06.03.2020 - 19:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Familie mit Coronavirus: "Uns geht's gut"

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Am Tag nach Bekanntwerden des ersten bestätigten Coronavirus-Falls in der Oberpfalz warnt der Mann der Erkrankten vor Panikmache: "Uns geht's gut." Bei einer Pressekonferenz wurde bekannt, dass auch er und seine Tochter infiziert sind.

Ein Bild vom Skiurlaub aus Südtirol aus glücklichen Tagen - "und wir sind immer noch glücklich", sagt Thomas Kraheberger (rechts). Bei seiner Frau Ulrike (links) wurde am Donnerstag das Coronavirus festgestellt. Derzeit befindet sich die Frau isoliert im Klinikum. "Ihr geht's gut", sagt ihr Mann, der mit Tochter Alina (Mitte) die Tage in häuslicher Quarantäne verbringt. Auch bei den beiden wurde mittlerweile das Coronavirus bestätigt. Das wurde bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag im Klinikum St. Marien bekannt gegeben.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Familie Kraheberger aus Kümmersbruck erlebt derzeit, was es heißt, als Verdachtsfall eingestuft zu werden. Was es heißt, wenn bei einem Familienmitglied das Coronavirus bestätigt wird und was es heißt, voneinander isoliert und von der Außenwelt abgeschirmt in Quarantäne zu leben. Am Donnerstag gab es die erste offizielle Bestätigung eines Corona-Falls in der Oberpfalz. Am Freitag hieß es bei einer Pressekonferenz im Klinikum St. Marien: Auch der Mann und das Kind sind mit dem Virus infiziert. Sie bleiben jedoch in häuslicher Quarantäne. Ob die 49-Jährige wieder nach Hause darf, ist noch nicht geklärt.

Am Donnerstag wurde die Kümmersbruckerin im Schutzanzug und mit dem Rettungswagen ins Klinikum St. Marien gebracht. "Meiner Frau geht es gut, ihr ist dort stinklangweilig", sagt Thomas Kraheberger. Er ist überzeugt: "Wir haben alle die Krankheit bereits überstanden." Die Ergebnisse des Abstrichs von ihm und seiner Tochter Alina würden zwar noch ausstehen, trotzdem ist sich der 53-Jährige sicher, dass die grippeähnlichen Anzeichen die einzigen Auswirkungen des Coronavirus in der Familie waren. Er erlebt große Anteilnahme, doch er kritisiert auch extreme Panikmache und "Mobbing auf höchster Stufe".

Am Freitagabend gab das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich auch für Kraheberger und seine Tochter eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt habe.

Doch der Reihe nach: Am Faschingsdienstag hatte Ulrike Kraheberger Kopfschmerzen, tags darauf fuhr die Familie in den geplanten Kurz-Urlaub nach Südtirol. "Im Hotel waren 30 Deutsche, mit denen hatten wir fast keinen Kontakt." Am Samstagnachmittag ging es nach Hause zurück. Zu den Kopfschmerzen kamen Husten, Schnupfen und leichtes Fieber, weshalb die 49-Jährige am Montagmorgen bei ihrem Hausarzt anrief. Dort gab sie bereits an, dass sie beim Skifahren in Südtirol – zum damaligen Zeitpunkt kein Risikogebiet – gewesen sei. Ihr wurde gesagt, dass sie in die Praxis kommen soll. Dort wurde ein Abstrich gemacht. Es hieß, binnen 24 Stunden würde sie das Ergebnis erhalten, doch es dauerte viel länger. Am Dienstag bekam ihr Mann einen trockenen Husten, am Mittwoch merkte Alina die ersten Erkältungsanzeichen und blieb tags darauf von der Schule daheim.

Bin ich am Coronavirus erkrankt?

Oberpfalz

Am Nachmittag wurde die Mutter darüber informiert, dass es sich um das Coronavirus handeln würde und sie zuhause bleiben müsse, ebenso ihr Mann und ihre Tochter. Ein zweiter Test brachte schließlich die Gewissheit. Das Gesundheitsamt leitete am Donnerstag die Abholung durch das BRK und die Isolierung der Frau in die Wege. Als gegen 14.30 Uhr die Rettungskräfte an der Haustür klingelten, öffnete Thomas Kraheberger und scherzte: "Darf ich Sie umarmen?" Wieso nicht, hätten die BRK-Mitarbeiter gefragt, bis sie vor Ort erfuhren, dass sie hier eine Corona-Patientin abholen sollen. "Dann haben sie Schutzanzüge angezogen." Auch seine Frau musste im Schutzanzug das Haus verlassen. "Es war wie im Film Outbreak mit Dustin Hoffmann." Ein amerikanischer Thriller um ein Horror-Virus.

Ihm und seiner Tochter sei vom Gesundheitsamt empfohlen worden, selbstständig die 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes anzurufen. "Sie meinten, ich würde besser durchkommen." Nach drei erfolglosen Versuchen mit langen Wartezeiten in der Schleife habe schließlich doch noch einmal das Gesundheitsamt selbst sein Glück versucht und konnte einen Mediziner organisieren. Am Donnerstag um 20.30 Uhr sei schließlich der diensthabende Arzt aus Neumarkt angereist, der im Schutzanzug die Abstriche nahm. "Was ist das bitte für ein System?", kritisiert Kraheberger. Und während am Donnerstagnachmittag bereits via Pressemitteilung aus dem Gesundheitsministerium und vonseiten des Landratsamtes Amberg-Sulzbach bekannt gegeben wurde, dass Kontaktpersonen der Corona-Patienten ermittelt werden würden, sagte Thomas Kraheberger dass dies bis Freitagvormittag nicht passiert sei.

Schulen reagieren auf Coronavirus

Amberg

Peter Welnhofer, Schulleiter am Gregor-Mendel-Gymnasium, wo Alina die achte Klasse besucht, reagierte in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Zunächst hieß es nur, die achte Klasse müsse bis Montag zu Hause bleiben. Zudem wurden 19 Schüler, die ihren Urlaub in Südtirol verbracht hatten, am Freitag nach Hause geschickt. Am Abend dann teilte Welnhofer mit, der Unterricht falle für alle Klassen auf unbestimmte Zeit aus.

Der erste Coronavirus-Fall aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach

Amberg
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Rene Kinderlein

Der Ausgeglichenheit halber: Interviewen sie doch mal jemanden von den ca. 2%. Am Besten auch mit Bild. Denen ist das Grinsen vergangen. Im wahrsten Sinn des Wortes.

06.03.2020