gefährlicher Körperverletzung aus. Dafür verlangte er fünf Jahre und neun Monate Haft. Verteidigerin Selina Riemer hielt dreieinhalb Jahre Gefängnis für angebracht und sprach von "Kurzschlussreaktion", die ihr Mandant zutiefst bereue.

Die Erste Strafkammer bestätigte in ihrem Urteil die Forderung des Anklagevertreters. Von seinem Vorhaben, die Frau zu töten, sei der 23-Jährige wohl durch sein Ablassen vom Opfer zurückgetreten, hieß es. "Doch es war ganz knapp", unterstrich Richterin Stöber. Der Täter muss nun für nahezu sechs Jahre hinter Gitter. Doch dieser Aufenthalt wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verlängern. Denn aus vorangegangenen Ahndungen wegen Körperverletzungen standen noch 17 Monate offen. Die dafür gewährte Bewährung dürfte jetzt widerrufen werden.

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