18.04.2019 - 15:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Feuer in St. Martin wäre wie in Notre Dame

Jetzt, nach dem verheerenden Großfeuer von Notre Dame in Paris, rückt die Brandsicherheit der Kirchen in den Fokus. Doch die Bilanz der Feuerwehr ist ernüchternd. Ein Kirchenbrand mitten in der Stadt, das wäre eine Katastrophe.

Stadtbrandrat Bernhard Strobl im Kirchenschiff von St. Martin. Würde das Gotteshaus brennen, so sagt er, wäre es wohl ähnlich wie jetzt in Paris.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Stadtbrandrat Bernhard Strobl betrachtet es ganz nüchtern: "Würde St. Martin brennen, es würde uns genauso gehen wie in Notre Dame." Er steht im kühlen Kirchenraum, hinter sich die Kerzen, die Gläubige angezündet haben. In den riesigen Dachstuhl der Kirche kann Strobl nicht, er hat keinen Schlüssel für die Tür. Und hier fängt das Problem auch schon an: Die Amberger Feuerwehr hat zu keinem der historischen Kirchenbauten in der Stadt Zugang, wenn außerhalb der Öffnungszeiten ein Brand ausbricht.

"Wir müssten uns gewaltsam Zutritt verschaffen", sagt Strobl und betrachtet das noch als das kleinste Problem im Ernstfall. Natürlich gibt es einen Plan. Wenn ein Feuer ausbricht in St. Martin, dann wissen die Einsatzkräfte, wo welches Fahrzeug zu stehen hat, wo die Hydranten für die Wasserversorgung zu finden sind, soweit nicht die Vils angezapft wird, und wie im Prinzip vorgegangen werden soll. Aber wie registriert man überhaupt, dass es brennt? "Du merkst es erst, wenn es raucht", sagt Bernhard Strobl ganz nüchtern und zuckt mit den Schultern. Brandmeldevorrichtungen gibt es nicht. Weder in St. Martin noch in St. Georg sind beispielsweise die Dachstühle damit ausgestattet.

Brandschutz ist teuer

"Das hängt halt immer davon ab, was der Eigentümer, also die Kirche, macht." Die Möglichkeiten des Stadtbrandrats sind da sehr begrenzt, bedauert Strobl. Zuständig für den Brandschutz bei historischen Gebäuden sei das städtische Baureferat, das aber sehr oft durch den Bestandsschutz eingeschränkt werde. Einen Brand in St. Martin zu entdecken, sei also ein reines Glücksspiel - wie es übrigens in Notre Dame ja ähnlich gegangen sei. Erst, als das Feuer außen zu sehen war, wurde es bemerkt.

Problempunkt Nummer zwei beim Brandschutz in St. Martin ist der historische Dachstuhl. Eine Meisterleistung gotischer Zimmerleute. Hochgezogen in zwei Bauabschnitten im 15. Jahrhundert. Aber leider auch ein einziger großer Raum aus Holz. Eine einzige Brandschutzwand hin zum Turm existiert laut Strobl. Und die sei auch schon sehr alt und niemand wisse, was sie im Ernstfall aushalte. Der mächtige hölzerne Dachstuhl hingegen sei völlig ungeschützt. Eine trockene Steigleitung für die Feuerwehr fehle übrigens auch, so dass man im Ernstfall die ganze Ausrüstung die enge Wendeltreppe den Turm hochschleppen müsste.

Für die Brandbekämpfung von außen besitzt die Amberger Feuerwehr die Drehleiter und den Teleskopmast. "Damit kommen wir ungefähr 32 Meter hoch", sagt Strobl. Für den Dachstuhl des Hauptgebäudes mag das noch reichen, doch auch der über 90 Meter hohe Turm besitzt einen solchen. "Selbst die Türmerstube in 70 Metern Höhe würden wir nicht so ohne weiteres löschen können", so der Stadtbrandrat. Denn auch der Wasserdruck reicht dafür nicht aus. Gelingt es im Ernstfall nicht, das Feuer vom Turm fern zu halten, ist dieser wohl verloren.

Rathaus ist sicherer

Bernhard Strobl hofft nun, dass der Brand von Paris zu einem Paradigmenwechsel führt. Hin zu mehr Brandvorsorge in den Kirchen. Beim historischen Amberger Rathaus hat das bereits funktioniert. Nachdem das alte Straubinger Rathaus völlig ausgebrannt ist, wurde in Amberg eine aufwendige Brandmeldeanlage installiert.

Der Dachstuhl von St. Martin:

Er ist beeindruckend und riesig: der Dachstuhl von St. Martin. Fachlehrer und Zimmerermeister Karl Müller hat es vor Jahren für eine Dokumentation ausgerechnet. Allein für die Balken des Dachstuhls wurden rund 500 Tonnen Holz verbaut. Dazu kommen noch einmal Dachlatten und andere Einbauten. Die Dachsparren sind jeweils knapp 28 Meter lang, der Dachstuhl selbst beginnt in 20 Metern Höhe, der First des Dachs liegt in schwindelerregenden 43 Metern.

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