19.12.2018 - 15:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Fall Tsavaris: Prozess auf der Zielgeraden

Sie haben alle Knasterfahrung. Einer saß schon mehrere Jahre lang. Doch welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen für drei Männer aus Litauen, die wegen des Verdachts der Beteiligung am Raub beim Amberger Juwelier Ioannis Tsavaris vor dem Landgericht sitzen? Der Prozess steuert auf sein Finale zu.

Im Tsavaris-Fall.stehen drei weitere Männer in Amberg vor Gericht.
von Autor HOUProfil

Das Schicksal schreibt Momente, die auch bei der Justiz eine Wand von Problemen aufbauen können. Wenige Stunden vor diesem vierten Prozesstag hatte einer der Verteidiger erfahren, dass ein naher Verwandter bei einem Kreuzfahrturlaub in Spanien gestorben war. Der Jurist, wegen familiärer Belange dringend gefordert, hätte das laufende Verfahren platzen lassen können. Doch er tat es nicht.

Im Hintergrund stand ein Aufwand, der bedacht werden musste: Eine Verhandlung in der Endphase, bei Aussetzung womöglich mit neuem Beginn im nächsten Jahr versehen und unter der Gefahr, dass man dann wohl hätte die bestehenden Haftbefehle gegen alle drei litauischen Angeklagten außer Vollzug hätte setzen müssen. Der Anwalt blieb auf seinem Platz. Doch fraglos war: Er hätte ihn auch sofort verlassen können.

So wurde dann in dieser vierten Verhandlungsrunde klar: Zumindest einer der Männer, die im Juli letzten Jahres mit nach Amberg gefahren waren und mutmaßlich den Auftrag zum bewaffneten Überfall auf den Schmuckhändler Tsavaris und seine Ehefrau gegeben haben sollen, könnte für sich reklamieren, ein von Drogen abhängiger Mensch zu sein. Bei einem Schuldspruch wäre die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Ströber nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dazu gezwungen, ihn in eine Therapie zu schicken. Solche Maßnahmen kosten den deutschen Steuerzahler bis zu 200 000 Euro.

Der 29-Jährige, so weiß man aus seiner Biografie, saß unterdessen mehrere Jahre in litauischer Haft. Das gab er auch zu, als ihn die Strafkammervorsitzende Stöber nach seinen persönlichen Verhältnissen befragte. Dazu äußerte er sich wie auch die beiden weiteren Mitangeklagten. Seltsam: Da machten die Männer plötzlich den Mund auf. Doch zum eigentlichen Tatvorwurf schweigt das Trio noch immer beharrlich. Also keine Antwort darauf, warum sechs Leute im gleichen Auto von Kaunas in Litauen nach Amberg kamen, drei von ihnen einen Raubzug starteten, die anderen drei im Wagen blieben und später die Stadt verließen.

Die Spannung geht weiter. Denn es gab eine Sachverständige für Spuren. Sie hatte mit Blick auf DNA eine Reihe von schwierigen Untersuchungen angestellt. Das Ergebnis war ernüchternd: Was durch die drei ihrer Tat überführten und dafür abgeurteilten Räuber in den Laden mitgebracht wurde, trug eher keine verwertbaren Abdrücke der mutmaßlichen Begleiter. Dabei stehen sie in dem Verdacht, ihren Handlangern eine Stofftasche mit Soft-Air-Pistole, Handschellen, Pfefferspray und Klebeband ausgehändigt zu haben.

Bericht über die vorhergehenden Prozesstage

Amberg

Ioannis Tsavaris erzählt vom Überfall

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