07.06.2019 - 20:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie das Fahrrad das Auto abhängt

Es ist kein offizieller Programmpunkt der Aktionswoche "Amberg fährt Rad". Doch das Thema lassen sich die Grünen nicht entgehen. Gleich zwei Landtagsabgeordnete werfen einen Blick von außen auf die Situation des Radverkehrs in Amberg.

Grünen-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Bumes (vorne) lotste am Freitag die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Anna Toman (links) und Markus Büchler (rechts) auf Rädern durch Amberg. Schon der Start am Bahnhof war nicht ganz unproblematisch.
von Markus Müller Kontakt Profil

"Die Leute steigen nur aufs Rad um, wenn auch die Infrastruktur dafür da ist. Wenn man sich auf dem Rad nicht wohlfühlt, dann macht es keiner." Das sagte der Landtagsabgeordnete Markus Büchler (Grüne) vor einer Radtour durch Amberg. Hinterher sprach er von Defiziten, aber auch von Potenzial.

"Auffällig wenig Rad-Infrastruktur" machte der verkehrspolitische Sprecher seiner Fraktion in der Stadt aus. Er war zusammen mit der Tirschenreuther Abgeordneten Anna Toman nach Amberg gekommen, um die Situation vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Der 14 Mann starke Radlertrupp - einige interessierte Bürger hatten sich angeschlossen - steuerte unter anderem das Klinikum, das Erasmus-Gymnasium und das D-Programm an.

Radweg endet im Nichts

"Es kann doch nicht sein, dass alle paar Hundert Meter ein Radweg im Nichts endet", so Büchler, der seine Kritik mit einer Erfahrung beim ehemaligen Bundeswehr-Krankenhaus präzisierte: "Nicht einmal eine Abflachung gibt es da." Nicht zuletzt durch die steigende Zahl von E-Bikes, mit denen die Leute schnell unterwegs sind, seien die Kommunen in der Verantwortung, für mehr Sicherheit zu sorgen.

Genug Platz für Radweg-Lösungen sah der Oberschleißheimer angesichts von zehn Meter breiten Straßen in Amberg. Geld dafür sei zum Teil über Förderprogramme des Freistaats zu bekommen, "aber der müsste noch mehr Bereitschaft zeigen, den Kommunen unter die Arme zu greifen". Dass keineswegs nur die OTH-Studenten ein ausgebautes Radwege-Netz annehmen würden, betonte Anna Toman: "Wenn man hier ein Angebot macht, nutzen die Leute es auch." Nicht gut findet die 28-Jährige kombinierte Fuß- und Radwege. Das sei häufig gefährlich für die Fußgänger.

Man wisse aus Umfragen, dass die Menschen weniger Autoverkehr wünschten, sagte Büchler. "Und trotzdem dominieren Autos den öffentlichen Raum." Dabei sei über die Hälfte der Autofahrten weit unter zehn Kilometer, also eigentlich auch mit dem Rad relativ problemlos zu erledigen.

"Jetzt schon illegal"

"Im Radius von fünf Kilometern gibt es nichts Effektiveres als das Rad", warb der Amberger Grünen-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Bumes dafür, Fahrräder als gleichwertige Verkehrsmittel anzuerkennen. Umso bedauerlicher sei es, dass die Umsetzung des vor zwei Jahren verabschiedeten städtischen Radwegekonzepts nicht vom Fleck komme. 175 aufgezählte Punkte hätten bisher lediglich zu zwei oder drei weiteren Abstellplätzen geführt. "Und dabei ist der fließende Verkehr viel wichtiger als der ruhende." Bereits beim Start der Radrundfahrt am Bahnhof machte Bumes die Problematik eines fehlenden Radwegs dort deutlich: "Wenn wir jetzt wegfahren, sind wir eigentlich schon illegal."

Im Blickpunkt:

„Radweg einfach mal durchsetzen“

Die Erfahrung, dass der Bau eines Radwegs außerorts an fehlender Verkaufsbereitschaft der betroffenen Grundstücksbesitzer scheitern kann, hat auch Markus Bücherl gemacht. Wobei er das als eklatante Ungleichbehandlung der Verkehrsmittel deutet: Wenn die lokale Politik eine Straße als nötig erachte, sei sie bereit, diese mit massiven Mitteln – bis hin zur Enteignung – durchzusetzen. Komme bei einem Radweg Gegenwind in dieser Form, „dann ist die Sache plötzlich nicht mehr wichtig“ und man verzichte. „Aber man muss dann auch einfach mal einen Radwegebau durchsetzen.“ (ll)

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