22.03.2021 - 11:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Fast 200 Sachen: Illegales Autorennen zieht harte Strafe nach sich

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Das illegale Autorennen fand mit Geschwindigkeiten bis zu knapp 200 Stundenkilometern statt. Einer der beiden Teilnehmer (20) hatte seine Quittung von der Amberger Justiz vor wenigen Tagen erhalten. Jetzt kam der zweite an die Reihe.

Das Strafgesetzbuch kam zum Einsatz. Ein 25-Jähriger kassierte wegen eines illegalen Autorennens eine saftige Strafe.
von Autor HWOProfil

Es ging flott zur Sache. Nach eineinhalb Verhandlungsstunden setzte es für einen 25-jährigen Familienvater eine Ahndung, die ihn hammerartig traf. Die Vorgeschichte zum Prozess: Am 21. Oktober letzten Jahres beobachteten Polizisten von ihrem zivilen Streifenwagen aus, wie spätabends in Amberg zwei vor ihnen auf der Bundesstraße 85 stadtauswärts fahrende Autos langsamer wurden, nebeneinander an der Speckmannshofer Kreuzung standen und auf Grün an der Ampel warteten. Bei Gelb gab einer der Fahrer dem anderen ein Zeichen - dann bretterten die Autos mit durchdrehenden Reifen los.

Polizei beendet wilde Jagd

Auch die Ordnungshüter gaben Gas. Die beiden zu Rennwagen umfunktionierten Autos lieferten sich eineinhalb Kilometer weit in Richtung Sulzbach-Rosenberg eine wilde Jagd. Sie führte nach Angaben der Polizisten zu Spitzengeschwindigkeiten bis zu 195 Stundenkilometern. Dann war Schluss: Das unterdessen am Polizeiwagen aufgesetzte Blaulicht zwang die beiden Männer zum Stopp.

Einer von ihnen, 20 Jahre alt und kürzlich vor die Jugendrichterin geholt, hatte das Rennen nach längerem Zögern zugegeben. Dafür bekam er 1500 Euro Geldstrafe. Sein Führerschein war unmittelbar nach dem illegalen Rennen von der Polizei sichergestellt worden und lag seither bei den Akten. Auf ihn, so befand die Jugendrichterin, muss er nun noch etliche weitere Monate verzichten.

Sein Kumpel, 25 Jahre alt, unterlag dem Strafrecht für Erwachsene. Ihn zitierte jetzt Amtsrichterin Nadine Sand. Sie gab dem Beschuldigten Gelegenheit zur Schilderung des Geschehens. Zusammengefasst hörte sich das im Prozess wie folgt an: "Es war nicht so. Tempo 80 oder 90. Aber niemals 195 Stundenkilometer." Außerdem: "Keine Verabredung zu einem Rennen." Dabei blieb der junge Familienvater aus Sulzbach-Rosenberg bis zum Schluss. Eine Korrektur fand auch dann nicht statt, als der zweite Rennteilnehmer, diesmal im Zeugenstand, sein Geständnis aus der eigenen Verhandlung wiederholte.

Etliche Vorstrafen

Als Richterin Sand in den Unterlagen blätterte, wurde deutlich, wer vor ihr saß. Der Mann brachte nicht nur Vorstrafen mit, er hatte auch zehn Einträge im Verkehrsregister. Etliche davon wegen überhöhter Geschwindigkeiten. Es kam noch dicker: Fast parallel zur Begebenheit an der Speckmannshofer Kreuzung hatte ihm das Landratsamt den Führerschein wegen Unzuverlässigkeit dauerhaft entzogen. Sein Auto war nach dem illegalen Rennen sichergestellt und vom Technischen Überwachungsverein (TÜV) untersucht worden. Wegen festgestellter Mängel erlosch die Betriebserlaubnis.

Was dann kam, nahm sich heftig aus. "Es war ein verbotenes Rennen", befand die Richterin. Sie verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen zu je 45 Euro (6300 Euro) und setzte einen Führerscheinentzug von eineinhalb Jahren hinzu. Ob der 25-Jährige nach Ablauf dieser Frist wieder eine Lizenz dafür bekommt, sich an ein Lenkrad setzen zu dürfen, liegt allerdings im Ermessen der Verkehrsbehörde. Das Urteil der Richterin unterschied sich nur unwesentlich vom Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der erste Teil des Prozesses

Amberg

An jenem Abend im Oktober 2020 waren nicht nur Verfahren gegen die zwei Rennteilnehmer eingeleitet worden. An der B85 gestoppt, holte der nun vor dem Amtsgericht sitzende 25-Jährige telefonisch Freunde herbei. Die erschienen dann auch und machten mit Worten Front gegen die ihrer Meinung nach überflüssige Polizeiaktion. Einer von ihnen hielt es für angebracht, vor den Augen der Beamten zu urinieren. "Auch er hat eine Anzeige bekommen", hörte man nun im Gerichtssaal.

Mehr aus dem Gerichtssaal

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