Update 12.09.2018 - 12:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Einer fehlt auf dem Podium

"Verhalten optimistisch" ist Achim Hüttner, was den Zuspruch für die Podiumsdiskussion "'s pressiert" angeht. Die Stadtratsfraktionen hätten fürs Podium alle zugesagt. Doch einer, der in Amberg viel zu sagen hat, wird dort nicht sitzen.

Das Areal des ehemaligen Bürgerspitals.

Warum es beim Thema des Abends – „das Bürgerspitalprojekt als Ausgangspunkt für eine nachhaltige Stadtentwicklung“ – so pressiert, begründet die IG Menschengerechte Stadt als Veranstalter mit der Stadtratssitzung am 24. September, in der der Bebauungsplan für das Areal verabschiedet wird.

Mit Blick auf die Stadträte heißt es auf der IG-Homepage: „Doch zuvor diskutieren wir noch mit ihnen, ob es nicht doch andere Möglichkeiten auf dem Areal des ehemaligen Bürgerspitals gibt als das Investorenprojekt. Und auch, ob die Tiefgarageneinfahrt die Fußgängerzone tatsächlich ruinieren muss. Ließe sich das Geld dafür nicht sehr viel sinnvoller und bürgerfreundlicher einsetzen? Gelingt es Amberg, sich von unzeitgemäßen Vorhaben zu verabschieden?“

Derjenige, der am Freitag, 14. September, ab 19 Uhr im Ringtheater die Alternativen aufzeigen soll, heißt Rolf Monheim und ist Stadtplaner sowie Handels- und Mobilitätsforscher. Der emeritierte Professor (Universität Bayreuth) hat laut dem IG-Vorsitzenden Achim Hüttner schon vor 30 Jahren in Amberg einen Vortrag über die Entwicklung der Innenstadt gehalten. „Damals haben wir 10 000 Unterschriften gegen eine große öffentliche Tiefgarage am Malteser gesammelt“, erinnert Hüttner an ein früheres Streitthema. Jetzt habe man Monheim wieder kontaktiert und ihn für einen Vortrag gewonnen, der aufzeigen werde, dass man unter Rücksichtnahme auf die historische Bausubstanz sehr wohl eine florierende Innenstadt erreichen könne.

Für das Podium hat die IG zudem Vertreter der Stadtratsfraktionen eingeladen. Die hätten inzwischen alle zugesagt, so Hüttner. Und der OB? Soll der nicht aufs Podium? Man habe darüber beraten, sagt Hüttner, sich dann aber dagegen entschieden, Michael Cerny einzuladen. Weil man die Angelegenheit auf der Ebene der Fraktionen behandeln möchte.

Falls die bekannten Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sich bis zum 24. September nicht ändern und der Bebauungsplan in der vorliegenden Form beschlossen wird, will Hüttner dennoch nicht aufgeben. „Dann gibt es Einwendungen und mit Sicherheit Klagen, weil Fehler gemacht wurden“, sagt er. Die IG gehe jedenfalls gelassen an die Sache ran. Vielleicht auch vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen bei der Neuen Münze. Hüttner: „Da ist es jetzt so gekommen, wie wir das immer propagiert haben.“

Hintergrund:

Stadtplaner Rolf Monheim hält zu Beginn der IG-Veranstaltung am Freitag, 14. September, um 19 Uhr im Ringtheater einen Vortrag. Laut Pressemitteilung der IG zieht er dabei unter anderem die von ihm erstellte Planungsgeschichte zum „Quartier hinter den Mauern in Bamberg“ als Vergleich zur Problematik in Amberg heran. Seine „45 Jahre Forschungen zu Innenstädten“ ergeben für Amberg folgende Bewertung:

„Die ... gut erhaltene Altstadt (hat) ein hervorragendes Potenzial. Sie sollte dies auf keinen Fall durch nicht zeitgemäße Baumaßnahmen gefährden! Eine Tiefgaragenzufahrt im Fußgängerbereich würde die Aufenthaltsqualität entscheidend beeinträchtigen. Nach Bamberger Vorbild sollten im Neubau nur dessen Gewerbe- und Wohnmieter parken. ... Es würde sich sogar eine automatisierte Tiefgarage anbieten. Dabei benötigt man keine Rampe, sondern nur eine Garagenzufahrt, von der aus das Auto automatisch an einen Stellplatz befördert wird. ... Investoren-Zugeständnisse würden das wertvolle Alleinstellungsmerkmal der Amberger Altstadt dauerhaft beschädigen.“

Professor Rolf Monheim

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