03.08.2020 - 17:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Finanzieller Kraftakt: Pfarrei Hl. Familie saniert Kirche und Turm

Vieles von dem, was hier gemacht wurde oder noch wird, wird Laien gar nicht auffallen. Eines aber ist nicht zu übersehen: das riesige Gerüst, das den Kirchturm am Bergsteig umgibt. Es zeigt: In der Pfarrei Hl. Familie wird saniert.

Hat fast ein bisschen was von moderner Kunst: Der Kirchturm der Hl. Familie im Amberger Bergsteig-Viertel ist komplett eingerüstet. Er und das Kirchdach werden saniert.
von Heike Unger Kontakt Profil

Eigentlich, so berichten Vertreter der Pfarrei und Architekt Michael Dittmann bei einem Ortstermin, müsste bei dieser Sanierung noch viel mehr getan werden. Aber das wäre einfach nicht finanzierbar. Schon die unbedingt nötigen Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, summieren sich auf rund eine Viertelmillion Euro. Das ist sehr viel Geld für die Bergsteig-Pfarrei. Und so musste sich die Hl. Familie auf das beschränken, was unumgänglich ist: die Sanierung des Turms und des Dachs ihrer Kirche, beides Baujahr 1955. Ein paar Kleinigkeiten waren noch drin, im Bereich von Sakristei und dem alten Pfarrsaal, den Räumen im Untergeschoss, die unter anderem die Jugend nutzt.

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Feuchte Flecken an der Decke

Schäden, die im Kirchenschiff sichtbar geworden waren, hatten 2018 den Stein ins Rollen gebracht, wie Architekt Michael Dittmann berichtet. Zwei feuchte Flecken an der Decke ließen schon befürchten, dass hier Gravierendes zu beheben sein würde. Wie sich herausstellte, war das Dach undicht, weshalb Wasser eingedrungen war und die Deckenkonstruktion der Kirche morsch gemacht hatte. In einer Notmaßnahme wurde dieser Bereich gesichert, ein Teil des Kircheninnern musste vorübergehend sogar gesperrt werden. Eine genauere Schadensanalyse zeigte: Eine Sanierung von Dach und Kirchturm musste sein.

Nicht nur das Dach war laut Dittmann "alt und verbraucht". Auch am Turm hatte der Zahn der Zeit erbarmungslos genagt – genauer gesagt hatte sich Taubenkot in den Bau hineingefressen. Die ätzenden Exkremente hatten dem Stahlbeton-Bauwerk ziemlich zugesetzt, an der Westseite war es stark von Flechten überzogen. Das ganze Ausmaß der Schäden in diesem Bereich wurde aber erst sichtbar, nachdem zu Ostern das mächtige Gerüst um den Turm herum errichtet worden war: "Erst da haben wir gesehen, es ist unglaublich, was die Tauben hier angerichtet haben", sagt Dittmann.

Große Schäden durch Taubenkot

Der Kot der vielen Vögel, die durch das Betongitter freien Zugang zum Kirchturm hatten, hat Schäden am Bau verursacht. Ergebnis waren "viele Fehlstellen im Stahlbeton", in die Wasser eindringen konnte. "Wenn das zu rosten anfängt, geht's an die Stabilität", beschreibt Dittmann das Dilemma. "Vor das Betongitter im Turm kommt jetzt ein Gitter davor", erklärt Kirchenpfleger Lorenz Flierl, wie man die Vögel künftig abhalten will. Das, fügt Dittmann hinzu, habe bei der nahe gelegenen Erlöserkirche auch gut funktioniert. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde werden außerdem Nistkästen für Dohlen und Turmfalken angebracht, wie Carsten-Armin Jakimowicz, der Sprecher des Pfarrgemeinderates, wissen ließ. Auch damit könne man die Tauben vergrämen und so die erneute Verschmutzung vermeiden.

Eigentlich wollte die Pfarrei ja eine umfangreiche Sanierung anpacken. Doch als alles zusammengestellt wurde, was gemacht werden sollte, "hat sich rausgestellt: Das ist für die Kirche nicht finanzierbar", blickt Dittmann zurück. Also musste abgespeckt werden. So wurde beispielsweise schweren Herzens auf eine bessere Dämmung für die Kirche verzichtet. Trotzdem kommen noch Kosten von rund 250.000 Euro zusammen, die sich die Diözese (40 Prozent) und die Kirchenverwaltung Hl. Familie (60 Prozent) teilen. Sehr viel Geld für die Pfarrei, die deshalb auf Unterstützung durch Spenden hofft – zumal sie wegen der Corona-Auflagen auf manche Einnahmequelle wie das Pfarrfest verzichten muss. Wegen Corona sind auch keine Extra-Spendenaktionen für die Sanierung möglich.

Zwei Schiefstände: Mauer und Kreuz

"Ein paar Kleinigkeiten in der Sakristei" konnten allerdings noch mit erledigt werden, wie Dittmann erzählt. So wurden einige Putz- und Wasserschäden ausgebessert und eine Belüftung im Untergeschoss eingebaut, die dafür sorgen soll, dass es dort künftig nicht mehr so muffelig riecht. Ein zweiter Fluchtweg war aus Brandschutzgründen notwendig, außerdem wurde mit der Sanierung der maroden Lichtschächte begonnen. Und die Pfarrhofmauer wird gerichtet: Die Wurzeln eines Baumes, "den wir im Herbst fällen dürfen", hatten die Mauer so stark weggedrückt, dass sie ziemlich schief wurde.

Noch ein weiterer Schiefstand wird behoben: Ein Sturm hatte im vergangenen Jahr das große Kreuz auf dem Kirchturm in eine etwa 15-prozentige Neigung gedrückt. Kurze Zeit später vergrößerte ein weiterer Sturm das Problem noch. Vorübergehend sorgten Absperrungen für Sicherheit. Doch um den Schaden wirklich zu beheben, waren zwei Kräne erforderlich: Einer, an dem das schwere Kreuz abgeseilt werden konnte, und ein zweiter für den Fachmann, der diesen Turmaufsatz von einem Tragekorb aus erst einmal loseisen musste.

Fertigstellung Ende September

Inzwischen ist das Kreuz saniert, die dort angebrachten Kugeln sind neu vergoldet worden. Beim Ortstermin war es auch schon wieder oben auf dem Turm, allerdings noch nicht wieder ausgepackt. Starke Windböen hatten es verhindert, das Kreuz wie zunächst geplant Anfang vergangener Woche auszupacken. Ziffernblatt und Zeiger sind auch erneuert. Derzeit sei etwa Halbzeit in der Sanierung, meint Dittmann. Wenn alles gut läuft, rechnet er mit der Fertigstellung "vielleicht Ende September".

Ortstermin zum Stand der Sanierung (von links): Architekt Michael Dittmann, Pfarrdaministrator Pfarrer Ludwig Gradl (Hl. Dreifaltigkeit), Kirchenpfleger Lorenz Flierl, Pfarrgemeinderatssprecher Carsten-Armin Jakimowicz und Pfarrer Maciej Kolanowski.

Sanierung finanziell schwierig für die Hl. Familie

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